Das Rätsel um das Känguru an der Krebsmühle

Mit seiner imposanten Größe ist das Känguru schon von weitem zu erkennen - Norbert Biba im Vordergrund.Foto: sis

Oberursel (sis) – Es ist fast vier Meter hoch, kommt aus der Werkstatt des berühmten Wagenbauers Jacques Tilly und hat bereits Station in Düsseldorf und Frankfurt gemacht. Jetzt zieht das Klima-Känguru an der Krebsmühle die Blicke auf sich. Doch die außergewöhnliche Figur soll vor allem eines: Menschen dazu bringen, stehen zu bleiben, miteinander zu sprechen und sich ihre eigenen Gedanken zu machen.

Ein Känguru zum Nachdenken

Wer derzeit an der Krebsmühle vorbeikommt, schaut fast automatisch ein zweites Mal hin. Zwischen Bäumen und Gebäuden steht plötzlich ein riesiges Känguru mit brennendem Rücken. Kinder entdecken zuerst das Tier. Erwachsene lesen die Botschaft auf seinem Schwanz.

Und genau darin liegt seine Aufgabe: nicht Antworten zu geben, sondern Fragen aufzuwerfen. Für rund drei Wochen bis Ende Juli hat das sogenannte Klima-Känguru an der Krebsmühle in Oberursel seinen Platz gefunden. Gut sichtbar für Autofahrer, Radfahrer und die Fahrgäste der Taunusbahn zieht die außergewöhnliche Figur die Blicke auf sich. Dass sie ausgerechnet hier Station macht, ist kein Zufall.

Norbert Biba kennt Mark Wegner, Geschäftsführer von „Möbel aus der Krebsmühle“, seit vielen Jahren. Schnell war die Idee geboren, das Känguru an diesem Ort aufzustellen. Die Krebsmühle als offener Begegnungsort schien dafür genau richtig. Hinzu kommt die Lage: Tausende Menschen fahren täglich vorbei. Und weil Kinder Kängurus einfach mögen, dürfte die Figur auch bei den jüngsten Betrachtern für neugierige Fragen sorgen.

Vom Karneval auf große Reise

Entstanden ist das Klima-Känguru in der Werkstatt des Düsseldorfer Wagenbauers und Künstlers Jacques Tilly. Seit rund 40 Jahren baut er die berühmten Motivwagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug. Seine oft satirischen und gesellschaftskritischen Figuren sorgen regelmäßig weit über den Karneval und Deutschland hinaus für Aufmerksamkeit und Diskussionen. Das Klima-Känguru wurde erstmals 2021 in Düsseldorf präsentiert und war 2024 auch beim Frankfurter Karnevalsumzug zu sehen. Anders als viele Motivwagen verschwand die Figur anschließend jedoch nicht im Lager. Sie begann eine Reise durch Deutschland.

Heute wird sie von unterschiedlichen Veranstaltern, Initiativen und Organisationen ausgeliehen. Mal begleitet sie Aktionen rund um Umwelt- und Zukunftsthemen, mal steht sie einfach dort, wo Menschen ins Gespräch kommen sollen. Zuletzt war sie unter anderem bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank und wurde auch bereits von der Gewerkschaft Verdi eingesetzt. „Ich möchte die Leute zum Babbeln bringen.“

Dass das Klima-Känguru heute durch Deutschland reist, ist vor allem Norbert Biba zu verdanken. Der 68-jährige Frankfurter liebt außergewöhnliche Kulturprojekte und setzt sie mit viel Leidenschaft um. Kennengelernt hat er Jacques Tilly 2021, als erstmals eine seiner Figuren am Frankfurter Römer zu sehen war. Die Begegnung ließ ihn nicht mehr los. 2023 trat Biba dem Karnevalsverein „Großes Rad Frankfurt“ bei und kaufte sich sogar einen Traktor, um die großen Figuren transportieren zu können. Nur eines überlässt er bis heute lieber anderen. Mit einem Lächeln sagt er: „Eine Figur bauen ist nicht mein Ding.“ Sein Antrieb ist ein anderer. „Ich möchte die Leute zum Babbeln und Nachdenken bewegen – und wachrütteln darf auch erlaubt sein.“ Dabei gehe es ihm nicht darum, Menschen von einer bestimmten Meinung zu überzeugen. Vielmehr sollen die Figuren Gespräche auslösen und zum Austausch anregen. Seine persönliche Sicht beschreibt Biba so: „Das Thema Klima definieren wir Menschen, das Klima macht, was es will.“

Stillstehen ist nichts für‘s Känguru

Lange bleibt das Klima-Känguru nicht in Oberursel. Bereits am Samstag, 8. August, reist die Figur weiter nach Frankfurt. Dort macht sie von 11 bis 14 Uhr am Bockenheimer Depot Station. Thema der Veranstaltung ist die zunehmende Hitze in den Städten. Anschließend geht die Reise direkt weiter zum Bernemer Kerbeumzug. Stillstehen gehört für das Känguru ohnehin nicht zum Programm.

Ein zweiter Blick genügt manchmal

Ob das Klima-Känguru am Ende Kunstwerk, Satire oder Denkanstoß ist, entscheidet jeder selbst. Kaum jemand fährt an der Krebsmühle vorbei, ohne einen zweiten Blick darauf zu werfen. Vielleicht ist genau das die größte Stärke des Kängurus. Es reist weiter. Die Gedanken, die es auslöst, bleiben oft noch ein Stück länger. Norbert Biba würde das freuen. „Wenn ein Kind seine Eltern fragt: ,Warum steht hier ein brennendes Känguru?‘, dann hat die Figur ihren Zweck erfüllt.“

Wer Interesse hat, das Klima-Känguru für eine Veranstaltung oder Aktion auszuleihen, kann sich an Norbert Biba wenden unter Telefon 0151-52467289.



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