Rollentausch: Jugendliche entdecken Berufe bei der Stadt

Die rund 50 teilnehmenden Kinder und Jugendlichen aus verschiedenen Kommunen beim Girls’ & Boys’ Day der Stadt Oberursel. Mit dabei: Erster Stadtrat Jens Uhlig, Stadtrat Andreas Bernhardt sowie BSO-Betriebsleiter Michael Maag sowie die beiden Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Oberursel, Sabine Weil und Bettina Schilling. Ebenfalls auf dem Bild zu sehen sind Feuerwehrleute der Stadt Oberursel sowie Mitarbeitende des BSO, die an diesem Tag mit viel Engagement den jugendlichen Teilnehmern die verschiedenen Berufsbilder auf der praktischen Ebene näher brachten.Foto: Stadt Oberursel

Oberursel (ow). Beim diesjährigen Girls‘ und Boys‘ Day am Donnerstag, 23. April, haben rund fünfzig Jugendliche im Alter zwischen zehn und sechzehn Jahren die Möglichkeit genutzt, für einige Stunden den Alltag in verschiedenen Berufen bei der Stadtverwaltung Oberursel, ihren Außenstellen sowie der Bau & Service Oberursel, BSO, kennenzulernen.

„Der Girls‘ und Boys‘ Day ist eine wichtige Erfahrung für junge Menschen“, betont Bürgermeisterin Antje Runge. „Die Veranstaltung gibt Kindern und Jugendlichen die Chance, über den eigenen Horizont hinauszuschauen und Berufe zu entdecken, die früher oft einem Geschlecht zugeschrieben wurden. Genau dieser Perspektivwechsel ist entscheidend: Wer Neues ausprobiert, gewinnt Orientierung und stärkt die Sicherheit für die eigene Berufswahl. Die Aha-Momente an diesem Tag helfen dabei, neue Sichtweisen zu entwickeln und die persönlichen Interessen stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Gerade mit Blick auf die Gleichberechtigung ist es wichtig, dass junge Menschen frühzeitig erfahren, dass berufliche Entscheidungen nicht von Geschlechterklischees bestimmt sind und sie vielmehr unabhängig davon ihre persönlichen Stärken und Fähigkeiten frei entwickeln können.“

Große Resonanz

Die Nachfrage nach den Plätzen war groß. Insgesamt nahmen 34 Schüler aus Frankfurt, zehn aus Oberursel und drei aus Bad Homburg teil. Damit zeigt sich, dass der Aktionstag weit über die Stadtgrenzen hinaus auf großes Interesse stößt.

Ziel des seit dem Jahr 2011 jährlich stattfindenden Aktionstages ist es, Mädchen und Jungen Einblicke in verschiedene Berufe zu ermöglichen, die nicht den noch immer verbreiteten Geschlechterstereotypen entsprechen.

Die beiden Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Sabine Weil und Bettina Schilling, betonen, „dass dieser Tag wertvolle Impulse liefert, um Chancengleichheit beim beruflichen Aufstieg und beim Einkommen weiter voranzubringen. Er macht Mädchen und Jungen auf die tatsächliche Vielfalt an Berufsmöglichkeiten aufmerksam.“

Praxisnah: Vom Feuerlöschen bis zur Streife

Die Mädchen sammelten insbesondere in technischen, handwerklichen und sicherheitsrelevanten Bereichen Erfahrungen: zehn Teilnehmerinnen waren bei der Feuerwehr Oberursel im Einsatz, acht im Bereich Nachhaltigkeit, fünfzehn beim BSO und zwei bei der Stadtpolizei.

Bei der Feuerwehr erfuhren sie, wie eine Brandlöschung abläuft – und durften anschließend selbst einen Mülleimer löschen. Mit der Stadtpolizei ging es auf Streife durch das Stadtgebiet. Gemeinsam mit der Abteilung Nachhaltigkeit wurde zudem eine Exkursion durch den Maasgrund und den Rushmoorpark unternommen.

Der BSO bot ein facettenreiches Programm zum Kennenlernen unterschiedlicher Arbeitsbereiche. Nach einer Begrüßung und einem kurzen Vortrag von Betriebsleiter Michael Maag über Organisation und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge beim BSO ging es „mit der Gärtnerin on tour“. Dabei konnten die Mädchen Tätigkeiten an unterschiedlichen Orten im Stadtgebiet erleben, den Friedhofsgärtnern über die Schulter schauen und ihre eigenen „NaturTalente im Forst“ entdecken.

Im Wertstoffhof erhielten die Teilnehmer Einblicke in Mülltrennung und Wiederverwertung sowie in die Funktionsweise eines Müllfahrzeugs. Auf der Kläranlage besichtigten sie das Gelände einschließlich aktueller Modernisierungsprojekte, nahmen Wasserproben und untersuchten diese anschließend mit Pipetten, Teststreifen und Mikroskop.

Auch die Kfz-Werkstatt öffnete ihre Türen und vermittelte praktische Einblicke, etwa beim Wechsel von Reifen oder Ölfiltern sowie bei Wartungsarbeiten an Großmaschinen.

Jungen entdecken soziale und kommunikative Berufsfelder

Die Jungen nutzten den Aktionstag, um vor allem soziale und verwaltungsnahe Berufe kennenzulernen: Zwei Teilnehmer waren in der Stadtbücherei, vier im Standesamt und Einwohnerbüro, einer in der Abteilung Kommunikation und Bürgerbeteiligung, jeweils zwei in den Kitas Schatzinsel und Taunuswichtel sowie zwei im offenen Jugendtreff Portstrasse.

In der Stadtbücherei erhielten sie Einblicke in den abwechslungsreichen Arbeitsalltag, während sie in den Kitas den Beruf des Erziehers praktisch erproben konnten. Auch Standesamt, Einwohnerbüro und der Jugendtreff Portstrasse stießen auf großes Interesse.

In der Abteilung Kommunikation und Bürgerbeteiligung erfuhren die Jugendlichen, wie Inhalte für die lokale Presse sowie die Social-Media-Kanäle der Stadt Oberursel informativ und ansprechend aufbereitet werden. Zudem erhielten sie Einblicke in die Bedeutung und die verschiedenen Formen der Bürgerbeteiligung und lernten zentrale Begriffe wie Transparenz und Teilhabe kennen.

Aktionstag mit bundesweiter Geschichte

Der Girls‘ Day wurde im Jahr 2001 als bundesweite Initiative ins Leben gerufen, um Mädchen gezielt für technische, naturwissenschaftliche und handwerkliche Berufe zu begeistern. Ergänzt wird das Angebot seit 2011 durch den Boys‘ Day, der Jungen Einblicke in soziale und erzieherische Berufsfelder ermöglicht. Gemeinsam tragen beide Aktionstage dazu bei, berufliche Perspektiven zu erweitern und bestehende Rollenbilder aufzubrechen.



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