Oberursel (ow). Der Frankfurter Organist Olaf Joksch-Weinandy entlockt dem restaurierten Instrument in der Liebfrauenkirche Klänge, die das Publikum staunen lassen – und eine ganze Gemeinde feiert das Ergebnis ihres Zusammenhalts.
Es gibt Abende, an denen man spürt, dass es um mehr geht als um Musik. Der Samstagabend des 7. Februar in der Liebfrauenkirche war so ein Abend.
Gut gefüllt waren die Bänke, als der Frankfurter Organist Olaf Joksch-Weinandy die Tasten der frisch sanierten Klais-Orgel berührte – und mit den ersten Tönen des Praeludiums und Fuge f-moll von Johann Sebastian Bach eine Klangwelt eröffnete, die manchen Besucher den Atem stocken ließ. Unter den Zuhörern fand sich ein bemerkenswerter Querschnitt der Oberurseler Stadtgesellschaft: von den Jüngsten, die mit großen Augen dem mächtigen Klang lauschten, bis zu den Ältesten, die das Instrument seit Jahrzehnten kennen. Vor allem aber waren es die Sponsoren, Spender und freiwilligen Helfer, die an diesem Abend im Mittelpunkt standen – jene Menschen, die das große Projekt der Orgelsanierung erst möglich gemacht hatten.
3.814 Pfeifen in neuem Glanz
Die 1970 von der renommierten Bonner Orgelbauwerkstatt Klais erbaute Orgel zählt mit ihren 52 klingenden Registern auf vier Manualen und Pedal zu den bedeutendsten Instrumenten im Rhein-Main-Gebiet. Ihre 3.814 Pfeifen waren in die Jahre gekommen, Sanierungsbedarf war unausweichlich. Dass die Arbeiten, durchgeführt von der Orgelbaufirma Mayer aus Heusweiler, in so kurzer Zeit abgeschlossen werden konnten, verdankt die Gemeinde Sankt Ursula und der Förderkreis Liebfrauen nicht zuletzt dem bemerkenswerten Engagement vieler Beteiligter: Freiwillige Orgelputzer sparten durch ihren Einsatz rund 9.000 Euro ein, zahlreiche Spender und Sponsoren trugen die Finanzierung. „Wir sind sehr froh und dankbar, dass die Sanierung in so kurzer Zeit realisiert werden konnte“, betonten Gemeinde und Förderverein einhellig.
Dieses Konzert war der festliche Beweis dafür, dass sich jeder Cent und jede Stunde gelohnt haben.
Joksch-Weinandy, der über das Rhein-Main-Gebiet hinaus bekannte Organist, hatte ein Programm zusammengestellt, das die enorme Bandbreite des Instruments eindrucksvoll unter Beweis stellte. Von Bachs dunkel gefärbtem Praeludium und Fuge f-moll, über Robert Schumanns geistreich-spielerische Fugen über das Thema B-A-C-H bis zu Olivier Messiaens vier symphonischen Meditationen „L’Ascension“ spannte er einen weiten Bogen, der bis ins 20. und 21. Jahrhundert reichte: Mozarts inniges Adagio und Rondo c-Moll/C-Dur, Philip Glass’ hypnotische „Metamorphosis Two“ und Franz Liszts ergreifende Variationen „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ rundeten das Programm ab.
Was an diesem Abend besonders beeindruckte, war die Filigranität, mit der Joksch-Weinandy den Klangreichtum der Orgel präsentierte. Besucher, die das Instrument aus Gottesdiensten und früheren Konzerten kannten, zeigten sich überwältigt: So differenziert, so nuancenreich, so kraftvoll und zugleich zart hatten sie die Klais-Orgel noch nie erlebt. Vom zartesten Sphärenhauch bis zur glanzvollen Strahlkraft und Wucht des Fortefortissimo – das gesamte Spektrum der 52 Register kam zur Geltung.
Gemeinschaft, die trägt
Doch der Abend zeigte noch etwas anderes: Das Projekt der Orgelsanierung hat die Kirchengemeinde zusammengeschweißt. Was als technische Notwendigkeit begann, ist zu einem Gemeinschaftswerk geworden, das weit über die Instandsetzung eines Instruments hinausreicht. Schon der festliche Dankgottesdienst am 25. Januar mit Pfarrer Unfried und Organist Dr. Matthias Goebel hatte dies spürbar werden lassen.
An diesem Konzertabend wurde es vollends deutlich: In den Gesichtern der Spender, Sponsoren und Helfer war der berechtigte Stolz abzulesen, gemeinsam etwas Großes geschafft zu haben.
Dass das anschließende „Get Together“ bei Prosecco und alkoholfreien Getränken bis zum späten Abend andauerte, sprach Bände. Man feierte nicht nur die Wiedergeburt eines bedeutenden Instruments – man feierte sich selbst als Gemeinschaft, die etwas bewegt hat. Die Liebfrauenkirche und ihr Förderverein dürfen mit Recht stolz sein: Die Königin der Instrumente in Oberursel klingt nicht nur wieder – sie klingt besser denn je.
Der Frankfurter Organist Olaf Joksch-Weinandy entlockt der restaurierten Orgel in der Liebfrauenkirche Klänge, die das Publikum staunen lassenFoto: Förderkreis Liebfrauen
