Oberursel (iba) – Wie genau die Handlung von „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ von 1968 verläuft, wüssten wahrscheinlich nicht einmal die größten Cineasten. Aber alle, die den Film gesehen haben, erinnern sich noch daran, wie Steve McQueen – im Splitscreen gefilmt – schlägerschwingend auf dem Pferd über das Spielfeld galoppierte.
Sylvester Stallone wäre wohl auch fast Polospieler geworden, das Talent und die Begeisterung für den Pferdesport hatte er vom Vater geerbt, dann kam aber die große Hollywoodkarriere dazwischen.
Letzte Woche wehte ein Hauch Hollywood über das Gelände des Reit- und Fahrvereins „St. Georg“ Oberursel-Bommersheim, zwar ohne Stallone oder McQueen, dafür mit dem Polo Club Hessen aus Wöllstadt, der den Pferdefans in Oberursel zeigte, wie so ein Polospiel aussieht und was es mit dem Regelwerk auf sich hat.
Ist ein Spielabschnitt ein Viertel oder ein Chukker? Wo ist Offisde und wo ist Nearside? Warum tragen die Pferde Schienbeinschoner? Und ist das ein offizieller Polohelm oder hat sich die Reiterin das Visier von einem Eishockeytorwart geliehen?
Es spielten nicht wie im offiziellen Regelwerk vorgesehen vier gegen vier, sondern zwei gegen zwei. Das Spielfeld maß auch nicht 300 auf 200 Yards (umgerechnet 274 auf 182 Meter). In der Pause kamen weder Julia Roberts noch Richard Gere, um den Rasen festzutreten, ganz einfach, weil nicht auf Rasen gespielt wurde, sondern auf Sand.
Es hatte aber schon etwas, diese außergewöhnlich Sportart einmal live zu sehen, die vor rund 2.500 Jahren in Zentralasien ursprünglich als Kavallerietraining für Nomadenkrieger konzipiert worden war und dann über Indien von Offizieren der britischen Kolonialmächte im 19. Jahrhundert nach England gebracht wurde.
Nach einem kurzen Probedurchgang mit einem eigentlich zu großen Ball mit Fußballmuster wurde dann der korrekte Spielball in der korrekten Größe herausgeholt – und das Spiel nahm seinen Lauf. Hin und her, schnelles Umschalten zwischen Angriff und Verteidigung, schnelle Richtungswechsel, sogar ein „Under the Neck“-Tor wurde erzielt (dabei wird der Ball unter dem Pferdehals in das Tor geschlagen).
Allzuviele Polovereine gibt es in Deutschland nicht, ebenjenen in Wöllstadt, einen weiteren in Frankfurt Nied – da war es dann aber auch schon im Grunde mit dem organisierten Polosport in Hessen. Umso mehr war allen Beteiligten wichtig, das Interesse für Polo zu steigern, der breiten Masse die Sportart näher zu bringen und vielleicht den einen oder die andere zum Beitritt in einen Verein zu locken.
Wer sich also immer schon mal fühlen wollte wie einer der coolsten Schauspieler aller Zeiten, der kann sich auf https://poloclub-hessen.com/ umschauen. Nur die Rückennummer 2, die McQueen als Thomas Crown trug, ist offenbar leider schon vergeben.







