Spielend leicht Toleranz schaffen und Vorurteile abbauen

Gut besucht ist der erste „Spielend für Toleranz“-Tag im Café Portstraße. Bei den Teilnehmern zeigt sich: „Am Spieltisch sind wir alle gleich.“ Foto: Semeras

Oberursel (sem). Zum ersten Mal fand im Café Portstraße die Veranstaltung „Spielend für Toleranz“ statt. Am Nachmittag waren fast alle Tische im großen Saal besetzt. Selbst auf der Bühne wurde eifrig gespielt. Ein Blick in die Runde zeigte: Alter, Nationalität oder die Frage, ob man sich bereits kennt, sind nicht von Belang. Matias Ghaznavi erklärte gerade einer kleinen Gruppe das Spiel DeJa-Vu, ein „Memory-Spiel mit Schnelligkeitsfaktor“, als zwei weitere Personen, die eintrafen, direkt zum Mitmachen aufgefordert wurden. Rund 60 Plätze standen seit dem Vormittag den Besuchern zur Verfügung. Ghaznavi schmunzelte: „Der Allererste war tatsächlich pünktlich um 10 Uhr da.“ Wieviele Teilnehmer es ungefähr waren, konnte er jedoch nur schätzen. In den insgesamt neun Stunden war es ein Kommen und Gehen. Aber eins ist sicher: „Es wird gut angenommen, was uns freut.“

Ideal, um sich kennenzulernen

Mit „uns“ meint Ghanznavi auch Jan Heidelberger, den er seit der Schulzeit kennt. „Wir sind beide begeisterte Brettspieler.“ Heidelberger hatte die Idee, „Spielend in Toleranz“ in Oberursel auszurichten, und sprach Ghaznavi deswegen an. „Ich habe mich inspirieren lassen. Und mir gedacht, so etwas brauchen wir in Oberursel“, berichtet Heidelberger. „2018 haben drei Blogger − Martin Klein, Harald Schrapers und Udo Bartsch − festgestellt, dass manches in Deutschland hinsichtlich der Toleranz nicht so gut läuft. Und Brettspiele sind ideal, um sich kennenzulernen und Vorurteile und Grenzen abzubauen.“

Die Aktion zieht immer größere Kreise. Auch Verlage unterstützen die Initiative und deren Ziele. „Über 80 Blogger, Youtuber, Podcaster und Verlage sind unter diesem Logo bekannt. 50 bis 60 Spieletage finden dieses Jahr in der ganzen Bundesrepublik statt.“, weiß Heidelberger zu berichten. „Das Ziel ist es, Grenzen der Kulturen aufzubrechen. Am Spieltisch sind alle gleich“, meint Ghaznavi. „Es geht darum, Toleranz zu schaffen. Und das finden wir toll.“ Heidelberger ergänzt: „Man kann gegenüber vielen Dingen tolerant sein. Aber es gibt eine Toleranz darüber hinaus.“ Dass das Ziel spielend einfach erreicht werden kann, zeigt sich innerhalb kurzer Zeit. Hier heißt es „mittendrin, statt nur dabei“. Und schon sitzt man bei einer Runde „Fuchs du hast das Huhn gestohlen“ mit Marie (13), Julian (15) und Nora (13). Alter, Bildungsweg, Herkunft oder Religionszugehörig-keit… alles egal. Nun geht es zunächst darum, die Regeln des Geschicklichkeitsspiels zu verstehen und den diebischen Fuchs zu fassen. Lediglich Sätze wie „Du…äh…Sie sind dran mit Würfeln“, offenbaren die noch ungewohnte Situation. Doch ob duzen oder siezen, gewürfelt wird so oder so Denn auch das zeichnet die Veranstaltung aus: Fast jedes Alter ist vertreten und spielt harmonisch zusam-men.

Neben den Würfelspielen gibt es noch andere zur Auswahl. Um den jeweiligen Spielbeginn oder -ablauf zu vereinfachen, sind acht „Erklärbären“ anwesend, die jederzeit angesprochen werden können. Ghaznavi: „Die Helfer, Bekannte von uns, die selbst spielen, erklären die Regeln.“ Eine gute Idee bei 67 unterschiedlichen Spielen. Und „für jeden Geschmack ist was dabei“, ist er sich sicher. „Wir haben lokale Verlage angeschrieben“, erzählt Heidelberger. Abacusspiele, Amigo, Pegasus Spiele sowie Spiel des Jahres haben jeweils ein Paket zusammen- und kostenlos zur Verfügung gestellt. Das ist schon ein Grund zur Freude. Drei Verlage haben die Spiele allerdings nicht nur ausgeliehen, sondern sie dem Café Portstraße geschenkt. Daher kommen sie wohl wieder zum Einsatz. Denn „wenn es gut läuft, so wie es gerade aussieht“, meint Heidelberger, „dann machen wir das hoffentlich wieder.“

!Das Café Portstraße,Hohemarkstraße 18, bietet einen offenen Brettspieletreff an. Die nächsten Termine sind am Donnerstag, 25. April, von 18 bis 22 Uhr sowie am Donnerstag, 6. Juni, von 18 bis 22 Uhr. Fragen werden unter Telefon 06171-636930 oder per E-Mail an matias.ghaznavi[at]oberursel[dot]de beantwortet.

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