Wenn die Stadthalle zum Partyzelt wird

Von Graham Tappenden

Oberursel. Am vergangenen Wochenende fanden die ersten beiden Prunksitzungen des Karnevalvereins Frohsinn in der bunt dekorierten Stadthalle statt. An 40 Tischen genossen die Gäste knapp fünf Stunden lang Tanz, Wortbeiträge und Gesang der verschiedenen Frohsinn-Gruppen.

Um 19:11 ertönte die Harry Potter Titelmelodie von der Brassband an der Treppe auf der rechten Seite der Stadthalle, anschließend machten der Elferrat, die Tanzgarden, die Ehrengarde sowie Prinz Steffen I. mit seinem Hofstaat, das Kinderprinzenpaar mit ihrem Hofstaat, Kinderprinzessin Mia I. aus Usingen und das Rosbacher Prinzessinnenpaar Vivian I. und Ann-Kathrin I. sich auf dem Weg zur Bühne.

Sitzungspräsident Markus Lohnstein forderte das Publikum auf, ihre Sorgen vor der Tür zu lassen und ausgelassen einen Abend gemeinsam zu feiern. Nach den Grußworten der Tollitäten, in dem man lernte, dass man in Rosbach statt „Helau”, „Rolau” ruft, traten Julia Remes und Tina Bingenheimer mit ihrem Funkentanz zu englischen „Hornpipe” Musik.

Danach erschien Michael Kukuruzovic als Wäschefrau verkleidet und trug das Protokoll vor. Es sollte nicht nur schmutzige Wäsche gewaschen werden, sondern die Wahrheit. Das, was er erzählte, wurde weder eingeweicht noch schonend aufgehängt. Als erstes schaute er auf die Weltpolitik: „Trump setzt neue Maßstäbe”, sagte er. „Papst wollte er sein, der Trump in weiß, mit Heiligenschein” und ergänzte „Egal, was er raucht, das will ich auch.” Kritik für Elon Musk fand er auch, den er als „ein wirkliches Festmahl für jeden Psychiater” bezeichnete. Zur Wiedereinführung der Wehrpflicht für die „Gen Z.” fragte er: „Was ist mit der Gleichberechtigung?” Beim Sport hob er Deutschlands Erfolg als Weltmeister im Mannschafts-Minigolf im vergangenen Jahr hervor.

Und natürlich sprach er auch über Oberurseler Themen. In der Dornbachstraße bezeichnete er den Schilderwald als „närrischen Akt” und sagte: „Man ärgert sich über alle Maße, aber Hauptsache wir haben eine Fahrradstraße.” Mit Blick auf den Durchstich der Nassauer Straße kommentierte er: „Orschel ganz im Wahn, plant eine eigene Stadtautobahn.” Besonders freute sich Kukuruzovic über die Fahrradstraße am Gymnasium, die in Karnevalsfarben bemalt wurde. Immer wenn er dort vorbei geht, ruft er zur Straße „Helau!”

Die Minis folgten mit einem Tanzauftritt unter dem Motto „Cowgirls und Cowboys„ und nahmen das Publikum auf eine Reise durch den Wilden Westen, inklusive Saloon und Pferden. Ihnen folgte die Tanzgarde 1.0 mit einem energiegeladenen Auftritt.

Wieder hörte man Musik von Harry Potter und es betraten Mathias Decker und sein Sohn Birk die Bühne in den Rollen von „Harry Dippche und Dumbledecker” - die Zauberer aus der Wetterau. Birk/Harry fragte, warum die Leute alle so komisch angezogen waren, daraufhin erklärte Mathias/Dumbledecker ihm die Fassenacht. Die Karnevalisten, so Dumbledecker, seien Kreaturen, die sich nur zwischen November und März heraus trauen. Harry stellte fest, dass er nie einen Karnevalist im Schwimmbad gesehen hätte und vermutete, sie würden mit ihren Orden dort absaufen. „Einige saufen auch heute Abend ab”, antwortete Dumbledecker.

Der Elferrat sei wie Hauselfen, müssen den ganzen Abend auf ihren Plätzen auf der Bühne sitzen bleiben, erklärte Dumbledecker. Daraufhin nahm Harry eine Socke und bot sie einem Mitglied des Elferrats, um ihn von seinem Platz zu erlösen. Als dieser dann tatsächlich aufstand und die Bühne verließ, sagte Dumblecker: „Wir brauchen nun elf Socken”.

Der Einmarsch der Jugend-Brassband mit „We will rock you” unter der Leitung von Robert Neitzel war ein Grund für die Mitglieder des Elferrats sich einzuhaken und zu schunkeln. Es folgten andere Stück, unter anderem „Zombie”.

Die Tanzgarde 2.0 hatte eine besondere Überraschung im Gepäck. Für ihre Zugabe hatten sie mit Prinz Steffen I. und Hofmarschall Ex-Prinz Rüdiger einen Tanz einstudiert, der das Publikum begeisterte.

Nebelig wurde es auf der Bühne beim Eintritt der Frohsinn-Sänger unter der Leitung von Roland Fries. Zwei von ihnen, gekleidet als Marty McFly und Dr. Emmett Brown stiegen aus einem DeLorean-Requisite. Es folgte eine Zeitreise zurück in den 1980er Jahren mit Liedern von damals, umgeschrieben für aktuelle Themen von heute.

So wurde aus „Sonderzug nach Pankow” das Lied „Entschuldigen Sie, ist das hier die Fahrradstraße…”, „In The Army Now” bekam einen neuen Text zum Thema Wehrpflicht und aus „Major Tom (völlig aufgelöst)” wurde das Lied „Völlig hemmungslos” als Kritik an Donald Trump. Der Elferrat zog dafür sogar Trump-Masken an. Bei „Bella Ursula” stieg die Stimmung im Saal und es formte sich eine spontane Polonaise. In die Pause ging es hinein mit einem Lied über die Orscheler Karnevalsvereine: „Wenn ich ein Raven wäre, dann fiel mir das Tanzen gar nicht schwer…”

Die Brassband unter der Leitung von Jürgen Tauber eröffnete die zweite Hälfte des Abends mit „Let’s Get Loud”. Das Publikum war mit den weiteren Hits „Mamma Mia”, „Don’t Stop Believin’” und „Tage wie diese” gut drauf. Langsamer und wieder nebelig wurde es bei „Only You”.

Der Bütt wurde herausgerollt und Carsten Roemheld, verkleidet als Hausmeister, nahm seinen Platz darin ein. Aber „Hausmeister war gestern, Influencer ist heute”, erklärte Roemheld und erzählte von seinem Versuch, in der Welt der sozialen Medien groß rauszukommen. Zugegeben, er hat sich ein Smartphone gekauft und die relevanten Apps installiert, um Content zu kreieren, dennoch musste er am Ende feststellen: „Das Influencer sein ist schwer.”

In rosaroten Jogginganzügen und blonden Perücken warteten die Sektschwester am Ende seines Beitrags auf der Treppe im Saal und führten anschließend auf der Bühne ein Fitnessprogramm nach dem Motto „Hoher Besuch aus Berlin” als Cindy aus Marzahn durch. Das Publikum im Saal fand die Aktion so toll, dass am Ende des Auftritts Rosen in Richtung Bühne geflogen sind.

Der letzte Wortbeitrag kam von Klaus-Peter „K.P.” Hieronymi. Er erzählte von seinen Abnehmversuchen und wie ein knurrender Magen in der Nacht stören kann.

Eine weitere musikalische Zeitreise machte das Publikum mit dem Frohsinn Ballett. Beginnend mit Broadway Jazz ging es mit den lebhaften Rhythmen des Charleston weiter, durch die glitzernde Disco-Ära bis zur Moderne mit Lady Gaga – eine energiegeladene Routine über sieben Minuten.

Als letzte Gruppe trat das Männer-Ballett „Die Ambosse” auf. Ihr Motto „Hesse im All”, und während ein Mitglied bequem mit seinem Bembel im Sessel saß, stiegen die anderen Mitglieder der Gruppe in Raumfahrer-Anzüge aus einem großen Fernseher. Unter den weißen Raumfahrer-Anzügen hatten sie blau und rosa Glitzerkostüme an. Zum Lied „Wie ein Astronaut” und mit sehr präzisen Bewegungen nahmen sie den Hesse mit und als Ergebnis trinken die Aliens jetzt Ebbelwoi.

Für das Finale kehrten die Frohsinn-Sänger in bunten Glitzeranzügen zurück und wurden von Prinz Steffen I. für sein Prinzenlied begleitet, eine auf Orschel umgedichtete Version von „Düsseldorfer Nächte” von den Swinging Funfares? „Die ganze Welt ist ein Partyzelt und du bist mittendrin” sangen sie, was den Abend ziemlich gut zusammenfasste.

Sie verabschiedeten sich mit „Orschel Helau„ (zu der Melodie von „Y.M.C.A.“) durch das Publikum und führten damit vermutlich die größte Polonaise des Abends an.

Die dritte Prunksitzung findet am Samstag, 31. Januar, statt, gefolgt von der Familien- und Seniorensitzung am Sonntag, 1. Februar.

Die Frohsinn-Sänger nahmen das Publikum auf eine Zeitreise zurück in die 80er Jahre mit umgedichteten Liedern aus der Epoche.Foto: gt



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