Oberursel (sis). Früher mussten die Erzieherinnen hier einen Sprint einlegen. „Wir sind mit den Kindern immer schnell vorgegangen, um alle im Blick zu behalten“, erzählt eine Kindergärtnerin, die an diesem sonnigen Tag mit ihrer Gruppe am Maasgrundweiher unterwegs ist. Heute sei das anders: „Jetzt sind wir deutlich entspannter.“
Der Grund steht direkt am Ufer: neue, kunstvoll gestaltete Geländer, die seit Anfang März mehrere Bereiche rund um den Weiher sichern. Betroffen sind die Betonpodeste am Spielplatz, am Storchenbrunnen sowie an der „Anlegestelle“ der Schiffs-Modell-Gemeinschaft – inzwischen sind alle Anlagen fertiggestellt.
Notwendig geworden waren die Maßnahmen aus Gründen der Verkehrssicherung. Der Weiher liegt unmittelbar am Spielplatz, die Wohnbebauung ist nur rund 50 Meter entfernt. Weil sich hier regelmäßig Kinder aufhalten – teils auch unbeaufsichtigt – müssen Gefahrenstellen dauerhaft gesichert werden. Grundlage dafür sind rechtliche Vorgaben sowie regelmäßige Prüfungen durch die Kommunalversicherung.
Dass daraus keine klassischen Absperrungen entstanden sind, war von Anfang an gewollt. „Ein normaler Zaun wäre hier störend gewesen“, betont Bürgermeisterin Antje Runge. Stattdessen sei gemeinsam mit den Initiatoren des Projekts, Gabi und Robin Weber, sowie der Gestalterin Susanne Hieronymi eine Lösung entstanden, die funktional ist und sich zugleich in die Landschaft einfügt. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv: „Ich höre fast täglich, wie gelungen die Geländer sind.“
Tatsächlich fallen die Konstruktionen erst auf den zweiten Blick als Sicherungselemente auf. In schilfgrüne Metallflächen sind filigrane Motive eingearbeitet – darunter Libellen, Fische, Enten, Frösche und Vögel, die das vielfältige Tierleben im und am Maasgrundweiher widerspiegeln. Dabei greifen die Darstellungen jeweils den Standort auf: Enten finden sich etwa im Bereich der Ententreppe, der Storch am Storchenbrunnen. Ergänzt werden die Motive durch ein kleines Boot, das auf die Modellschiffe auf dem Weiher anspielt. Insgesamt sind rund zehn unterschiedliche Motive entstanden, einige davon sogar gespiegelt. Ein Detail fällt dabei aus der Reihe: die Zahl „637“, eine Anspielung auf die frühere Postleitzahl von Oberursel.
Die künstlerischen Entwürfe stammen von Susanne Hieronymi. Sie ließ sich bei zahlreichen Spaziergängen rund um den Weiher inspirieren und entwickelte Motive, die das Tierleben und die typische Uferlandschaft aufgreifen. „Ich würde mich selbst nicht als Künstlerin bezeichnen“, sagt sie. Ein Effekt zeigte sich dabei erst im Laufe der Umsetzung: Bei Sonnenschein werfen die Ausfräsungen der Geländer Licht- und Schattenspiele auf den Boden – ein Detail, das die Gestaltung zusätzlich erlebbar macht.
Auch praktisch bringen die Anlagen Vorteile. Besucher können sich anlehnen und den Blick über das Wasser genießen, Angler finden Halt. Für Veranstaltungen auf dem Weiher, etwa beim Fischerstechen, lassen sich Teile der Konstruktion öffnen. „Eine Win-Win-Situation für alle“, sagt Runge.
Bei der Umsetzung mussten neben der Gestaltung auch sicherheitstechnische Anforderungen berücksichtigt werden – etwa saubere Kanten an den Ausfräsungen, damit keine Verletzungsgefahr entsteht. Gefertigt und montiert wurden die Geländer von der Oberurseler Metallbaufirma Steinmetz. Dabei wurden die zuvor digitalisierten Motive in Metallplatten eingefräst und anschließend vor Ort installiert. Rund ein Jahr dauerte es von der Idee bis zur Fertigstellung. Trotz des großen ehrenamtlichen Engagements investierte die Stadt etwa 27.500 Euro in Material, Herstellung, Montage und die Ausfräsungen. Ohne diese Unterstützung wäre das Projekt deutlich teurer geworden.
Initiiert wurde das Projekt von dem Oberurseler Architekten Robin Weber. „Als Architekt liegt mir die Gestaltung des Stadtbildes am Herzen“, sagt Weber. Seit rund 30 Jahren arbeitet er in Oberursel und fühlt sich der Stadt eng verbunden. Die Grundidee sei gewesen, den Absperrungen einen Bezug zu den jeweiligen Standorten zu geben. „Das war durch einfache Symbole als Bestandteil der Zaunanlage zu erzielen.“ Für das Projekt habe er bewusst einen anderen Weg gehen wollen. „Es war ein hervorragendes Zusammenspiel zwischen allen Beteiligten.“
Für Weber ist das Projekt auch ein Beispiel über den Einzelfall hinaus: Es gebe viele Möglichkeiten, öffentliche Räume mit Engagement und Kreativität aufzuwerten. „Ich würde mich freuen, wenn auch an anderen Stellen solche Ideen umgesetzt werden.“
Mit den neuen Geländern wird ein weiterer Schritt der Aufwertung des Maasgrundweihers abgeschlossen. Sie sorgen für Sicherheit und zeigen gleichzeitig, wie sich Pflichtaufgaben mit Gestaltung und bürgerschaftlichem Engagement verbinden lassen.





