Oberursel (ow) – Worms war das Ziel der kulturbegeisterten Reisegruppe vom Frauenring. Bequem fuhren alle mit dem Bus in die Stadt am Rhein, die wie kein anderer Ort so eng mit dem Nibelungenlied verbunden ist. Tief dabei im kollektiven Gedächtnis verankert das markante Wahrzeichen der Stadt, der prächtige Dom. Im Nibelungenlied ist die Dompforte Schauplatz des Streites zwischen den beiden Königinnen Brünhild und Kriemhild.
Das großartige Bauwerk romanischer Kirchenbaukunst und Grablege von Königen aus dem Geschlecht der Salier ist bei den Nibelungenfestspiele beeindruckender Teil der Kulisse. Einige große Leinwände verdecken die prächtige Fassade kaum. Auf ihr werden per Video Domskulpturen projiziert und auch Siegfrieds Geist, mit dem Kriemhild immer wieder im Gespräch ist.
Bei dieser Aufführung stand Kriemhild im Mittelpunkt es wurde die „Die Hunnenkönigin“ gespielt. Im nächsten Jahr können die Nibelungenfestspiele ihr 25-jähriges Jubiläum feiern. Das Theaterfestival erzählt die Geschichte der Nibelungen immer wieder aus unterschiedlichen Perspektiven. Dabei finden sich in dem alten Mythos die großen, universellen Themen unserer Zeit. Die Frage nach Krieg und Frieden, Macht und Tyrannei und die Rolle der Frauen. Der Regisseur Oliver Lansley war vor allem vom Ende der Sage, dem Untergang des Hauses Burgund fasziniert. Kriemhild, die trauernde Witwe Siegfrieds, ist zu Beginn Spielball in der Hand der Mächtigen. Sie wird mit dem Hunnenkönig verheiratet, aus reinem Machtkalkül. Staunend verfolgt das Publikum die Ankunft von Kriemhild an Etzel Hofs; inszeniert als Kulturcrash, das Aufeinanderprallen zweier Lebensarten und Kulturen. Dann kehrt sie nach langer Abwesenheit an den Hof nach Worms zurück. Eindrucksvoll wie Maria Drägus in dieser Rolle an die Pforte klopft; blutverschmiert, mit einem Stoffbeutel in der Hand provoziert sie brutal und schaurig den Untergang des Hauses Burgund.
Das mittelalterliche Heldenepos wurde unter der Regie von den beiden Regisseuren James Seager und Oliver Lansley zu einem bemerkenswerten Genre-Mix aus Schauspiel, Musik, Tanz und Puppenspiel. Ergreifend auch die Live-Musik der Band „Silver Lung“ mit unter die Haut gehenden Songs von Alice Merton. Sehr effektvoll und bewegend in Szene gesetzt durch die Theater-Compagnie Les Entfants Terribles aus London, in schönster englischer Theatertradition. Dabei ließen sie literarische und filmische Einflüsse aus „Der Herr der Ringe“ oder „Game of Thrones“ in das Spiel einfließen.
Flanieren, sehen und gesehen, sich kulinarisch verwöhnen lassen, das alles genoss das Publikum vor der Aufführung und in der Pause im angrenzenden, verwunschenen Heylshof. Die großzügige Gartenanlage des historischen Parks mit seinem alten Baumbestand und den Wasserspielen entfaltete ein unglaubliches Flair. Die bei Dunkelheit einsetzende IIluminierung des Parks setzten diesem Theater-Erlebnis noch ein besonderes Sahnehäubchen auf. Nach Mitternacht kehrte die Reisegruppe gut gelaunt und voll mit neuen Eindrücken wieder wohlbehalten nach Oberursel zurück.