Oberursel (ow). An diesem lauschigen Abend wurde das Publikum entführt in die galante, charmante Welt der Operette und die glamouröse Zeit der Ufa-Filme. Zuhauf gab es musikalische Liebeserklärungen, spritzig, frech bis frivol, romantisch, sentimental, auf jeden Fall hoch emotional; kurz, alle Zutaten für ein unvergessliches Konzerterlebnis wurden serviert, liebevoll, sehr professionell. „Ich brauche keine Millionen, mir fehlt kein Pfennig zum Glück“ mit diesem von Peter Kreuder 1939 komponierten Schlager für den Film „Hallo Janine“ sorgte das kleine Opernensemble Hessen schon beim Auftakt für ein Wellenbad von Glücksmomenten im Rushmoorpark mit ihren schönen Stimmen und dem Zauber der Musik.
Viele Gäste waren nur zögerlich gekommen, sie trauten dem Wettergott nicht so recht. Aber sie erlebten einen lauen Sommerabend in der zauberhaften Kulisse des Rushmoorparks, über den Himmel spannte sich ein Regenbogen. Die sommerliche Freiluftbühne mit der großen Liegewiese hinter dem Weiher war ein phantastischer Rahmen für das stimmungsvolle Konzerterlebnis. Organisiert im Rahmen des Orschlers Sommer vom Kunstgriff; wie immer Eintritt frei, Spenden wurden im Hut eingesammelt. Sicherheitshalber waren Pavillons als Regenschutz aufgebaut, dazu bequeme Stühle, die schnell besetzt waren. Wer zu spät kam, konnte auf Bänken Platz nehmen. Der Tennisclub Stierstadt bewirtschaftete die Theke und so stand einem wunderbaren Abend nichts im Wege. Es folgte „Das gibt’s nur einmal“ auch bei diesem mitreißenden Schlager ging das Publikum begeistert mit. „Das kommt nicht wieder“ – so geht es weiter im Text, aber vielleicht kommt das Quartett doch noch einmal nach Oberursel, das wünschten sich alle am Ende eines unvergesslichen Abends.
Seit dem Jahr 2015 touren Anja Stader, Sopran, Simone Garnier, Mezzosopran, Timon Führ, Bass-Bariton und Martin Kellenbenz, Tenor gemeinsam durch die Rhein-Main-Region. Am Piano werden sie begleitet von Seung-Joa Cha, die an diesem Abend mit ihrem unglaublich souveränen und intensiven Spiel glatt ein Orchester ersetzte. Mit dem ausgewählten Programm eroberte das Ensemble die Zuhörerinnen und Zuhörer im Sturm. „Vom Ufa-Schlager zur Operette“, so der Titel des Programms, durch das Laura Paloma führt. Sie nahm alle mit auf eine Zeitreise als berühmte UFA-Schlager und bekannte Operetten-Melodien um die Welt gingen. In witzigen Anekdoten beleuchtete sie die damaligen Sehnsuchtsorte und erzählte vom Stoff, aus dem die Träume gewebt sind, die in den Operettenmelodien und Filmschlagern erklingen.
Sie erinnerte an den großartigen Tenor Joseph Roth, der im Jahr 1933 mit dem Schlager aus dem gleichnamigen Tonfilm „Ein Lied geht um die Welt“, berühmt wurde. Als Jude von den Nazis verfolgt, verstarb er verarmt und vergessen im Exil. Das Lied aber ist unvergessen, es entwickelt sich zum echten Evergreen. Martin Kellenbenz stellte sich damit als großartiger Solist vor. Neben ihrer warmen, volltönenden Stimme verzauberte Simone Garnier die Zuhörerschar auch durch ihr schauspielerisches Talent. Ihr „Kleiner grüner Kaktus“, vielen bekannt durch die „Comedian Harmonists“ sticht, sticht und stieß auf viel Beifall, viele wippten und summten dabei mit. „Heute Nacht oder nie“, damit brillierte Anja Stader und überzeugte mit ihrem glockenhellen Sopran dabei ebenso wie im Duett mit Timon Führ. Gemeinsam versicherten beide überzeugend „Ich werde jede Nacht von ihnen träumen“. Weinlieder durften bei diesem Abend für alle Sinne nicht fehlen. „Schütt die Sorgen in ein Gläschen Wein“, dieser Empfehlung, stimmungsvoll vorgetragen von Timon Führ, folgte viele gerne und ließen sich begeistert mitreißen bei der schwungvollen Hymne auf den „Chiantiwein“, vorgetragen von Simone Garnier.
Nach der Pause ging es Schlag auf Schlag weiter mit einem tollen Medley der bekanntesten Lieder aus dem „Weißen Rössl“, wo das Glück vor der Tür steht, wie alle vier Protagonisten gemeinsam auf’s Schönste sangen. Krönender Abschluss des zauberhaften Musikerlebnisses im Rushmoorpark war das Medley aus der „Maske in Blau“. Ein musikalischer Hochgenuss, hervorragend dargeboten durch die vier so unterschiedlichen, perfekt auf einander abgestimmten klangvoll schönen Stimmen. Die Operette von Fred Raymond wurde 1937 im Metropol Theater in Berlin uraufgeführt und mehrfach verfilmt. Schick kostümiert lief das Ensemble zur Hochform auf bei den beliebten Ohrwürmern wie „Die Juliska aus Buda, Budapest“, „Frühling in San Remo“ oder „Maske in Blau“. Besonders galt das erst recht für das berühmte „Sassa, Sassa“, ohne das eine Fastnachtskampagne in Mainz undenkbar ist. Danach war die Stimmung im Rushmoorpark endgültig auf dem Höhepunkt, ohne Zugabe kamen das Kleine Opern Ensemble Hessen und ihre unvergleichliche Pianistin nicht von der Bühne. Mit ein „Ein Freund, ein guter Freund“, verabschiedeten sie sich wieder sehr schwungvoll von dem begeisterten Publikum. Musik macht eben einfach glücklich, so das Fazit.
