Die Vizesiegerseifenkiste „Radiergummi“ vom Team Sister Kist Foto: Gabi Riek
Peter Göck in seinem Bugatti 35C in schwarz mit Flammendekor Foto: sis
Der achtjährige Charly vom Team Herbie 53 in seiner Seifenkiste Foto: sis
Oberursel (sis). Seit nunmehr elf Jahren verwandelt sich die Strackgasse anlässlich des „Orscheler Sommers“ in eine Rennstrecke, die mit 170 duftenden Strohballen abgesteckt wird und auf der die Seifenkisten vergangenen Samstag ins Ziel donnerten.
Alle waren sich ganz sicher, dass der kürzlich verstorbene Peter Macho, „Vater des Oberurseler Seifenkistenrennens“ von oben zuschaute und gemeinsam mit Petrus für gutes Wetter und tolle Stimmung sorgte. Sein Credo: „Jeder kann bauen, Rennen für alle, Kultur für alle und Pokale für alle – die Freude und der Spaß stehen im Vordergrund“.
Antje Runge, Bürgermeisterin, ließ es sich nicht nehmen, das traditionelle Rennen zu verfolgen, begrüßte die vielen Besucher und motivierte die Teilnehmer mit den Worten: „Die Tradition des Spaßkistenrennens wird natürlich weitergeführt, für Peter Macho und die ganze Seifenkistenfangemeinde, die ihren Ursprung im Jahr 1904 hat, als das erste Seifenkistenrennen der Welt, angeregt durch das berühmte Gordon-Bennett-Automobil-Rennen, in Oberursel stattfand“. Zwei Brüder nahmen damals ihren ganzen Mut zusammen und organisierten sich Autogramme der Rennfahrer, die im Hotel Schützenhof in der Adenauerallee übernachteten und für sie stand fest, wir bauen uns auch eine Seifenkiste, um über die Orscheler Pflaster zu brettern.
Und so verwundert es nicht, dass rund 30 Teilnehmer kämpferisch aber mit voller Leidenschaft und einem Lächeln im Gesicht und den Wind spürend, das Pflaster der Strackgasse in ihren rollenden Kisten unsicher machten. Ein einzigartiges Ambiente zwischen Fachwerkhäusern, Altstadtcafés und Altstadtmarkt.
Der Staffelstab wurde von Peter Macho bereits im vergangenen Jahr gut vorbereitet und in diesem Jahr an Stefan Ramert übergeben, der zwar alle Hände voll zu tun hatte, aber für ein unvergessliches Erlebnis für alle Teilnehmer und Besucher des Seifenkistenrennens sorgte. Unterstützung bekam er dabei vom Kunstgriff, Mitveranstalter seit 2009, und einem Team von rund 25 Personen, die seit 11 Uhr am Aufbau und anschließendem reibungslosen Ablauf des Rennens beteiligt waren.
Damit alle 60 Sekunden die Seifenkisten, teils historisch, teils modern, und mit bekannten Markennamen wie Bugatti, Lotus und Maserati oder dem Frankfurter Adler bemalt die circa 150 Meter lange Rennstrecke hinabfahren konnten, die ihre Herausforderung in der S-Kurve hat, wurden parallel zur Anmeldung alle Fahrzeuge durch eine technische Abnahme vom TÜV überprüft.
Um Peter Macho’s Werk zu würdigen, eröffnete die amtierende Brunnenkönigin, Tanja I., das Rennen im „Radiergummi“, einer 15 Jahre alten Seifenkiste, die aus seiner Hand stammt, schmetterte die Pflaster mit Retrohelm und -brille hinab und bat die Zuschauer um Nachsicht, falls sie in die Strohballen ausweichen müsse, die im Übrigen im Anschluss an das Rennen von einem lokalen Bauern abgeholt, nachhaltig verwertet werden und am Renntag für Sicherheit sorgten.
Danach war die Bahn frei für die 18 teilnehmenden Kinder der Gruppe A in ihren Kisten, die, genauso wie die Erwachsenen (mit oder ohne Kind) in der Gruppe B, vier Durchläufe fuhren, wovon die drei besten Zeiten für die Wertung genutzt wurden. Die Spannung stieg für die lokalen und fünf überregionalen Teilnehmer, der Jüngste acht Jahre alt, der Älteste 72 Jahre alt.
Mit der Startnummer eins ging der zehnjährige Leopold Graf mit seiner Seifenkiste auf die Rennstrecke, der im letzten Jahr den Plan schmiedete, mitzumachen, nachdem er das Rennen besucht hatte. Als bekennender Bugatti- und Fritten-Toni-Fan war der Teamname schnell gefunden: Bugattoni.
Für einige war es das erste Rennen, Andere hatten schon Rennerfahrung. So auch das BD-Racing Team mit der Startnummer 7, das mit Pia Bethke (14 Jahre), Ida Bethke (11 Jahre) Valentin Dere (14 Jahre) und Mara Dere (13 Jahre) ihren Titel aus dem Vorjahr unbedingt verteidigen wollten und deren Teamname die Anfangsbuchstaben der beiden Familiennamen trägt. Ein Freundequartett mit wanderndem Pokal von Wohnzimmer zu Wohnzimmer, damit jeder Freude daran hat und um die Motivation für dieses Jahr zu stärken.
Einfach nur zuckersüß und mit einem ganz großen Lächeln im Gesicht genoss Charly Celikdemir mit seinen jungen acht Jahren sichtlich die Rennstrecke und verzauberte alle Zuschauer mit seinem Lächeln. Seit einem Jahr interessiert er sich für Seifenkisten und in Anlehnung an seinen Lieblingsfilm Herbie trat er für das Team Herbie 53 an. Die Seifenkiste wurde im Rahmen eines Projektes, das sein Onkel betreut, von hilfsbedürftigen Kindern mit Schwerpunkt Integration extra für ihn gebaut.
„Die typische „Orscheler Kiste“ ist technisch nicht so versiert wie manch‘ andere Kiste mit Scheibenbremse, dafür aber mit geringerem Rollwiderstand und einfacher zu bauen, wofür Peter Macho gerne Bauanleitungen zur Verfügung gestellt hat, um am Rennen teilnehmen zu können. Im Gegenzug dazu die Kisten mit Querlenker-Konstruktion, die an bekannte Autos erinnern und mit denen man beispielsweise die Spur und Neigung einstellen kann, auf die die Startnummern 18 und 19 zurückgreifen und somit die Chancen auf einen Sieg erhöhen möchten“ beschreibt Stefan Ramert die technischen Unterschiede der Seifenkisten.
Für Sava Senik und Marlena Becker kommen Standartkisten nicht in Frage. „Wir bauen ausschließlich Seifenkisten im Oldtimerrennwagenstil nach und reisen mit einem blauen Bugatti 35C im Kleinformat, einem Maserati 250F, einem Bugatti 35C in schwarz mit Flammendekor und einem Lotus 99T, der das Dienstfahrzeug von Ayrton Senna war, an. Marlena fährt seit ihrem achten Lebensjahr und möchte den Pokal im Lotus 99T nach Hause bringen, Sava entschied sich für den Bugatti 35C blau. Das für die beiden Elfjährigen die Seifenkistenrennen eine absolute Leidenschaft ist, zeigen auch die weiten Anreisen aus Rohrbach und Wörth. Auch der 72-jährige Peter Göck, Opa von Marlena, gehört zu dem Gespann und fährt seit zehn Jahren Rennen, vor allem auf der schnellen Strecke in Sankt Johann. Er hofft auf einen Sieg mit dem Bugatti 35C in schwarz mit Flammendekor und hat die Seifenkisten gemeinsam mit den Fahrern gebaut. Der Vierte im Bunde ist der 49-jährige Ruslan Senik, der auf den Maserati 250F zurückgriff.
Seifenkistenrennen verbinden Generationen, so auch das Team Nextgen, die zwar ihren Namen modernisiert dafür aber ihrer 30 Jahre alten Seifenkiste treu blieben, die Opa Rüdiger Cornel seinerzeit für die Mutter und den Onkel von Elyas Hosafci, zehn Jahre, gebaut hat. Er liebt alles was schnell ist und hofft auf einen Sieg dank der guten Kisten-Ergonomie, auf die bereits Familiensiege zurückzuführen sind.
Für eine Keilform, um ein wenig windschnittiger zu sein, entschied sich das Team Royal Rangers 491/Blue Angels, die für den Kauf des Technikbaus Pfandflaschen sammelten und beim Bommersheimer Weihnachtsmarkt mitgemacht haben, um ihr cooles Projekt zu finanzieren. Lutz Langner, 59 Jahre, ist Stammleiter der Pfadfinder Royal Rangers, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum feiern. „Es ist für mich eine tolle Aufgabe, mit Kindern und Jugendlichen gemeinsam neues zu erleben und Hindernisse zu überwinden“ wozu auch der Bau der Seifenkiste in der Winter-Team-Zeit mit Sebastian, Tiago, Emil, Lukas, Benny und Jonathan gehörte und deren Farbgebung sich an der Flagge Israels orientiert, mit deren Geschichte sich das ganze Team beschäftigt.
In Anlehnung an die Seifenkisten-Helden aus dem legendären Team „Sauschnelli“, das viele Jahre über die Rennstrecke fegte und vielen Besuchern bekannt war, traten die Enkel Willi und Hanno mit der ältesten Seifenkiste des Tages und neuem Teamnamen „Superschnelli“ in die Fußstapfen ihres Opas und gewannen den Kreativpokal für die „kunstgriffigste“ Kiste.
Nach rund zwei Stunden standen die Sieger des diesjährigen Oberurseler Seifenkistenrennens fest:
In der Gruppe A durfte sich mit 55,98 Sekunden das Team BD Racing über den dritten Platz freuen. Um Haaresbreite schneller war mit 55,78 Sekunden Philipp Lepper, der sich um einen Platz zum Vorjahr verbesserte und im nächsten Jahr auf den Sieg hofft und schnellstes Team am vergangenen Samstag war mit 54,95 Sekunden das KERNTEAM mit Jona (13 Jahre) und Benjamin (11 Jahre), die als Maskottchen Papa Christian Kern im Schlepptau hatten. Jona blickt auf Rennerfahrungen beim Schönecker Seifenkistenrennen zurück, Benjamin hingegen hatte zuvor noch nie in einer Seifenkiste gesessen und freute sich umso mehr über den Gesamtsieg in der Gruppe A und den Sieg der Frankfurter Eintracht, deren Wahrzeichen die Seifenkiste ziert und ein Symbol für Stärke und Heimat ist.
Für alle anderen Kids gab es den Pokal der Herzen für ihre hervorragenden Leistungen.
In der Gruppe B fuhren mit 52,25 Sekunden die Royal Rangers/Blue Angels den Sieg ein. Auch die Strategie des Teams um Peter Göck ging auf und die Vier durften sich über Platz drei und eine Bestzeit von 55,13 Sekunden freuen.
Für die beiden Moderatoren, Peter Schüssler (Orscheler helfen Orschelern und Kabarettist) und Markus Hertle (Hessischer Rundfunk), die an diesem Tag in gewohnter Manier durch das Programm führten, und immer wieder dem „Vater des Oberurseler Seifenkistenrennens“ für seine 15-jährigen Verdienste der Seifenkistentradition dankten, hätte es keinen besseren Zweitplatzierten geben können als Team Sister Kist, die mit Sam (19 Jahre) und Luca (16 Jahre) in 54,91 Sekunden den Vizesieg nicht nur für sich, sondern auch in Gedenken an Peter Macho einfuhren, der bestimmt von seiner Wolke aus fest die Daumen für die von ihm umgebaute Orschelerkiste „Radiergummi“ gedrückt hatte.
Die glücklichen Sieger des diesjährigen Seifenkistenrennens mit ihren Pokalen. Foto: sis
ddsfsdf
sdfsdfsdfFoto:


