Für jeden Journalisten ist es das Schlimmste, was überhaupt passieren kann: einen Nachruf für einen Kollegen schreiben zu müssen. Wir, das Team der Oberurseler Woche, müssen das tun und Abschied nehmen. Abschied nehmen von einem, der für die Zeitung seines Lieblingsorts, seines Orschels, nicht nur gearbeitet, sondern gelebt hat. Mehr als zehn Jahre lang hat Beppo Bachfischer das Geschehen in Oberursel journalistisch begleitet. Am Freitag – 25. September 2026 – ist er im Alter von 67 Jahren gestorben.
Beppo, der gebürtige Burglengenfelder, hat informiert, hartnäckig recherchiert, hat nachgefragt und hinterfragt, hat mit seinen Orschelern gefeiert, gelitten und gelebt. Sein Kürzel „ach“ war Garant für Texte mit Inhalt, klugen Analysen und Haltung, für journalistisches Können und Sprachgefühl. Dafür, dass da jemand war, der genau wusste, was er tat. Wenn Beppo Themen oder Menschen am Herzen lagen – und davon gab es viele in Orschel – dann zählten keine Arbeitsstunden. Beppo saß an seinem Computer und haute wortwörtlich in die Tasten. Mit zwei Fingern hämmerte er auf die Buchstaben ein, bis alles seinen Ansprüchen genügte und seine Orscheler bestmöglich informiert waren. Manch Feierabend ging dabei drauf. Schwarzer kalter Kaffee und Gummibärchen, das war alles, was unser Kollege dann brauchte.
Beppo war ein Lokaljournalist durch und durch. Mit Leidenschaft, mit großem Engagement, mit Liebe und Gespür für die Menschen sowie mit einem unglaublich großen Herzen. Überall, wo „ach“ mit seiner Kamera auftauchte, war er willkommen und geschätzt. Er feierte mit den Narren, war beim Hessentag mitten im Geschehen, begleitete die Brunnenköniginnen, hielt Kontakt zu Händlern und Handwerkern, zu Kirchen, Vereinen, Parteien und Stadtverwaltung. Kaum eine Pause auf dem Rathausvorplatz verging, in der Beppo niemanden traf. In der Stadt der Brunnen war er bekannt wie ein bunter Hund. Und nicht selten brachte er von diesen Pausentreffen oder aber von seinen Gassirunden mit Terrier Lucky die ein oder andere Geschichte zum Recherchieren mit.
Doch unser Kollege Beppo war nicht nur ein guter Journalist mit dem Herzen am richtigen Fleck, er war auch der beste Kollege von allen. „Ein Pfundskerl“, wie ein befreundeter Journalist in seinen Beileidsworten schrieb. So einer war „ach“, für alle in der Redaktion. Er packte an, wo angepackt werden musste. Ohne zu zögern, ohne zu fragen. Er unterstützte, sprang ein, erklärte geduldig, hörte zu, und wurde nicht müde, für alle da zu sein. Nicht nur, was die Arbeit anbelangte. Beppo sorgte sich auch um das leibliche Wohl seiner Kollegen. Waren die Tage lang, hatte er immer einen Schokokeks parat. Als waschechter Bayer machte er die Hessen mit einem zünftigen Leberkäs und Weißwürschtel bekannt, backte hervorragenden Kuchen, und sogar selbstgemachte Soleier schafften es in die Redaktion. Im Winter, wenn in der Schreibstube über das Wochenende die Heizungen ausgestellt waren und die Raumtemperatur weit unter die Wohlfühlgrenze gefallen war, dann ging unser Kollege schon Sonntagabend in die Vorstadt 20 und drehte die Heizungen hoch. Damit am nächsten Tag niemand frieren musste.Mit Beppo konnte man lauthals lachen und Spaß haben. Immer, selbst an den schlechtesten und stressigsten Tagen. „Mei, des is hoid so“, hat Beppo dann gesagt oder: „Des kriagn ma scho“, und alles war schon fast wieder gut.
Beppo, wir haben so viel mit dir erlebt: Wir durften mit dir und deinem Rainer Hochzeit feiern, wir haben über dich auf der Theaterbühne beim „Szenenwechsel“ gelacht und dich als holde blonde Maid beim Taunus-Karnevalszug bewundert. Wir alle haben sehr gerne mit dir gearbeitet und wir werden dich vermissen. Rainer Maria Rilke soll einst geschrieben haben: „Das Abschiednehmen gehört zum Glück des Zusammengewesenseins“. Beppo, wir haben Glück gehabt, dass wir mit dir eine lange Zeit zusammensein durften. Janine Stavenow
