Oberursel (ow) –Vom 6. bis 13. September waren 15 Menschen mit und ohne Beeinträchtigung der ukrainischen Elternorganisation „Djerela“ zu Gast bei der Karawane 2000 Deutschland – Für Vielfalt und Verständigung in Europa im Haus Heliand in Oberursel-Oberstedten. Die Ferienfreizeit bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, für einige Tage Abstand vom belastenden Alltag des Krieges zu gewinnen und in einer ruhigen Umgebung Erholung und Gemeinschaft zu erleben.
Zwischen der Karawane 2000 Deutschland und der ukrainischen Organisation „Djerela“ besteht bereits seit 25 Jahren eine enge Zusammenarbeit. Im Rahmen eines EU-Projektes wurde zwischen 2004 und 2006 über die Mitgliedsorganisation Internationaler Bund eine Anlauf- und Beratungsstelle sowie eine Tagesstätte in Kyjiw aufgebaut. Bis 2019 fanden zudem regelmäßig Fachkräfteaustausche zwischen Deutschland und der Ukraine statt.
Auch seit Beginn des Krieges bemüht sich „Djerela“, die eigene Arbeit trotz der schwierigen Bedingungen aufrechtzuerhalten. Die Karawane 2000 hält regelmäßig Kontakt und unterstützt die ukrainische Partnerorganisation weiterhin. „Djerela“ betreut derzeit in Kyjiw rund 180 Menschen mit Beeinträchtigungen in einem Minihostel und einer Tagesstätte. Ergänzend wurde in Bohuslav, etwa zwei Stunden von Kyjiw entfernt, ein Angebot für betreutes Wohnen aufgebaut. Dort erhalten Menschen mit Beeinträchtigungen und ihre Familien, die besonders unter den Folgen des Krieges leiden, fachliche und psychologische Unterstützung sowie humanitäre Hilfe.
Der Krieg stellt die tägliche Arbeit der Organisation vor große Herausforderungen. Besonders Menschen mit Behinderungen fällt es häufig schwer, die Situation und die damit verbundenen Gefahren zu verstehen. Umso wichtiger sind sichere Strukturen, verlässliche Betreuung und Möglichkeiten zur Entlastung. Während der Ferienfreizeit in Oberursel standen deshalb Begegnung, Kreativität und Erholung im Mittelpunkt. An den Vormittagen fanden musikalische und kreative Workshops statt. Gemeinsam mit dem Künstler Karl Bieda entstanden farbenfrohe Bilder und ein großes Gemeinschaftskunstwerk. Die Teilnehmenden konnten dabei unterschiedliche Materialien und Techniken ausprobieren und ihre eigenen Ideen einbringen. Die kreative Arbeit bot nicht nur Ablenkung, sondern schuf auch Raum für Begegnung und gemeinsames Erleben.
Auch die Nachmittage waren abwechslungsreich gestaltet. Die Gruppe erkundete die Altstadt von Oberursel und besuchte die Oberurseler Werkstätten. Darüber hinaus standen Ausflüge nach Bad Homburg, in den Opel-Zoo und nach Rüdesheim auf dem Programm.
„Wir haben die Ruhe ohne den ständigen Luftalarm hier sehr genossen und konnten endlich einige Tage ruhig schlafen“, machten es die Teilnehmer*innen deutlich. Die gemeinsame Zeit habe allen gutgetan und ihnen ermöglicht, eine sorgenfreie Woche zu verbringen.
Ehrenamtliche aus dem deutschen Netzwerk der Karawane 2000 unterstützten die Begegnung durch Fahrdienste sowie die Durchführung kreativer Workshops. Die gemeinsame Woche machte deutlich, wie wichtig internationale Zusammenarbeit, gegenseitige Unterstützung und inklusive Begegnungen gerade in schwierigen Zeiten sind.
Die Gäste verabschiedeten sich mit der Hoffnung, dass in nicht allzu ferner Zukunft und unter friedlicheren Umständen auch ein Austausch in Kyjiw möglich sein wird. Die Karawane 2000 wird weiterhin verlässlich an Djerelas Seite stehen.

