Umspannwerk: Stadt reagiert empört auf Standortentscheidung

Oberursel (ow). Die Übertragungsnetzbetreiber Amprion und TenneT TSO haben sich für den sogenannten Vorzugsstandort B2 für das geplante Umspannwerk im Bereich Bommersheim entschieden. Die Stadt Oberursel reagiert auf diese Entscheidung mit großem Unverständnis und deutlicher Empörung. Aus Sicht der Stadt wurden die Interessen der betroffenen Landwirtschaft und der Erhalt hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen nicht ausreichend berücksichtigt.

Stadt begleitet Prozess, Entscheidung trifft sie nicht

Die Stadt Oberursel hat den Prüf- und Abstimmungsprozess eng begleitet und sich mit eigenen Vorschlägen in das Verfahren eingebracht. Auf die nun getroffene Standortentscheidung selbst hatte die Stadt jedoch keinen unmittelbaren Einfluss. Um die Abstimmung mit den Nachbarkommunen zu stärken, wurde unter anderem die von Oberursel initiierte Stromkonferenz genutzt, um den Austausch mit Frankfurt am Main, Eschborn, Steinbach und Bad Homburg zu intensivieren und auch die Landwirtschaft in den Prozess einzubinden.

Im Dezember 2025 hatte die Oberurseler Stadtverordnetenversammlung den Magistrat beauftragt, den Standort für das im Rahmen des Netzausbaus nach Netzentwicklungsplan geplante Umspannwerk in den Bereich des Suchraums B2 am Autobahnkreuz „Bad Homburger Kreuz“ zu steuern. Zugleich sollte geprüft werden, ob eine Verlagerung des Suchraums in Richtung Kalbach auf zum Teil landwirtschaftlich weniger ertragreiche Böden möglich sei. Diese erweiterte Variante wurde als B2 plus bezeichnet.

Nach Angaben von Amprion und TenneT zeigte die vertiefte Untersuchung der Variante B2 plus, dass dort erhebliche zusätzliche Konflikte bestehen würden. Genannt wurden unter anderem Überschneidungen mit ökologisch sensiblen Flächen, die Nähe zu Gewässern, denkmalgeschützte Strukturen sowie schwierige topografische Bedingungen. Hinzu kämen technische Herausforderungen und ein deutlich erhöhter Aufwand bei der Herstellung geeigneter Bauflächen, etwa durch das notwendige Verfüllen der Schächte des Abbaugebiets „Gnade Gottes“. Insgesamt bewerteten die Übertragungsnetzbetreiber diese Variante deshalb als deutlich konfliktträchtiger und weniger realisierbar.

Im Ergebnis sehen Amprion und TenneT in dem durch das Autobahnkreuz bereits vorbelasteten Vorzugsstandort B2 weiterhin die in der Gesamtabwägung konfliktärmere, genehmigungsrechtlich realistischere und damit zu präferierende Option. Über diese Einschätzung informierten die Übertragungsnetzbetreiber die Stadtverwaltung und die Landwirte kürzlich.

Kritik an den Folgen für die Landwirtschaft

Bürgermeisterin Antje Runge erklärt: „Die Entscheidung der Übertragungsnetzbetreiber ist für die Stadt Oberursel äußerst enttäuschend und aus unserer Sicht nicht akzeptabel. Uns ist bewusst, dass diese Standortentscheidung das Ergebnis einer umfassenden und differenzierten Abwägung ist. Gleichwohl haben wir uns konstruktiv in den Prozess eingebracht und gemeinsam mit der Landwirtschaft für eine Lösung eingesetzt, die den Verlust hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen so weit wie möglich begrenzt. Dass diese Belange nun nicht ausreichend berücksichtigt wurden, empört uns. Für die betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe ist diese Entscheidung ein schwerwiegender Einschnitt. Es bleibt unser Anspruch, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten und den Dialog mit den Betroffenen weiterhin aktiv zu führen.“

Die Stadt Oberursel wird den weiteren Prozess weiterhin eng begleiten und sich auch künftig für Transparenz, Information und die Interessen der Betroffenen einsetzen. Der enge Austausch mit der Landwirtschaft soll fortgeführt werden.

Eine öffentliche Informationsveranstaltung der Vorhabenträger ist für Ende des Jahres oder Anfang des nächsten Jahres vorgesehen.



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