Oberursel (ow). Viel gelernt – so lautete das Fazit aller Beteiligten nach dem Rundgang mit Förster Luis Kriszeleit durch den Oberurseler Stadtwald. Bereits zum achten Mal hatte die SPD-Fraktion Interessierte zu einer solchen Exkursion eingeladen. Fraktionsmitglied Wolfgang Burchard hatte dazu eingeladen und begrüßte alle am Zustand des Waldes Interessierten freundlich. Bei diesen Wanderungen werden regelmäßig besondere Bereiche und aktuelle Herausforderungen im Stadtwald vorgestellt. Und jedes Mal eröffnen sich neue Einblicke in die vielfältigen Aufgaben der Forstwirtschaft.
Der Oberurseler Stadtwald umfasst eine Fläche von rund 745 Hektar – ein enormes Gebiet für ein vergleichsweise kleines Team. Förster Kriszeleit arbeitet aktuell mit zwei Mitarbeitenden sowie zwei Auszubildenden daran, den Wald zu pflegen und zukunftssicher zu gestalten. Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Sicherung der Waldwege. Diese müssen für alle nutzbar und sicher sein – für Spaziergänger, Radfahrer, Reiter und sogar sportlich ambitionierte Mountainbiker. Allein das Wegenetz im Oberurseler Forst erstreckt sich über mehr als fünfzig Kilometer.
Doch die Herausforderungen gehen weit über die Wegepflege hinaus. „Dem Wald geht es nicht gut“, erklärte der Förster. Rund fünfzig Prozent der Bäume sind durch die Folgen des Klimawandels geschädigt. Besonders die Fichten leiden unter der zunehmenden Trockenheit – einst eine wichtige Einnahmequelle durch den Holzverkauf. Der massive Befall durch den Borkenkäfer hatte die Bestände im Taunus zerstört.
Die Konsequenz: ein grundlegender Umbau des Waldes. Weg von anfälligen Monokulturen, hin zu einem widerstandsfähigen Mischwald. Künftig sollen etwa zehn verschiedene Baumarten das Bild prägen, darunter Buchen, Eichen, Ahorn, Ebereschen, Douglasien, Winterlinden und auch Esskastanien. Ziel ist es, den Wald besser an steigende Temperaturen und häufigere Extremwetterereignisse wie Hitze, Starkregen und Stürme anzupassen und gleichzeitig das Waldklima zu stabilisieren. Beim ersten Halt zeigte Kriszeleit eine Fläche von 25 Hektar jungen Wald mit Bäumen von sechs bis zehn Metern Höhe, der vor etwa sechs Jahren durch Borkenkäferbefall komplett zerstört wurde. Wo damals eine kahle Fläche war, wachsen heute wieder gesunde Bäume. „Wir nutzen dabei auch die Selbstheilungskräfte des Waldes“, erklärte er.
Ein weiterer wichtiger Faktor für die Entwicklung des Waldes ist die Wildregulierung. Durch gezielte Bejagung konnten Verbissschäden deutlich reduziert werden. Allein im vergangenen Jahr wurden 194 Wildschweine erlegt, um die Population in einem verträglichen Rahmen zu halten. Auch diese Aufgabe gehört zum Arbeitsalltag des Försters, der dafür oft schon frühmorgens – gegen 4.30 Uhr – unterwegs ist. Das Wildfleisch wird direkt vermarktet, unter anderem am alten Forsthaus an der Altkönigstraße.
Während des rund zweistündigen Spaziergangs zeigte Kriszeleit weitere Beispiele für Aufforstungen. Neben heimischen Baumarten wachsen dort auch eher ungewöhnliche Arten wie Wildkirschen, Speierlinge oder sogar Zedern. Die Vielfalt soll den Wald widerstandsfähiger machen. Das vergangene Jahr mit mehr Niederschlägen als in den Jahren zuvor brachte dabei eine willkommene Erholungspause, von der besonders die jungen Pflanzen profitierten.
An anderer Stelle demonstrierte der Förster Bäume, die so stark geschädigt sind, dass sie gefällt werden müssen. Dabei kommt schweres Gerät zum Einsatz, etwa ein sogenannter Harvester – eine spezielle Forstmaschine, die Bäume fällt, entastet und zerteilt.
Neben der Aufforstung spielt auch das Wassermanagement eine große Rolle. Durch Versickerungsflächen, kleine Wasserbecken und die Pflege von Gräben wird versucht, möglichst viel Wasser im Wald zu halten und so die Trockenheit abzumildern.
Wer sich für den Beruf des Försters interessiert, kann beim BSO eine entsprechende Ausbildung absolvieren. Neben körperlicher Fitness sind vor allem Naturverbundenheit und Engagement gefragt. Für Luis Kriszeleit ist der Beruf jedenfalls mehr als nur ein Job – er ist Förster aus Leidenschaft.
