Windrose sucht Laptops und neue Lernbegleiter

Über ehrenamtliche Lernbegleiter und Laptop-Spender würden sich Michael Behrent, Vildan Milani, Harald Schuster (vorne v. l.) und die drei ehrenamtlichen Schülerhelferinnen Astrid Rasch, Sabine Jockel und Renate Bill (hinten v. l.) freuen. Foto: js

Oberursel (js). Gesucht: Ehrenamtliche Lernbegleiter und Schülerhelfer bei der Windrose! Dringend benötigt: Zehn Laptops für die Schülerhilfe des Internationalen Vereins. Erhofft: Spender, die mit rund 200 Euro pro Stück die Beschaffung weiterer Laptos zur Leihgabe an bedürftige Schüler und Familien finanzieren. Die Lage ist ernst, viele Schulkinder sind schon heute abgehängt, der Kinderschutzbund spricht schon von einer „verlorenen Generation“.

Der Hilferuf hat einen Mehrklang und gründet sich auf viele Facetten. Hier schreit niemand nach staatlicher Hilfe, die sich vor allem in massiver finanzieller Unterstützung ausdrücken möge. Da ist der „Internationale Verein Windrose“ bescheiden. Eine ordentliche Versorgung mit Internet (W-Lan) in den Unterkünften für Flüchtlinge wäre schon eine große Hilfe. Hier und da einen Raum mehr für die Arbeit der Schülerhilfe, die der Verein leistet, in den Unterkünften selbst, in Räumen anderer Einrichtungen, wie es etwa die IGS Stierstadt in Zusammenarbeit mit der Windrose zulässt. Auch leerstehende Räume in der Stadthalle oder der Burgwiesenhalle könnten da ins Gespräch kommen. „Die Pandemie erzeugt eine Bildungskrise, ohnehin benachteiligte Kinder werden noch mehr abgehängt“, das sei die Realität auch in Oberursel, weil die aktuelle Situation eine normale Arbeit der Schülerhilfe seit Monaten nicht mehr zulasse, sagt der Vize-Vorsitzende des Vereins Windrose, Michael Behrent.

Optimistische Töne hatten die Gespräche beim Windrose-Neujahrsempfang bestimmt. Der Beginn der „neuen 20er-Jahre“ könne und solle dazu beitragen, den seit mehr als vier Jahrzehnten in Oberursel etablierten Verein mit dem markanten und vieldeutigen Namen noch mehr in der Stadtgesellschaft zu verankern. Mehr als 800 Menschen haben sich mit ihrer Mitgliedschaft dem Motto „Wir leben Integration“ verschrieben. An jenen Teil der Stadtgesellschaft und darüber hinaus richtet sich der Hilferuf nach verstärktem ehrenamtlichem Engagement, um die durch die Pandemie verstärkte Bildungskrise abzufedern. „Ja, wir brauchen neue und mehr ehrenamtliche Lernbegleiter“, so Behrent. Viele der bisherigen Helfer gehören etwa aufgrund ihres Alters Risikogruppen an und meiden derzeit persönliche Begegnungen mit potenziellen Schützlingen, auf der anderen Seite wachse die Zahl derer, die Hilfe und Unterstützung brauchen. Viele Kinder würden „rasant und dramatisch abgehängt“, erlebt Vidan Milani jeden Tag. Die Lehrerin und hauptamtliche Mitarbeiterin der Windrose im Schulprojekt an der IGS (Deutsch als Zweitsprache und Schülerhilfe) konstatiert einen „erheblichen Verlust an bereits erworbenem Sprach- und Lesevermögen“ nach der wochenlangen Isolation vieler Schützlinge. Schlimmer noch: „Die Motivation und Arbeitseinstellung lässt nach, der Frust wächst.“

Mit sechs bis acht Kindern in der Schülerhilfe läuft die Arbeit nun wieder langsam an, maximal zehn dürfen es sein. Zwei Dutzend zusammen „wie vor Corona“ geht nicht mehr. Auch dieser fehlende geregelte Tagesablauf mit Struktur im Alltag habe die Kinder und Jugendlichen in der Zeit ohne Schule zurückgeworfen. Sagt Harald Schuster, Sozialarbeiter und Urgestein der Windrose-Schulprojekte und der Flüchtlingsfamilienhilfe. Die Stichworte von Michael Behrent legen die Situation bloß: „Rund 40 Schüler in Oberurseler Unterkünften sind technisch abgehängt. Keine Geräte, kein Internet. Keine räumlichen Möglichkeiten für Schülerhilfe, kein direkter Zugang. Technische Ausrüstung, auch in Familien außerhalb der Unterkünfte, ist unzureichend. Computer, Internetzugang, Drucker fehlen in den Familien. Eltern können bei Aufgaben nicht helfen, es gibt erhebliche sprachliche Hürden.“ Schon vor Wochen hat der Windrose-Vize beim Hochtaunuskreis die Versorgung der Gemeinschaftsunterkünfte mit Internet/W-Lan angemahnt, eine Antwort habe er nicht bekommen.

Sprachförderung im Garten

Videokonferenzen mit Schülern, die dafür benötigte technische Möglichkeiten haben, wurden laut Behrent etabliert, es gab telefonische Betreuung, selten nur persönlichen Kontakt. Immerhin, zehn Laptops konnte der Verein kaufen und nun verleihen. Doch der Schritt in die digitale Welt ist schwer für die meisten, so Vidan Milani. Erstes IT-Wissen, Installieren, Runterladen, eine „Riesenherausforderung“ für die meisten, ein immenser zeitlicher Aufwand für die Lehrerin, fünf Lerngruppen in den Schuljahrgängen fünf bis zehn leitet sie. Daher der Hilferuf der Windrose-Helfer. Ein bisschen Ehrenamt, Unterstützung, Einsatz, eine kleine Laptop-Hilfe, ein bisschen Raum nur für die Chance zur Schülerhilfe. Für die Sommerferien wird gerade ein Programm zur Sprachförderung erarbeitet. Es wird wohl zum Teil im Windrose-Garten in der Neutorallee stattfinden, wo die Stadtgesellschaft beim Brunnenfest so gerne gegrillte Sardinen verspeist und Wein dazu trinkt.



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