DRK: Ständiges Wirtschaften knapp an der Grenze

Seit 2014 bildet das DRK Hochtaunus in drei Jahren junge Menschen zu Notfallsanitätern aus. Die Azubis informieren beim Jahresempfang Besucher aus erster Hand über ihre Ausbildung und Erlebnisse. Foto: fch

Hochtaunus (fch). Vom 8. bis zum 28. August 1864 fand die historisch gewordene Genfer Konferenz statt. Zu den Teilnehmern gehört 26 Delegierte aus 16 Staaten. Zwölf von ihnen unterzeichneten für ihre Staaten die erste Genfer Konvention. Den Grundstein dafür hatte ein Jahr zuvor, am 26. Oktober 1863, das „Fünfer-Komitee“ gelegt. Treibende Kraft hinter beiden Konferenzen war der Schweizer Henry Dunant, der mit seinen Ideen die Welt nachhaltig veränderte.

Durch die Genfer Konventionen entwickelte sich mit dem Internationalen Rotkreuz- und der Rothalbmond-Bewegung die größte humanitäre Organisation der Welt. Bis heute sind sie die wichtigsten, weltweit anerkannten Hilfsorganisation in Kriegszeiten. Und bis heute halten beide Organisationen, die Rotkreuz- und die Rothalbmondbewegung, an folgenden sieben Grundsätzen unverändert fest: Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neu-tralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität. Vertreten sind beide Organisationen mit nationalen Gesellschaften in über 180 Ländern.

Am Sonntag hatte der Kreisverband Hochtaunus des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zu seinem „Henry-Dunant-Jahresempfang“ eingeladen. In und vor der Glasrotunde des Landratsamts in Bad Homburg konnten sich die Teilnehmer über die vielfältigen Angebote des DRK informieren. Außer Gästen aus Politik, Wirtschaft und Vertretern anderer Hilfsorganisationen waren in diesem Jahr auch erstmals Bürger eingeladen. Landrat Ulrich Krebs begrüßte Gäste und Gastgeber.

Den ehrenamtlich geführten Kernbereich des DRK Hochtaunus bilden zehn Ortsvereinigungen mit zehn Bereitschaften und die DRK Bergwacht auf dem Großen Feldberg. In ihnen engagieren sich rund 400 hauptamtlich Beschäftigte, einschließlich Bundesfreiwilligendienstlern und Freiwilliges Soziales Jahr Leistende, die von rund 800 Ehrenamtlichen aktiv unterstützt werden. Sie alle sind ständig bereit, den rund 220 000 Menschen im Hochtaunuskreis im Notfall zur Seite zu stehen.

Im vergangenen Jahr rückten die Rettungssanitäter insgesamt zu 16 000 Einsätzen aus, wie Kreisvorsitzender Jürgen Banzer in seinem Vortrag über die Vielfalt der Angebote sowie die zukünftige Ausrichtung des Verbandes informierte. Die Anzahl der Einsätze zeige, wie notwendig ein qualifizierter Rettungsdienst ist, betonte er. DRK-Rettungswachen gibt es an den Standorten Bad Homburg, Oberursel, Königstein, Hunoldstal und der Bergwacht. Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) sind am Kreiskrankenhaus in Bad Homburg und in Usingen stationiert. Rund um die Uhr für die Bürger da sind die Mitarbeiter der Leitstelle im Rettungsdienst und Hausnotruf. Sie und alle anderen DRKler leisten professionelle, ambulante Hilfe bei Notfällen im Betrieb, auf der Straße, zu Hause, beim Sport und bei anderen Veranstaltungen.

Banzer sprach sich für die Beibehaltung der zehn Minuten Rettungsfrist in Hessen aus. Sie habe sich bewährt wie die Professionalität der Rettungsdienstleitungen. Beide gehörten zu den großen Aufgaben für die Zukunft. Ihren Mitmenschen in schweren Stunden stehen als Helfer für die Seele die speziell ausgebildeten, ehrenamtlichen Mitarbeiter des Kriseninterventionsdienstes bei. Die Neutralität des DRK sei Stärke und Herausforderung zugleich. Zu einer echten Herausforderung für das DRK gehören die Finanzen. „Das Abenteuer, menschlich zu sein, ist heute kein allgemeingültiges Verhalten mehr“, konstatierte Banzer.

Suche nach Grundstücken

Nicht mehr verantwortbar sei aufgrund der Größe und der Vielfalt der Aufgaben des DRK Kreisverbandes das ständige Wirtschaften knapp an der Grenze. „Grundsubstanz und Ausbildung müssen vorhanden sein.“ Vor diesem Hintergrund sei eine regelmäßige, übersichtliche Unterstützung der Arbeit erforderlich, „auch wenn es keine adäquate Bezahlung der Leistung ist“. Eine solide finanzielle Basis sei auch wichtig, um bei unvorhergesehenen Ereignisse Hilfe leisten zu können. Mühselig gestalte sich im Hochtaunuskreis die Suche nach geeigneten Grundstücken für Rettungswachen wie derzeit in Oberursel, Königstein oder Friedrichsdorf vor dem Hintergrund der Zehn-Minuten-Rettungsfrist. „Das DRK muss als privatrechtliche Organisation mit den Finanzen auskommen.“ Etwa 25 Millionen Euro investieren will der Kreisverband in den Neubau des Kaiserin-Friedrich-Hauses in Bad Homburg mit 55 Seniorenwohnungen und einem Kindergarten.

Bei einem leckeren Büfett vom Team „Essen auf Rädern“ diskutierten die Gäste über die umfangreichen Angebote des DRK, Strukturen, Finanzierungen, Ausbildung und Professionalität der Festangestellten und Ehrenamtlichen.

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