Schwalbach(MS). Am Wochenende feierte die Evangelische Limesgemeinde ihr 60-jähriges Bestehen. Wie viele Jahre noch hinzukommen, ist offen, denn das Gemeindezentrum am Ostring lässt sich ab 2027 kaum noch finanzieren. Am Sonntag soll die Gemeinde in einer Versammlung nach dem Gottesdienst über die Pläne des Kirchenvorstands informiert werden.
Hintergrund der Überlegungen ist der „Gebäudebedarfs- und Entwicklungsplan“, den die Synode des Dekanats Kronberg, zu dem auch die beiden Schwalbacher Gemeinden gehören, Ende Mai verabschiedet hat. Dieser regelt auch für den Nachbarschaftsraum 2, den die Limesgemeinde zusammen mit der Friedenskirchengemeinde, der Andreasgemeinde aus Niederhöchstadt und der Evangelischen Gemeinde Eschborn bildet, welche Gebäude in Zukunft gebraucht werden und welche nicht.
Nach den Vorgaben der Landeskirche wurden die Gebäude dabei in verschiedene Kategorien eingeteilt. Während Gebäude der Kategorie A wie bisher volle Zuweisungen erhalten, bekommen Gebäude der Kategorie B Zuweisungen in geringerer Höhe. Gebäude der Kategorie C erhalten ab dem Jahr 2027 gar kein Geld der Landeskirche mehr und müssen durch die Gemeinden und Nachbarschaftsräume selbst getragen werden. „Das bedeutet, dass bei den letztgenannten Gebäuden die Fragen von Nutzungserhalt und Nutzungsveränderung neben Alternativen der Finanzierung im Vordergrund stehen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Dekanats Kronberg. Sprich: Wenn die Gemeinden diese Gebäude nicht mehr mit eigenen Mitteln unterhalten können, müssen sie abgerissen, verkauft oder vermietet werden.
Das gesamte Gemeindezentrum der Evangelischen Limesgemeinde am Ostring 15 wurde in eben diese Kategorie „C“ eingeordnet, so dass die Gemeinde künftig ganz allein für das Gebäude aufkommen muss. Das ist aber viel zu groß und viel zu teuer. Ende der 60er-Jahre wurde es für eine Kirchengemeinde mit rund 4.500 Mitgliedern gebaut. Heute zählt die Evangelische Limesgemeinde gerade noch 1.026 Mitglieder. Zu teuer ist das Gebäude vor allem durch die Fernwärme. Pfarrer Sam Lee hat das Problem bereits Mitte 2025 im Gemeindebrief eindrücklich beschrieben: 50.000 Euro muss die Gemeinde danach jährlich für die Beheizung des Gebäudes einplanen. „Das ist in etwa das Zehnfache dessen, was für vergleichbar große Gebäude im Nachbarschaftsraum vorgehalten wird“, schreibt Sam Lee. Das sei für die Limesgemeinde auf Dauer nicht tragbar.
Seit Monaten arbeitet der Kirchenvorstand daher an einem „Zukunftskonzept“ für das Gemeindezentrum. „Unser Ziel ist es, das Gebäude durch ein verändertes Eigentums- und Nutzungsmodell dauerhaft für unsere Gemeinde und den Sozialraum Limesstadt zu erhalten“, sagt der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Arne Weber. Gespräche dazu liefen, spruchreif sei aber noch nichts. „Sobald konkrete, beschlussreife Ergebnisse vorliegen, informieren wir gerne.“ Am Sonntag, 21. Juni, gibt es nach dem Gottesdienst, der um 10 Uhr beginnt, eine Gemeindeversammlung, bei der der Kirchenvorstand über die Zukunft des Gebäudes sprechen will.
Nur noch der Achteck-Raum?
Möglich ist zum Beispiel, dass die benachbarte Regionale Diakonie, die seit der Fusion der Verbände des Hochtaunus- und des Main-Taunus-Kreises den Standort Schwalbach stärken will, den größten Teil des Gebäudes mit Kirchenraum und Büroräumen übernimmt. Das Gemeindezentrum der Limesgemeinde könnte auf den Bereich des so genannten Achteck-Raums schrumpfen. Das würde dann auch den Flächenrichtwerten der Landeskirche entsprechen, die je 100 Gemeindemitglieder nur 14 Quadratmeter für sakrale und profane vorsehen, für die Limesgemeinde also nicht mehr als 140 Quadratmeter.
Die Gottesdienste in Schwalbach werden in Zukunft vor allem in der Friedenskirche in der Bahnstraße gehalten. Denn diese steht genauso wie das benachbarte Gemeindezentrum der Friedenskirchengemeinde nicht zur Disposition und wurde in die Kategorie „A“ eingeordnet. Sie hat sogar die Chance, zur Hauptkirche im Nachbarschaftsraum Schwalbach/Eschborn zu werden. Verwaltungsstandort der neuen Arbeitsgemeinschaft der vier evangelischen Gemeinden in Schwalbach, Niederhöchstadt und Eschborn soll das Gemeindezentrum der Andreasgemeinde werden, das ab dem kommenden Jahr am Montgeronplatz in Niederhöchstadt neu gebaut wird.
Landeskirche muss sparen
Mit der Reduzierung des Gebäudebestands setzen das Dekanat Kronberg und die Kirchengemeinden die Vorgaben des Zukunftsprozesses „ekhn2030“ um, den die Landeskirche wegen sinkender Mitgliederzahlen und zurückgehender Kirchensteuereinnahmen verabschiedet hat. Allein im Dekanat Kronberg unterhält die evangelische Kirche aktuell 142 Gebäude, die zusammen einen Normalherstellungswert von 92 Millionen Euro haben. Die Immobilien haben 7.057 Quadratmeter sakrale Flächen in Kirchen und 5.798 Quadratmeter profane Flächen in den Gemeindehäusern. Die Landeskirche will den Gebäudebestand um 20 bis 25 Prozent reduzieren. 54 Gebäude im Dekanat Kronberg haben daher ein „C“ erhalten, 26 ein „B“. „Ziel ist ein verschlankter Immobilienbestand mit attraktiven Gebäuden, die nachhaltig finanziell und ehrenamtlich personell bewältigt werden können und das evangelische Profil in der Nachbarschaft, der Region und im Dekanat stärken“, schreibt das Dekanat Kronberg in der Pressemitteilung zum jüngsten Beschluss der Synode.
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