Schwalbach (sz) – Die Schwalbacherin Ulrike Eihausen hat einige botanische „Stars“ in ihrem Garten, die kaum einer kennt. In loser Folge beschreibt sie für die Schwalbacher Zeitung Blumen, Stauden und Gehölze. Heute geht es um die „Clematis Montana“ – eine Sorte der heimischen Waldreben, die als die einzigen Lianen gelten, die hierzulande wachsen.
„Was für ein schöner Name `Clematis Montana´. Also hat sie was mit Bergsteigen zu tun, klettern, in die Höhe wachsen. Und so ist es seit Jahren. Sie umschlingt nicht nur das Geländer vor meinem Küchenfenster, sondern auch das Mauerwerk entlang der Garageneinfahrt und dann geht es hoch in die Büsche und in den uralten Kirschbaum, der fast am Absterben ist. Sie klettert an ihm hoch, verhakt sich und breitet sich weiter vom Stamm über seine „Stamm-Äste“ aus. Ja, ich sage bewusst Stamm-Äste, denn sie sind fast so dick geworden wie der Baumstamm selbst, vom dem alles Wachsen ausgegangen ist. Auf diese Weise verdeckt sie den traurigen Anblick des sterbenden Baumes und verschönert ihn mit ihrem Blattgrün und ihrem Blütenreichtum. Ich bin der „Clematis Montana“ dankbar, dass sie Blüten in den Baum schickt, soviel sie will. Sie hat freie Bahn und freien Lauf.
Übrigens sehen sie sehr schön aus. Vier rosane Blütenblätter, die sich später zu weiß verwandeln, umschließen den Fruchtknoten, der wiederum strahlenförmig von den Staubgefäßen umgeben ist. Wenn die Blütenblätter die Fruchtknoten eines Tages freigeben und vom Wind verweht werden, dann bieten sie einen überraschend neuen Anblick. Unzählige weiße Stempel, Wattestäbchen ähnlich, schauen mich jetzt durch das Küchenfenster an und nicht mehr das überschäumende Blütenband, das ich jeden Morgen beim Frühstücken wie eine Umarmung empfand.“
