ORT: Schwalbacher Spitzen

Eine teure Lösung

von Mathias Schlosser

Vor gar nicht allzu langer Zeit haben die meisten Eltern – oder vielmehr die meisten Mütter – ihre unter-dreijährigen Kinder selbstverständlich zu Hause betreut. Kinderkrippen für Kleinkinder kannte man allenfalls aus Frankreich und der DDR und es dauerte auch nach der Wende noch gut 15 Jahre, bis sich diese Form der Betreuung auch in Westdeutschland durchsetzte und die Karriere-Chancen von vielen jungen Müttern deutlich verbesserte.

Doch der Preis ist hoch: Jeder einzelne Krippenplatz kostet allein beim Bau einer Einrichtung rund 80.000 Euro – im Fall der bisher geplanten Kita St. Pankratius sogar rund 160.000 Euro. Pro Jahr kommen dann noch einmal rund 27.000 Euro für den laufenden Betrieb hinzu.

Ich habe noch nie gehört, dass eine Familie mit drei Kindern Betreuungsräume für fast eine halbe Million Euro gebaut hat. Und auch von Tagesmüttern ist nicht bekannt, dass sie derartige Summen in die Hand nehmen müssen. Die Kleinkindbetreuung in Kitas scheint also eine sehr teure Lösung zu sein, um Kinder und Karriere in Einklang zu bringen.

Tagespflegepersonen sind da eine preiswertere Alternative. Doch statt diese Option gezielt und massiv mit einer besseren Bezahlung und höherer Bezuschussung zu fördern, wird lieber in ultrateure Neubauten investiert. Und obendrein dürfte es den Fast-noch-Babys im eher familiären Umfeld einer Tagesmutter oder -vaters auch noch besser gefallen als in der hektischen Betriebsamkeit einer Groß-Kita.

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