Pilger kommen seit mehr als 400 Jahren

Schwalbach/Königstein/Glashütten (MS). Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Weihnachtsfest, sondern auch die Pilgerschar aus Köln auf ihrem Weg nach Walldürn. Am Dienstag nach Pfingsten starteten die Gläubigen um 7.15 Uhr im Stadtteil Urbach auf die 260 Kilometer lange Fußwallfahrt in den Odenwald, die sie am Wochenende auch in den Hochtaunus- und den Main-Taunus-Kreis führte.

Von Esch kommend trafen die rund 120 Pilgerinnen und Pilger am Freitag vergangener Wochen gegen 19.30 Uhr in Schloßborn ein. Nach einem kurzen Abendsegen ging es zur Übernachtung in Familien in Schloßborn, Glashütten und Königstein, die zum Teil schon seit Jahrzehnten Wallfahrer aufnehmen.

Denn die siebentägige Prozession hat eine sehr lange Tradition. 1615 machten sich erstmals Frauen und Männer aus Köln auf den Weg nach Walldürn, um den Ort Urbach vor der Pest zu bewahren. Nur im 30-jährigen Krieg fiel die Pilgerreise einige Male aus. Der Zweite Weltkrieg oder die Corona-Pandemie konnten die Tradition dagegen nicht stoppen, so dass in diesem Jahr die 376. Wallfahrt anstand.

Nach einer kurzen Nacht ging es am Samstag um 5 Uhr mit Fahnen und Gesang ab Schloßborn weiter. Messe und Frühstück folgten zwei Stunden später in Königstein, ehe die Pilgergruppe über den Hardberg in Richtung Schwalbach weiterlief. Gegen 11 Uhr trafen die Pilger dort am Gemeindezentrum in der Taunusstraße ein, wo Beate Junghenn und acht weitere Helferinnen und Helfer Wasser, Kaffee und Apfelwein reichten. Letzterer ist immer sehr beliebt bei den Wallfahrern, die das erfrischende „Stöffche“ aus ihrer rheinischen Heimat ja nicht kennen. Überhaupt sind so manche von ihnen weltlichen Genüssen nicht abgeneigt. Da wurde morgens um 11 auch mal ein Schnäppschen aus dem Flachmann ausgeschenkt: „Trinkfest und arbeitsscheu, aber der Kirche treu“, erklang es im Pfarrhof zur Melodie der englischen Nationalhymne.

Genauso sangesstark zeigten sich die Wallfahrerinnen und Wallfahrer dann aber auch beim Segen in der St.-Pankratius-Kirche. Bevor es in Richtung Arboretum weiterging, durfte natürlich ein Besuch am Gedenkkreuz für Johann Müller neben der alten Kapelle nicht fehlen. Der war vor nunmehr 203 Jahren kurz nach der Rast in Schwalbach an einem Hitzschlag verstorben und wurde 1823 auf dem alten Friedhof beigesetzt.

In Eschborn-Süd nahmen wie in jedem Jahr Busse die Pilgergruppe auf, um sie um Frankfurt herum zu fahren. Zu Fuß setzten die Kölner ihre Wallfahrt dann in Offenbach-Bieber fort. Am morgigen Donnerstag werden sie schließlich in der „Basilika zum Heiligen Blut“ in Walldürn erwartet.

Hilde Jene-Degott (rechts), Beate Junghenn (2.v.r.) und zahlreiche weitere Helferinnen und Helfer sorgten vor dem katholischen Gemeindezentrum in Schwalbach für Erfrischungen für die rund 120 Pilgerinnen und Pilger aus Köln.Foto: Schlosser

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