Warmes Wasser, das niemand braucht?

ORT:

Große Teile der Dächer des Schwalbacher Naturbads sind noch nicht mit Solarzellen belegt. Nach Ende der Badesaison soll dort eine Solarthermie-Anlage montiert werden, die nach Auffassung der Schwalbacher Grünen nutzlos ist.Foto: Google Earth

Schwalbach (MS). Investiert die Stadt Schwalbach am Naturbad tausende Euro in eine sinnlose Solarthermie-Anlage, nur um ein paar Landeszuschüsse für das Schwimmbad zu bekommen? Diese Frage stellen die Schwalbacher Grünen in den Raum, fanden aber im Stadtparlament keine Mitstreiter.

Obwohl es seit vielen Jahren einen entsprechenden Beschluss der Stadtverordnetenversammlung gibt, wurden auf der Hälfte der Dächer des Naturbads auch zwölf Jahre nach der Eröffnung noch keine Solarzellen verlegt. Bürgermeister Alexander Immisch begründet das damit, dass dort eine Solarthermie-Anlage gebaut werden soll. Eine solche Anlage erzeugt mit Hilfe der Sonnenenergie warmes Wasser. Die Photovoltaik (PV)-Anlage, die auf dem restlichen Dach bereits montiert ist, produziert dagegen Strom.

Für die mehr als 40.000 Euro teure Solarthermie-Anlage hat sich die Stadt entschieden, weil es dafür in Kombination mit der PV-Anlage Zuschüsse gibt. Das Land Hessen übernimmt laut Stadt 90 Prozent der Kosten für beide Anlagen. Dieses Geld wollte sich die Stadt nicht entgehen lassen.

Die Grünen kritisieren allerdings, dass eine Solarthermie-Anlage auf dem Schwimmbad-Dach nutzlos ist. Denn mit dem gewonnenen warmen Wasser könnte allenfalls in den wenigen Monaten des Bade-Betriebs das Duschwasser ein wenig angewärmt werden. Das sei allerdings eigentlich verboten, da ja auch das Naturbad dem Anschluss- und Benutzungszwang an die Fernwärme unterliegt. Ansonsten wäre die Anlage nutzlos, da sie ja ausdrücklich nicht zum Erwärmen des Schwimmbadwassers eingesetzt werden soll. In der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung Ende Juni sagte der Grüne Arnold Bernhardt: „Die Weichen sind falsch gestellt worden. Es geht darum, dass alle Dächer mit Photovoltaik belegt werden.“ Fraktionsvorsitzender Thomas Nordmeyer hält eine sinnlose Solarthermie-Anlage für Steuerverschwendung, auch wenn das Land Hessen die Zeche bezahlt: „Auch Landeszuschüsse sind Steuergelder“, erklärte er.

Die Grünen plädierten daher in einem Antrag dafür, dass auf die geplante Solarthermie-Anlage verzichtet wird und stattdessen eine PV-Anlage zur Stromerzeugung montiert wird, die die Sonnenenergie wesentlich besser und vor allem ganzjährig ausnutzt. In Kombination mit Ladesäulen als zweite Maßnahme könnte man auch dafür den üppigen Zuschuss aus Wiesbaden bekommen.

Dem Antrag wollten die anderen Fraktionen nicht folgen. Nur die Grünen stimmten dafür. CDU, SPD und zwei Mitglieder von „FDP & Freie Bürger“ lehnten die Idee der Grünen ab. Der Rest enthielt sich. Thomas Scherer von der CDU hatte zuvor die Ablehnung begründet: „Wir brauchen die Anlage, sonst müssen wir den schon bewilligten Zuschuss zurück bezahlen.“

Dieses Risiko wären die Grünen nach eigenen Angaben gerne eingegangen. Denn nach ihrer Rechnung hätte die Stadt mit einer PV-Anlage schon in den vergangenen Jahren mehr Geld mit dem Stromverkauf verdienen können als es aus Wiesbaden überhaupt für die Anlage gibt.

Anlage nicht nutzlos

Auf Nachfrage der Schwalbacher Zeitung erklärt der Magistrat, dass eine Solarthermie-Anlage keineswegs nutzlos sei. Im Naturbad würden ganzjährig Räume vermietet werden, deren Beheizung bei Sonneneinstrahlung durch die Anlage gestützt werden kann. Hierzu gebe es einen Schichtspeicher, der sowohl über die Fernwärmeleitung als auch durch die thermische Solaranlage beschickt werden kann.

Wann die Anlage montiert wird, steht noch nicht fest. Eigentlich sollte sie bereits parallel zum Bau der PV-Anlage installiert werden. Da das beauftragte Unternehmen zurzeit aber personelle Engpässe hat, sei der Bau verschoben worden. Nach Ende der Badesaison sollen die Solarzellen nun auf das Dach kommen.

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