Mit mitreißender Musik für eine faire Welt

Der Arbeitskreis Ökumene hat in die St.-Bonifatius-Kirche in Steinbach zu einem außergewöhnlichen Gottesdienst eingeladen. Musik, Gemeinschaft und Fairtrade stehen dabei im Mittelpunkt. Foto: Christian Breitsprecher/privat

Steinbach (stw). Die St.-Bonifatius-Kirche in Steinbach wurde am Sonntag zum Schauplatz eines außergewöhnlichen Gottesdienstes, bei dem Musik, Gemeinschaft und Fairtrade im Mittelpunkt standen. Der Arbeitskreis Ökumene hatte eingeladen – und die Kirche war so gut gefüllt, dass die Trennwand geöffnet werden musste, wie es sonst nur an hohen Feiertagen der Fall ist.

Schon mit den ersten Klängen des Instrumentalstücks „Shallow“ war klar: Dies würde kein gewöhnlicher Gottesdienst werden. Der Projektchor „Musik für alle – Fairtrade“ der evangelischen St.-Georgs-Gemeinde brachte mit sechs Musikern eine mitreißende Mischung aus traditionellen Gemeindeliedern und modernen Songs in den sakralen Raum. Die Stimme als „Instrument des Jahres 2025“ passte perfekt: Gesang vermittelte eine starke Botschaft, begleitet von Violoncello, Violinen, Flügelhorn, Akkordeon und Klavier.

Anstelle einer klassischen Predigt wurde die Feier zur lebendigen Verkündigung. Musik, Texte, eine Theaterszene und Fakten zu Fairtrade nahmen die Gemeinde mit auf eine gedankliche Reise. Trotz eines jährlichen Pro-Kopf-Umsatzes von 30 Euro machen fair gehandelte Produkte in Deutschland weniger als 0,5 Prozent des Marktes aus. Oft sind es nur wenige Cent Mehrkosten, die Verbraucher abschrecken – ein Verhalten, das große Konzerne bereits zum Umdenken bewogen hat.

„Wenn ihr uns gerechte Preise zahlt, könnt ihr eure Almosen behalten“, zitierte der Gottesdienst den brasilianischen Bischof Dom Hélder Câmara – ein Aufruf zum bewussten Einkaufen.

Passend zum Lied „This Little Light Of Mine“ wurde deutlich: Jeder kann mit kleinen Schritten ein Licht für mehr Gerechtigkeit sein.

Auch die humorvolle, aber tiefgründige Theaterszene „Klamotten packen aus – Fairtrade Edition“ thematisierte die Modeindustrie. Drei Kleidungsstücke – Tim T-Shirt, Jenny Jeans und Sam Sneaker – erzählten von ihrer Herkunft und den oft erschreckenden Produktionsbedingungen. „Was kann ich als kleines T-Shirt schon ausrichten?“, fragte Tim unsicher. „Eine ganze Menge!“, antwortete Jenny Jeans. „Denn wer entscheidet, was gekauft wird? Die Menschen!“

Musikalische Gänsehautmomente lieferten El Shaddai und Bring Him Home, die zum Innehalten einluden. Ein Bibelvers aus Micha 6,8 fasste die Botschaft treffend zusammen:

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gerechtigkeit üben, Güte lieben und demütig sein vor deinem Gott.“

Das Projekt „Fair Town Steinbach“ wurde vorgestellt – ein Schritt in Richtung einer fairen Gemeinde. Auch eine kurze Einführung in Fairtrade-Siegel und ihre Bedeutung durfte nicht fehlen.

Nach den Fürbitten und dem Segen erklang „What A Wonderful World“ – ein würdiger Abschluss. Beim Beisammensein mit Fairtrade-Kaffee und dem Verkauf fair gehandelter Produkte wurde weiter diskutiert und gelacht. Eine Besucherin brachte es auf den Punkt: „So sollte ein Gottesdienst immer sein – voller Musik, Gemeinschaft und echter Veränderung.“

Ein besonderer Dank gilt allen Spendern der Projekte Musik für alle sowie dem Förderverein St. Bonifatius, die ermöglichen, dass solche Initiativen auch in Zukunft stattfinden können. Ihr Engagement trägt dazu bei, dass Musik und gelebte Nächstenliebe in Steinbach weiter strahlen können – „I‘m Gonna Let It Shine!“



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