Musik verbindet und erwärmt die Seelen

Steinbach (stw). Die evangelische St.-Georgsgemeinde feierte am vergangenen Samstag ein besonderes Jubiläum. Zum 20. Mal öffnete das Gemeindehaus seine Türen für das Kammerkonzert, das seit 2005 zu einem treuen musikalischen Begleiter der Stadt geworden ist. Was einst mit der Rettung des Blüthner-Flügels begann, hat sich inzwischen zu einer festen Größe im Steinbacher Kulturleben entwickelt.

Von der Renaissance bis zur Spätromantik spannte sich in diesem Jahr der musikalische Bogen. Harald Schwalbe führte das Publikum kenntnisreich durch ein Programm, das Stimmen, Instrumente und Epochen in feiner Abwechslung miteinander verband. Besonders die „Stimme als Instrument des Jahres“ spielte eine tragende Rolle. Mit Liedern in verschiedenen Sprachen öffneten die Sänger emotionale Räume, die von Andacht bis Heiterkeit reichten. Den Auftakt gestalteten Clemens Mohr (Violoncello) und Ellen Breitsprecher (Klavier) mit einem lyrischen „Nocturne“ von Tschaikowsky. Anastasiia Bosenko und Viktoriia Kazmyruk berührten gemeinsam mit Querflöte, Violoncello und Klavier mit einem innigen „Ave Maria“ von Giulio Caccini. Frischen Wind brachten die jungen Musiker Alwin Mohr (Posaune) und Emanuele Violi (Violoncello) ins Programm, die mit einer Sonate von Joseph B. de Boismortier ihr gelungenes Debüt gaben. Besondere Akzente setzte auch der eigens gebildete Projektchor „Echt jetzt?“. Unter der Leitung von Annika Baumgart und Ellen Breitsprecher präsentierte der Chor sowohl Renaissance-Klänge („Je Ne L’ose Dire“) als auch das heitere „Mein kleiner grüner Kaktus“ aus den 1930er-Jahren – mitreißend und pointiert. Ebenso überzeugte Caroline Bechtold (Querflöte) mit einer präzise gespielten Telemann-Fantasie.

Zirpende Grillen im Saal

Nach der Pause glänzten vier Musikfreunde aus Mainz erneut in Steinbach mit sechs Vokalstücken. Besonders „El Grillo“ von Josquin Desprez ließ das Publikum augenzwinkernd an zirpende Grillen im Saal denken. Als krönender Abschluss erklangen zwei Sätze aus der Sonate in g-Moll von Sergej Rachmaninoff, virtuos dargeboten von Clemens Mohr (Violoncello) und Elmar Klagges (Klavier).

Mit einem gemeinsamen Finale kehrte die heitere Note zurück. Erneut stimmte der gesamte Saal „Mein kleiner grüner Kaktus“ an – sogar die Männerstimmen erhielten eine eigene Strophe und bewiesen Humor sowie Gemeinschaftssinn. Dank und Anerkennung galten am Ende nicht nur allen Mitwirkenden, sondern auch Ellen Breitsprecher, die seit zwei Jahrzehnten das Kammerkonzert organisiert. Pfarrerin Evelyn Giese würdigte ihr Engagement mit einem Blumenstrauß. Bei einem anschließenden Empfang, zu dem viele Gäste Köstlichkeiten beisteuerten, klang der Sommerabend in froher Runde auf der Wiese und im Foyer des Gemeindehauses aus. Ein Abend, der zeigte: Musik kann verbinden, berühren und die Seelen wärmen – vielleicht stärker als Worte es vermögen.

Die Mitwirkenden des Kammerkonzerts haben gut lachen. Sie feiern bereits das zwanzigste Jubiläum dieses speziellen Konzerts, da dieses inzwischen aus dem Steinbacher Kulturleben nicht mehr wegzudenken ist. Foto: fk

Ellen Breitssprecher und Clemens Mohr eröffnen das Kammerkonzert mit einem Stück von Tschaikowsky (v. l.).Foto: fk

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