Stadt entwickelt neues Konzept für den Hochwasserschutz

Wichtiger Bestandteil des Hochwasserschutzkonzepts: das Regenrückhaltebecken oberhalb des Gewerbegebiets „Im Gründchen“. Foto: Stadt Steinbach

Steinbach (an). Bürgermeister Steffen Bonk hat zusammen mit dem Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Verkehr, Alexander Müller, und Stadtbrandinspektor Mathias Bergmann ein neues Konzept zum Thema Hochwasserschutz in Steinbach vorgelegt. Der Bürgermeister erklärte, dass dieser Maßnahmenplan nicht auf einem gesetzlichen Auftrag beruhe. Vielmehr habe die Stadt sich selbst dazu entschlossen, das Thema ernst zu nehmen, und dies nicht nur aus aktuellem Anlass.

Woher kommt das Wasser eigentlich? Die Ursprungsquelle des Steinbachs ist nicht eindeutig geklärt, eventuell ist er aus dem sogenannten Alten See entsprungen. Als Nebenfluss der Nidda ist sein Einzugsgebiet etwa 500 Hektar groß. Der Steinbach fließt in einem breiten, überschaubaren Tal und stellt daher kein Überflutungsrisiko dar. In der Vergangenheit gab es zwar einige Starkregenfälle, der Freie Platz wurde sogar öfters mal geflutet – aber nichts davon kommt auch nur annähernd an Bilder, wie sie aktuell von der Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz über den Bildschirm flimmern, heran.

Eine Schwierigkeit in Steinbach ist der Lehmboden, der nur wenig Regenwasser aufnehmen kann. Daher müssen weitere Staukapazitäten geschaffen werden. Momentan wird das 38 Kilometer lange Kanalnetz mit Kameras abgefahren, um Schäden aufzuspüren und mögliche Engpässe neu zu bewerten. Im Rahmen des Städtebauförderprogramms sollen unter anderem die Kanalkapazitäten in Steinbach ausgebaut werden.

Sicherheit der Bürger

Der kritischste Punkt des Kanalnetzes befindet sich am katholischen Kindergarten und zeigt speziell die Begrenzung dieses Netzes auf. Der Rost am Einlauf wurde in der Vergangenheit oft verstopft durch Äste oder Grasschnitt und lief daher oft über. In Folge dessen breitete sich das Wasser in den umliegenden Straßen aus, und die Keller der Anwohner liefen voll. 2018 wurde im Zuge einer lapidaren, aber wirksamen Maßnahme ein neues Einlaufgitter angebracht. Dadurch kann das Wasser auch noch abfließen, wenn das Gitter wieder verstopft ist. Die Alarmierung der Bürger im Falle einer Katastrophe sei hierbei das Wichtigste, betont Bürgermeister Steffen Bonk. Ursprünglich gab es zwei Sirenen in Steinbach, diese wurden allerdings Anfang der 1990er-Jahre abgebaut. Bis Anfang 2022 sollen im Zuge der Hochwassermaßnahmen drei neue Sirenen wieder angebracht werden. Zwei davon im Stadt- beziehungsweise Wohngebiet, eine weitere ist für das Gewerbegebiet in Planung – die genauen Standorte stehen bereits fest. Weiterführende Informationen dazu erhalten die Bürger im Internet unter www.stadt-steinbach.de und durch Aushänge im Rathaus.

Maßnahmen greifen in Steinbach

Geplant für nächstes Jahr ist laut Bonk zudem ein Rückhaltebecken am Wald, in Zusammenarbeit mit der Stadt Kronberg. Das Wasser aus dem Wald und aus dem Taunus müsse frühzeitig abgefangen werden, daher sei diese Maßnahme entscheidend für Steinbach. Zudem könne dort ein Freizeitbereich mit Bänken geschaffen werden. Des Weiteren sei die Renaturierung des Steinbachs geplant. Ein wichtiger Baustein des Konzepts sei die private Vorsorge der Bevölkerung in Form von Pflege des eigenen Grundstücks und der Gräben.

„Glücklicherweise greifen die bisherigen Maßnahmen in Steinbach“, erklärte Mathias Bergmann von der Brandschutzinspektion. Dennoch müsste noch viel mehr getan werden – Bergmann nannte beispielsweise die ständige Überprüfung der Ausstattung der Feuerwehr. Voriges Jahr gab es im Zuge dessen eine neue modernere Pumpe. Bergmann war unter anderem mit neun anderen Steinbacher Kameraden im derzeitigen Krisengebiet von rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, um an Ort und Stelle zu helfen. Die dort vorgefundene Katastrophe lasse sich bei Weitem nicht mit der Situation in Steinbach vergleichen, trotzdem müssten Maßnahmen regelmäßig neu bewertet und umgesetzt werden. Schlussendlich appellierte Bürgermeister Bonk dafür, dass die Bevölkerung sachgerecht zu warnen sei und dieses komplexe System der Maßnahmen für jeden einfach zugänglich sein müsse. Dies dürfe nicht allein eine kommunale Aufgabe sein. Es gibt also noch viel zu tun – nicht nur in Steinbach.



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