„Probiers mal mit Gemütlichkeit“ hat schon Bär Balou im Dschungelbuch geraten. Musik hilft auch bei Stress in der Weihnachtszeit, das hat „Swing in der Kirche“ eindeutig gezeigt.Foto: Evelyn Giese
Steinbach (stw). Die evangelische St. Georgskirche – ein lebendiger Mittelpunkt im Herzen Steinbachs – wurde kürzlich zum Schauplatz eines besonderen Mitmachkonzerts der Reihe „Musik für alle“ der Evangelischen St. Georgsgemeinde. „Swing in der Kirche“, das seit 2003 bestehende Benefizformat, füllte das Kleinod der Stadt bis auf den letzten Platz und verwandelte es in einen Raum voller Musik, Mitdenken und Miteinander.
Bürgermeister Steffen Bonk eröffnete den Abend mit warmen Worten, gefolgt von Initiatorin, Organisatorin und musikalischer Leiterin Ellen Breitsprecher, die ankündigte, dass das diesjährige Konzert musikalisch und theatral neu erblühen werde. Ein besonderes Augenmerk legte sie auf das Mitwirken der Instrumentallehrkräfte, die ihre Schüler mit viel Geduld und Liebe vorbereitet hatten – ein Dank, der in den Schlussworten erneut ausgesprochen wurde.
Über 30 Kinder, Jugendliche und einige Erwachsene ließen diese Ankündigung Wirklichkeit werden. Auf der Stummorgel, am Klavier, mit Bratsche, Querflöte, Euphonium, Violoncello, Gitarre, Flügelhorn und Gesang entstand ein vielfältiges Klangbild. Jede und jeder durfte spielen, was das Herz liebt – vom Boogie bis zu „Stille Nacht“, solo oder als Kammerensemble. Die Register der Orgel wurden mutig gezogen, und ein farbreiches Programm entfaltete sich: Weihnachtslieder aus aller Welt, Popsongs sowie jazzige, swingende und klassische Beiträge – ein musikalisches Mosaik, das sich über zwei Stunden hinweg ständig veränderte.
Das Theater – mit kurzen Szenen von Annika Baumgart und Ellen Breitsprecher – brachte Wärme, Humor und Nachdenklichkeit ein. Unter dem Motto „Und täglich grüßt der Weihnachtsstress“ führte ein Moderator schwungvoll durch den Abend. Die Oma, die „Mitmachkonzert“ mit „Mitbackkonzert“ verwechselt hatte, sorgte für ein Highlight: Ihre spontane „Plätzchenpause“ fand so viel Zuspruch, dass alle Plätzchen gegessen wurden – zum Leidwesen ihres Enkelkindes.
Eine Pfarrerin zeigte ihre Freude über die lebendige Mischung aus Musik und Theater. Eine gestresste Musikerin, die alle Kirchen durcheinanderbrachte, fragte sich, warum Konzerte immer im Dezember und in den kältesten Kirchen stattfinden müssten. Eine engagierte Instrumentallehrerin ermutigte ihre Schüler, ihr Bestes zu geben – und beim Benefizkonzert stets zu lächeln, damit viele Menschen für den guten Zweck spenden.
Eltern kämpften humorvoll mit dem Wunsch nach reklameperfekten Weihnachten, Schülerinnen seufzten über Teststress und träumten von einer Winterpause „bis Ostern“. Ein Adventskalender, der nur geben sollte und nie etwas zurückbekam, kündigte an, vielleicht im Sommer wiederzukommen – einfach, weil er dann Lust dazu habe. Die Weihnachtsstimmung versuchte, mit klarer Stimme Ordnung in das vorweihnachtliche Durcheinander zu bringen.
Ein Publikumsgast in der Rolle eines Freudenbringers zeigte immer wieder, wie sehr ihn die Beiträge und die Atmosphäre bewegten – ein stilles Echo der Hoffnung, das durch die Kirche wanderte.
Das Singen spielte an diesem Abend eine wichtige Rolle – solistisch, im Trio oder mit größerer Besetzung. Vom Brahms-Wiegenlied bis zum „White Winter Hymnal“ mit Körperperkussion entstanden viele Gänsehautmomente. Der innigste war das gemeinsame „Stille Nacht“, das wie ein warmer Mantel über alle Anwesenden fiel.
Dank der Unterstützung durch die Evangelische St. Georgsstiftung, die Familie Knobloch, den Förderverein St. Bonifatius und viele Spender war allen klar: Das war garantiert kein „Last Christmas“ für „Swing in der Kirche“. Die Gemeinschaft am Ende machte spürbar: Steinbachs Kinder und Jugendliche sind nicht nur die Zukunft – sie gestalten schon jetzt den Klang einer ganzen Stadt.
