Steinbach. Die „Europäische Vielfalt erleben!“ konnten die Besucher des Europatages des Hochtaunuskreises am Samstag in Steinbach im überschaubaren Rahmen. Die Stadt war bereits zum zweiten Mal nach 2015 Gastgeber des in vielen europäischen Staaten gefeierten Gedenktages.
Er wird abwechselnd von 13 Kommunen des Hochtaunuskreises – mit Unterbrechung während der Pandemie – ausgerichtet. Anlass für die vielen fröhlichen Feste in den 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ist ein wichtiges historisches Ereignis. Am Mittwoch, 9. Mai 1945, endete der Zweite Weltkrieg. Fünf Jahre später, am Dienstag, 9. Mai 1950, hielt der damalige französische Außenminister Robert Schuman eine historische Rede. In dieser stellte er seinen Plan für eine vertiefte Zusammenarbeit in Europa vor. Er schlug vor, zunächst eine Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) zu gründen. „Wer nicht mehr frei über Energie und Stahl verfügt, kann keinen Krieg mehr erklären“, sagte Schuman. In die Geschichte eingegangen ist seine Rede als „Schuman-Erklärung“. Sie gilt als die Geburtsstunde der EU. Knapp ein Jahr später beschlossen die Gründungsmitglieder Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Belgien und Luxemburg, ihre Kohle- und Stahlproduktion gemeinschaftlich zu organisieren. Die EGKS, auch unter dem Namen Montanunion bekannt, war die erste supranationale europäische Institution. Heute feiern die Mitgliedsstaaten der EU am Europatag die vielen Verdienste wie offene Grenzen, Freizügigkeit, eine gemeinsame Währung, die den innereuropäischen Handel erleichtert, den Frieden im Kern-Europa und die Solidarität in einer starken Gemeinschaft, welche die EU allen gebracht hat. In Steinbach feierten die Bürger bei sommerlichen Temperaturen ein buntes Fest der europäischen Vielfalt mit Musik, Gesang, Tanz, Sport und Kulturdarbietungen. Der Freie Platz, die Bornhohl und die Kirchgasse hatten sich in eine den ganzen Tag über gut besuchte Feier- und Flaniermeile verwandelt. Auf der Bühne sowie an 29 Ständen präsentierten sich Städte- und Gemeindepartnerschaftsvereine aus dem Hochtaunuskreis, Schulen, Kitas, zahlreiche Vereine und Institutionen wie der Kreisverband Hochtaunus der Europa-Union. Mit dabei waren Besucher aus den beiden Steinbacher Partnerstädten. Saint-Avertin pflegt seit 1980 die deutsch-französische Freundschaft mit Steinbach. Hallenberg in Thüringen steht seit 1990 für eine lebendige hessisch-thüringische Partnerschaft. In der Evangelischen Sankt-Georgskirche zeigte zum Abschluss des Bühnenprogramms die Tanzgruppe „Władysie“ aus Königsteins Partnerstadt Kórnik in farbenfrohen Trachten ihr Können. Mit Weinen und Spezialitäten aus ihren Städten und Regionen unterstrichen diese und weitere Anbieter die kulinarische Vielfalt im vereinten Europa. Zur Feier des 40-jährigen Bestehens des Backhauses in der Kirchgasse backten Uwe Eilers und sein Team im Holzofen Europatag-Aktionsbrote aus Sauerteig. Zum Programm gehörten neben kulinarischen und kulturellen Einblicken in die Länder Europas auch Mitmachaktionen, Informationsangebote wie „Geschichte gemeinsam gestalten“ am Stand der Feldbergschule und ihres Projektpartners Kreisverbindungskommando oder Gewinnspiele am Stand der Europa-Union Hochtaunus. Hier konnten Besucher aller Generationen ihr Wissen mit der Beantwortung von zwölf Fragen zur EU testen. Die Bandbreite der Fragen reichte von der Zahl der Sterne auf der EU-Flagge und der Zahl der Einwohner über die Frage nach dem Sitz der Europäischen Zentralbank bis zum Namen des höchsten Bergs Europas. Unter allen richtigen Antworten zogen Moderator Jürgen Rasper und Hildegard Klär von der Europa-Union Hochtaunus drei Gewinner. Über den ersten Preis, ein blaues Europa-Hoodie, freut sich Ursel Sum aus Steinbach. Den zweiten Preis, einen blauen Europa-Knirps, bekam Monique Rosin, und der dritte Preis in Form eines Keramikbechers ging an Marianne Scholten. Hartmut Klein verriet, dass sich ein junger Steinbacher Schüler ebenfalls in den kommenden Tagen über eine Anerkennung seines Europa-Wissens freuen darf.
Das Angebot an zahlreichen Ständen drehte sich um Spiel, Spaß und Kreativität. So konnten Besucher ihre eigenen Nägel schmieden. Zum Abschluss des Europatages hatte die Stadt Steinbach die Besucher zum Livemusikabend mit der Astor Club Band eingeladen, und der Freie Platz verwandelte sich in einen Dancefloor.
Das einhellige Fazit des 14. Europatages in Steinbach lautete: Man muss nicht weit reisen, um die Welt zu verstehen.



