Sulzbach (MS) – Es ist eines der größten Grundstücke im Zentrum von Sulzbach, auf denen noch neue Wohnungen gebaut werden können. Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde den so genannten „Hessemer Hof“ in der Kirchstraße 9 gekauft. Nach dem die alten Gebäude abgerissen sind, könnten dort bis zu 21 Wohnungen in mehreren Gebäuden entstehen, die die Gemeinde ohne einen Investor selbst bauen will.
Bereits Mitte Juni hat das Schwalbacher Planungsbüro ROB im Planungs- und Bauausschuss drei Varianten vorgestellt, auf deren Basis nun weitere Überlegungen angestellt werden sollen. Mit den drei unterschiedlichen Entwürfen möchte die Gemeinde klären, wie sich das rund 2.260 Quadratmeter große Grundstück in der historischen Ortsmitte entwickeln lässt. Im Mittelpunkt sollen bezahlbare Wohnungen für unterschiedliche Haushaltsgrößen stehen. In einer Variante sind zusätzlich kleine Gewerbe- oder Dienstleistungsflächen vorgesehen. Folkert Rüttinger von ROB schlug vor, nun zunächst ein „belastbares städtebauliches Konzept“ als Grundlage für die weitere Planung schaffen. Ziel solle eine behutsame Entwicklung sein, die sich an der bestehenden Hofstruktur, den typischen Satteldächern sowie den Trauf- und Firsthöhen des historischen Ortskerns orientiert. In seiner Präsentation betonte er, dass sich die Neubebauung in das Ortsbild einfügen soll, gleichzeitig aber zeitgemäßer Wohnraum geschaffen werden soll.
Das Grundstück mit einer großen, noch unbebauten Wiese liegt zwischen der Schwalbacher Straße und der Haingrabenstraße und wird über die Kirchstraße erschlossen. Es handelt sich um eine recht langgestreckte, früher landwirtschaftlich genutzte Parzelle. Nach Einschätzung der Planer besitzt sie wegen ihrer Lage zwischen der historischen Ortsmitte und den rückwärtigen Grundstücksbereichen eine besondere städtebauliche Bedeutung.
Vom alten „Hessemer Hof“ soll nichts mehr übrig bleiben. Die vorhandenen Gebäude sollen in allen drei Varianten vollständig abgerissen werden. Folkert Rüttinger begründete das damit, dass eine wirtschaftliche Wohnnutzung der bestehenden Gebäude nur eingeschränkt möglich sei. Die Neubauten sollen aber die für den Ortskern typische Gliederung mit Vorderhaus, Hofbereich und rückwärtigen Freiflächen erhalten. Unter dem neuen „Hessemer Hof“ soll dann allerdings eine Tiefgarage liegen, die bis zu 35 Autos Platz bietet.
Obwohl die Gemeinde alle Gebäude abreißen lassen will, wird die Planung stark durch den Denkmalschutz geprägt. Das Grundstück liegt im Umfeld der denkmalgeschützten Gesamtanlage „An der Linde“. Im nördlichen Bereich grenzt es an den denkmalgeschützten „Stichel“. Eine rund 17 Meter breite Grünfläche entlang dieses Kulturdenkmals muss deshalb von Bebauung freigehalten werden. Zudem verweist ROB auf weitere denkmalpflegerische Bezüge, unter anderem zum benachbarten Anwesen in der Kirchstraße 6, das ebenfalls unter Denkmalschutz steht. Folkert Rüttinger machte in der Sitzung deutlich, dass daher für alle Varianten eine frühzeitige Abstimmung mit den Denkmalbehörden vorgesehen werden muss.
Die drei Entwürfe unterscheiden sich vor allem durch die Anordnung der Gebäude und der Zahl der Wohnungen. Variante A orientiert sich an einer klassischen Hofreite. Sie sieht drei Gebäude mit insgesamt 16 Wohnungen sowie 54 Quadratmetern Gewerbefläche vor. Variante B ordnet die Baukörper stärker am Straßenraum an und ermöglicht 19 Wohnungen. Variante C schließlich setzt auf mehrere eigenständige Gebäude und erreicht mit 21 Wohnungen die höchste Wohnungszahl.
Nach den Berechnungen der Planer entstehen je nach Variante zwischen 1.137 und 1.272 Quadratmeter Wohnfläche. Abschließend betonte Folkert Rüttinger, dass sich das Bebauungskonzept ausdrücklich als Grundlage für die weitere Planung versteht. Die vorgestellten Varianten könnten im weiteren Verfahren auch noch verändert oder miteinander kombiniert werden.
Aufmacher
