Sulzbach (mas) – Am Sonntagnachmittag stand die vierte Folge der Hesselbach-Reihe im Mittelpunkt: „Die Weihnachtsbescherung“ von Wolf Schmidt, jene Episode, die am 24. Dezember 1949 über den Hessischen Rundfunk ging und bis heute als eine der beliebtesten Weihnachtsgeschichten der Serie gilt.
Die Handlung dreht sich um das Nachkriegs-Weihnachten bei den Hesselbachs: Eine aus den Ostgebieten vertriebene Flüchtlingsfamilie sorgt bei den Hesselbachs für ein Durcheinander. Eigentlich möchte die Familie nur ihre Bescherung beginnen. Doch der Umgang mit den Vertriebenen wird zum Aufhänger: Nach und nach versucht jedes Familienmitglied ihnen Grenzen aufzuzeigen, wird jedoch vom Mitleid überrannt. Schließlich laden die Hesselbachs dazu ein, mit ihnen den Abend zu verbringen. Die Geschichte wird nur noch selten und fast ausschließlich von Jo van Nelsen auf die Bühne gebracht. Allein mit dem Manuskript an einem Tisch sitzend, ließ er durch seine bewährte Kunst der Dialekt-Interpretation die gesamte Familie Hesselbach lebendig wirken. Was als reine Vorlesung begann, wurde binnen Minuten zu einem lebendigen Ensemble-Stück, das bewies, warum diese eine Episode noch immer Generationen begeistert.
Für die über 100 Gäste gab es jedoch nicht nur die Hesselbachs zu hören. Jo van Nelsen las zudem mehrere Gedichte vor, die im hessischen Dialekt verfasst wurden. Jeweils mit einer kleinen Einleitung, bei der er in der Geschichte vorkommende Wörter erklärte, bekamen die Gäste Texte von Karl Ettlinger und Ferdinand Happ zu hören – und auch das durchgängig im hessischen Dialekt.
Doch weder bei den Hesselbachs, noch bei den Gedichten von Ettlinker und Happ kam es zu einer langweiligen monotonen Lesung. Stattdessen glich das Programm einem Theaterstück. Jo van Nelsen passte seine Stimme den Emotionen der Erzähler oder Figuren an und gestikulierte passend zum Inhalt. All das, während er nur an einem Tisch auf einem Stuhl in der Mitte der Bühne saß. Trotz dieses eigentlich steifen Bühnenbilds präsentierte Jo van Nelsen eine lebendige Vorstellung und konnte die Gäste von sich überzeugen. Dies bewies er etwa auch, als ein Mobiltelefon aus den Reihen des Publikums klingelte. Weder ignorierte er es, noch gab es mahnende Wort: Jo van Nelsen nahm die Unterbrechung mit Humor auf und erkannte an, dass immerhin der Klingelton gut war. Außerdem sorgten seine Reaktionen auf Fotoaufnahmen für viel Gelächter, die er entweder mit einem kurzen Spruch kommentierte – so sollte man ihm mit einer Künstlichen Intelligenz auf den Bildern ein volleres Haar geben.
Angebot umgestellt
Normalerweise bot die Bürgerinitiative „Bürger fürs Bürgerhaus“ ein anderes Vorprogramm. Bisher gab es vor den Auftritten für die Gäste eine warme Mahlzeit. Dieses Mal probierten die Veranstalter es mit Kaffee und Kuchen. Mit der im Hintergrund laufenden Musik konnte die Bürgerinitiative so eine Caféatmosphäre schaffen, in der sich die Gäste eine Stunde lang vor dem Beginn der Lesung unterhalten konnten. Bis schließlich Jo van Nelsen auf die Bühne trat und „Bürger fürs Bürgerhaus“ alles Gute wünschte: „Ich drücke Ihnen die Daumen, dass Sie diesen Ort erhalten können.“
Zum Abschluss übergab Sulzbachs Käsfraa, Gabi Jajonek, dem Künstler einen Blumenstrauß. Somit wurde Jo van Nelsen an seinen Verkaufs- und Signierstand entlassen, wo er mit begeisterten Gästen in Kontakt kam.
