Sulzbach(sa). Jubelkonfirmation in Sulzbach – das wurde zum großen Fest der Erinnerungen. Einige feierten die „Kronjuwelen-Konfirmation“ – also die Einsegnung vor 75 Jahren.
Die 85 Jahre alte Margit Göttsching, geborene Fiebig, feierte am Pfingstmontag ihre „Gnaden-Konfirmation“. Sie stammt aus Lodz und kam 1945 nach der Flucht vor der sowjetischen Armee im Alter von vier Jahren mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester Edith nach Sulzbach. Dort wurde sie vor 70 Jahren in der evangelischen Kirche konfirmiert, bevor sie als 20-Jährige mit ihrem Mann nach Finnland zog, wo sie fünf Jahre lang lebte. Heute wohnt Margit Göttsching in Darmstadt, aber der Kontakt zur Kindheit in Sulzbach ist nie abgebrochen. Und so schloss sich ein Kreis, als sie am Pfingstmontag mit früheren Freundinnen und Freunden nach 70 Jahren in Sulzbach das Fest der „Gnaden-Konfirmation“ feierte.
Es war eine Rückkehr in ihre Kindheit, als sie nicht nur von Pfarrer Willi Stahl konfirmiert wurde, sondern auch mit einer Tochter des Geistlichen befreundet war. „Das Pfarrhaus war wie mein Zuhause. Da habe ich als Kind gespielt“, erinnert sich Margit Göttsching, die stets Kontakt zur einstigen Sulzbacher Mit-Konfirmandin Luise Christian gehalten hat. So traf man sich auch nach dem Gottesdienst zum gemeinsamen Mittagessen in der Gaststätte „Linde“, um Erinnerungen an alte Zeiten auszutauschen.
„Gnaden-Konfirmation“ nach 70 Jahren feierten auch Sigrid Watzke, Luise Christian, Margot Brandt-Hotten, Karin Riemann, Christa Dittrich, Gerhard Schoeffel und Rolf Brandt.
Zu den Jubilaren gehörte auch Ruth Schoeffel, die vor 65 Jahren wie ihr Mann Gerhard in der Ostergemeinde in Frankfurt-Sachsenhausen konfirmiert worden war und jetzt das Fest der „Eisernen Konfirmation“ feierte. „Wir kannten uns damals schon“, berichtete Gerhard Schoeffel, „denn Ruths Vater und mein Vater waren im Kirchenvorstand, und nach den Gottesdiensten wurde immer gemeinsam die Kollekte gezählt.“ Gerhard Schoeffel erinnert sich noch, dass er den abgetragenen Anzug seines Bruders und eine rote Krawatte trug: „Was es zu essen gab, weiß ich nicht mehr.“
Kronjuwelen-Konfirmation
Ein besonderes Erlebnis war die Jubelkonfirmation auch für die 89 Jahre alte Ingrid Schaar, die nach 75 Jahren die „Kronjuwelen Konfirmation“ feierte. Konfirmiert wurde sie allerdings vor 75 Jahren am 18. März 1951 in ihrer Heimat Schönheide im Erzgebirge, der Sulzbacher Partnergemeinde.
Im Alter von 22 Jahren floh sie mit ihrer Schwester Anni Gerischer und deren Familie in den Westen und heiratete in Sulzbach Hugo Schaar, der aus dem Frankfurter Hof stammt. „Ich wurde in Sulzbach herzlich aufgenommen und stets zu den Jubel-Konfirmationen eingeladen“, freut sich die rüstige Rentnerin, die eine Woche später das Fest der „Kronjuwelen Konfirmation“ nochmals in ihrer Heimat Schönheide feierte.
Kontakt zu einstigen Mitkonfirmanden aus Schönheide hat Ingrid Schaar noch heute. Zum Beispiel zu dem früheren Oberbürgermeister von Wiesbaden, Bernd Georg Oschatz. Ingrid Schaar erinnert sich, dass ihre Konfirmation vor 75 Jahren unter dem DDR-Regine im ländlichen Erzgebirge unbeeinflusst von politischen Störungen recht normal verlief.
„Goldene Konfirmation“ feierten nach 50 Jahren Isa Breckner, Mathias Geiß und Jürgen Brandt. Allein Mathias Geiß, später langjähriger Redakteur beim Höchster Kreisblatt, ist „Ur-Sulzbacher“ und wurde in der evangelischen Kirche konfirmiert. Isa Breckner, die sich ehrenamtlich in der Kirchengemeinde engagiert, ist wie Jürgen Brandt später nach Sulzbach gekommen.
Jürgen Brandt stammt aus Rüdesheim bei Bad Kreuznach und berichtet, dass er jetzt „3 mal 11 Jahre Sulzbach“ feiert. Man merkt – da steckt ein Fassenachter dahinter. Jürgen Brandt war viele Jahre gemeinsam mit Thorsten Moser Sitzungspräsident bei „Fassenacht am Sulzbach“ der Katholischen Kirchengemeinde und stand mit seiner Tochter auch bei der TSG-Sitzung in der Eichwaldhalle auf den närrischen Brettern. Dies hat er mit seinem nicht verwandten Namensvetter Rolf Brandt (Gnaden Konfirmation) gemeinsam, der als Gesangssolist und Sänger bei den „Hanelbachlerchen“ bei der Fassenacht der TSG viele Jahre lang für Furore gesorgt hat.
