Die Kinder haben immer viel Spaß in der Sulzbacher Kindersportschule, das ist sogar wissenschaftlich belegt.Foto: TGS
Sulzbach (sa) – Vor acht Jahren hat Rudi Walther die Idee einer Kindersportschule entwickelt und diese Idee gemeinsam mit dem Institut für Sportwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt, dem Vorstand der TSG Sulzbach sowie der Schulleitung der Cretzschmarschule konzeptionell ausgearbeitet und umgesetzt. Jetzt hat er wegen seines Umzugs sein Werk in andere Hände gelegt.
Die Kindersportschule richtet sich seit dem Schuljahr 2018/2019 an Grundschulkinder der ersten bis dritten Klassen und bietet zweimal wöchentlich eine Sportarten-übergreifende Bewegungsstunde an. Nach acht Jahren zieht Rudi Walther eine positive Bilanz seiner Arbeit, bei er viele hundert Jungen und Mädchen in Bewegung gebracht hat. Er übergibt die Leitung der Kindersportschule an Klaus Kauselmann, weil er mit seiner Frau aus Sulzbach wegzieht.
Was war die Intention des Mannes, der einst für die Frankfurter Eintracht in der 1. Basketball-Bundesliga spielte, lange als Trainer beim Hessischen Basketballl-Verband arbeitete und nach seinem Umzug nach Sulzbach von 2009 bis 2017 die Basketball-Abteilung der TSG leitete? Rudi Walther: „Ein zentrales Anliegen war es, den Kindern eine breite sportliche Betätigung anzubieten, die etwa an die Straßenspielkultur der früheren Jahre erinnern sollte, um eine Spezialisierung auf eine einzelne Sportart zu vermeiden.“
Rudi Walther wollte den Mädchen und Jungen ermöglichen, vielfältige Bewegungserfahrungen zu sammeln, eigene Interessen zu entdecken und langfristig Freude an sportlicher Aktivität zu entwickeln. Gleichzeitig verstand er die Kindersportschule als Beitrag zur Bekämpfung des zunehmenden Bewegungsmangels der Kinder.
Gesundheit wichtiger als Medaillen
Rudi Walther schaffte es, über viele Jahre, die Kinder zu begeistern. Einerseits toben und jubeln, andererseits aber auch den Anordnungen folgen und die notwendige Disziplin bewahren. „Ich muss als Sportlehrer auch ein Dompteur sein“, sagte der drahtige Trainer, der bei den Spielen wie ein Wirbelwind durch die Turnhalle fegt und dem man nicht ansieht, dass er im November 80 Jahre alt wird.
Mit und ohne Anleitung konnten die Kinder in den Sportstunden grundlegende motorische Fähigkeiten wie laufen, springen, werfen, klettern und turnen erlernen und weiterentwickeln. Ergänzt wurde das Angebot durch zahlreiche Spielformen, wie Fußball, Basketball, Tischtennis, Fangspiele, Bewegungslandschaften und kreative Parcours.
„Viel rennen, viel lachen und in den Pausen viel trinken“, nennt Rudi Walther die wichtigen Maßnahmen. Da wurden Memory-Karten umgedreht, und wer zwei Gleiche fand, konnte losrennen. Da musste die „chinesische Mauer“ durchbrochen und unter der Bank durchgekrabbelt werden. Geräte wurden zu „Dschungeln“ oder Abenteuerwelten und förderten nicht nur die körperliche Aktivität, sondern auch die Freude und Motivation der Kinder. Und immer sollte der Satz beherzigt werden, der auf einem Plakat in der Turnhalle zu lesen ist: „Meine Gesundheit ist wichtiger als Medaillen.“
Die Qualität und Wirkung des Konzepts wurden auch wissenschaftlich begleitet. Im Rahmen einer umfangreichen Hausarbeit untersuchte die Lehramtsstudentin Lisa Schulz aus Kelkheim die Erwartungen von Grundschulkindern an außerschulische Sportangebote am Beispiel der Kindersportschule Sulzbach. Die Ergebnisse bestätigen, das das Angebot die Bedürfnisse der Kinder in hohem Maße erfüllt. Besonders hervorgehoben wurden die große Vielfalt, die spielerische Gestaltung sowie die Möglichkeit, sich ohne Leistungsdruck frei zu bewegen.
Bei der kleinen Abschiedszeremonie in der Turnhalle betonte Rudi Walther, dass ihm die Kindersportschule immer eine Herzensangelegenheit war. Er zieht mit seiner Frau wieder nach Frankfurt und sucht dort neue Herausforderungen. Die TSG-Vorsitzende Inge Rohs, die mit ihrem Stellvertreter Malte Kuna gekommen war, dankte Rudi Walther für dessen Engagement und schenkte dem gebürtigen Bayreuther Karten für die Oper.
Schulleiterin Stefanie Heisel erinnerte an die Anfänge: „Rudi Walther kam 2018 zu mir ins Büro und sagte `Ich hätte da mal eine Idee...´. Von dieser Idee profitierten viele Kinder.“
Klaus Kauselmann übernimmt
Der 67 Jahre alte Klaus Kauselmann, der nach den Sommerferien Rudi Walthers Nachfolge antritt, spielte in den glorreichen Oberliga-Jahren bei der TSG Handball und war Jugendtrainer und von 1993 bis 1997 Abteilungsleiter der Handballabteilung. Nach einem langjährigen Auslandsaufenthalt engagiert sich der frühere Opel-Wirtschaftsingenieur seit mehr als 20 Jahren als Abteilungsleiter Handball bei der TG Schwalbach, ist im Herzen aber Sulzbacher geblieben. Klaus Kauselmann: „Ich habe ein Herz für den Verein und den Ort und will das, was Rudi Walther aufgebaut hat, fortsetzen.“
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