Winterfreuden mit Amsel, Fink und Spatz

Gäste am Futterhaus Foto: Pixabay

Hessen (red) – Wenn die ersten frostigen Tage kommen und der erste Schnee fällt, möchten viele Menschen den heimischen Vögeln bei der Futtersuche helfen, damit sie gut durch den Winter kommen. Allerdings erreicht die Fütterung am Vogelhaus nur etwa zehn Prozent der heimischen Brutvogelarten. „Vor allem die Körnerfresser profitieren von unserem Angebot am Futterhaus. Dabei ist es ganz einfach, für alle gefiederten Freunde das passende Futter anzubieten“, erklärt Maik Sommerhage, Landesvorsitzender des NABU Hessen. Optimal ist es, das ganze Jahr über vielfältige Lebensräume für Vögel im Garten bereitzuhalten, in denen sie stets genug Futter finden. „Die beste Unterstützung ist und bleibt ein natürliches Futterangebot für Vögel. So sind sie unabhängig von uns Menschen und haben ein geringeres Risiko, sich an Futterstellen zu infizieren oder von Beutegreifern geschlagen zu werden“, rät Sommerhage. Dazu sollten Gärten und Grünanlagen möglichst strukturreich und naturnah gestaltet werden.

Ideal für Vögel sind beerenreiche Sträucher, die bis in den Winter hinein Nahrung bieten. Dazu gehören Weißdorn, Rosen, Holunder, Liguster und Schwarzdorn. Die Früchte des heimischen Weißdorns schmecken 32 Vogelarten, die des Schwarzen Holunders werden sogar von über 60 Vogelarten gefressen. Blumen wie Distel, Sonnenblume und Wilde Karde bieten leckere Samen, die Körnerfresser wie Buch-, Distel- und Grünfink anlocken. Dazu muss man die alten Fruchtstände im Herbst stehen lassen. „Wer im Garten zu gründlich aufräumt, beraubt seine tierischen Nachbarn um viele natürliche Futterquellen“, so Sommerhage.

Ob an der natürlichen Futterbar im Garten oder am Futterhäuschen, mit verschiedenem Futter wird schnell eine Vielzahl an heimischen Vögeln angelockt. Die winterliche Vogelwelt bietet ein spannendes Naturerlebnis für Groß und Klein direkt vor der eigenen Haustür. „Wer im Winter Vögel füttert, wird schnell unterschiedliche Vogelarten entdecken und sich darüber wundern, wer alles am Vogelhäuschen zu sehen ist. Mit dem Füttern kann man deshalb ideal seine Artenkenntnis auffrischen“, erläutert der NABU-Vogelexperte Bernd Petri. Die Winterfütterung hilft besonders häufigen Arten, die im Siedlungsbereich leben. Viele gefährdete Vogelarten sind auf spezifische Nahrungs- und Lebensräume angewiesen, wie beispielsweise Feuchtwiesen, Moore oder Trockenrasen. Die meisten dieser Vögel verbringen die kalte Jahreszeit in ihren Winterquartieren im Süden. Allerdings scheint sich das Verhalten einiger Vogelarten durch den Klimawandel zu verändern. Petri: „Manchmal taucht im Winter nun sogar die Mönchsgrasmücke an der Futterstelle auf. Sie ist eigentlich ein Zugvogel und fliegt im Herbst ans Mittelmeer. Vor einigen Jahren war das noch nicht zu beobachten.“

Wer seine gefiederten Nachbarn mit einer Winterfütterung unterstützen möchte, sollte einige Grundregeln beachten. Der Vogelexperte Bernd Petri unterstreicht: „Es ist enorm wichtig, stets auf große Hygiene zu achten. Der Einsatz von großen Futterstellen ist keine gute Idee, da sich dort, wo viele Vögel zusammenkommen, durch den Kot schnell Vogelkrankheiten ausbreiten können. Eine mangelnde Reinigung von Vogelhäuschen führt dazu, dass sich Krankheitserreger in den Kanten und Ritzen einnisten, Feuchtigkeit entsteht, das Futter aufquillt, schimmelt und verdirbt.“

Der NABU empfiehlt, Futtersäulen beziehungsweise Futtersilos zu nutzen. In ihnen rutscht das Vogelfutter von selbst nach, ohne feucht und verunreinigt zu werden. Über Löcher mit Ansitzen an den Seiten können die Vögel leicht an die Körner gelangen. In einem großen Garten sollten mehrere Futterstellen eingerichtet werden, um vielen verschiedenen Vögeln Nahrung zu bieten. Dann können sich Grünfink, Amsel, Rotkehlchen, Blaumeise und Dompfaff in Ruhe an den Futterplätzen einfinden. Besonders praktisch und katzensicher sind Teleskopstangen, die mit einem Metallgestell in den Boden gesteckt und mit verschiedenen Futtersäulen bestückt werden.

Mit Körnerfutter lassen sich gezielt Körnerfresser wie Buchfink, Dompfaff und Spatz an das Futtersilo locken. Weichfutterfressern wie Amsel, Rotkehlchen, Zaunkönig und Star kann man mit Haferflocken, Obststücken, Rosinen oder getrockneten Wildbeeren die kalte Zeit erleichtern. Äpfel lassen sich um Beispiel in kleinen Holzgestellen feststecken. Vogelfutter sollte niemals auf den Boden gestreut werden, da es dort leicht verdirbt und Ratten anlockt. Für Allesfresser wie Meisen sind Meisenknödel oder Meisenringe sowie Drahtbehälter mit Nüssen das richtige Angebot. Plastiknetze sollte man auf jeden Fall vermeiden, da sich die Vögel dort verfangen und verletzen können. Empfehlenswert sind Meisenknödelhalter aus Metall.

Wichtig ist auch die Auswahl des Vogelfutters. „Besonderes Augenmerk sollte auf die Herkunft der Sämereien gelegt werden. Billige Futtermischungen sind oft mit Samen der Allergie auslösenden Ambrosie oder anderen nicht erwünschten Pflanzen verunreinigt“, rät Petri. Der NABU appelliert, keine Speisereste zu verfüttern, da sie für Vögel in der Regel nicht bekömmlich sind und leicht verderben.



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