titel.png

Startseite > Kronberg > Mediadaten > Verbreitungsgebiet

Verbreitungsgebiet des Kronberger Boten und seiner Partner

verbreitungsgebiet.png

kronbergerbote.png

ihre regionale Wochenzeitung für Kronberg, Oberhöchstadt und Schönberg und zwar seit 1996.

(S)TÜRMisches

Als mein Schwager dieser Tage sein Auto unter das Dach seines Carports fahren wollte, lagen dort eine Reihe von Säcken mit Gartenabfällen. Es war aber nicht Grünschnitt aus seinem Garten, der dort säuberlich verpackt darauf wartete, zur zehn Kilometer entfernten Deponie gefahren zu werden. Ein Nachbar hatte sie dort hingelegt. Aber die abgeschnittenen Zweige und Äste stammten keinesweg aus dessen Garten, sondern aus dem Garten eines weiteren Nachbarn. Eigentlich Anlass für einen handfesten Nachbarschaftskrach – oder? Wer lässt sich schon gerne anderer Leute Abfälle zum Entsorgen vor die Tür legen. Was auf den ersten Blick nach einer Unverschämtheit und einem Affront aussieht, ist jedoch beim zweiten Hinsehen das genaue Gegenteil – der Beweis nämlich, dass es noch Nachbarn gibt, die sich umeinander kümmern und für einander da sind. Der Gartenabfall stammte aus dem Garten eines Nachbarn, der dement geworden und derzeit in einer Klinik untergebracht ist. Seine Frau wird schon mit dieser Situation kaum fertig, noch viel weniger kann sie sich um ihren Garten kümmern. Der andere Nachbar, der ihr die notwendig gewordenen Arbeiten darin abgenommen hatte, ist selbst nicht gesund. Er muss demnächst ins Krankenhaus, um sich dort einer schwierigen Herzoperation zu unterziehen, vor der ihm graut. Um sich abzulenken, kam ihm die Gartenarbeit bei den Nachbarn gerade recht. Doch die Kraft, den Gartenabfall anschließend selbst zu entsorgen, hat er derzeit verständlicherweise nicht. Mein Schwager hat natürlich gerne geholfen und die Grünabfälle entsorgt. Er kümmert sich fast täglich um die Frau des dementen Nachbarn, wenn sie Probleme hat, und er stand ihr auch zur Seite, als ihr Mann nach einem akuten Schub ins Krankenhaus gebracht werden musste. Die Familie meiner Schwester wohnt nicht in Kronberg. Ihre Nachbarschaft besteht seit mehr als vier Jahrzehnten, in denen es viele gemeinsame Feste, aber natürlich auch viele Probleme und Schwierigkeiten gab. Aber eines ist für sie selbstverständlich: Dass sich jeder für die Nachbarn mitverantwortlich fühlt und ihnen hilft, wenn es nötig ist. In anderen Ländern, auf anderen Kontinenten, beispielsweise in Alaska oder Neuseeland, wo Nachbarn oft viele Kilometer voneinander entfernt leben, ist gegenseitig Hilfe nicht nur selbstverständlich, sondern auch überlebensnotwendig. Was dort an der Tagesordnung ist und funktioniert, ist leider bei uns inzwischen zur Ausnahme geworden. Der Prozess gegen vier Kunden einer Essener Bank wegen unterlassener Hilfeleistung, die einen 83-jährigen Rentner, der vor dem Geldautomaten zusammengebrochen war, einfach ignorierten und liegen ließen – der Mann starb später im Krankenhaus, nachdem ein weiterer Bankkunde schließlich Hilfe gerufen hatte –spricht Bände. Schiedsleute bei uns in Kronberg können ein Lied davon singen, mit welchen Streitigkeiten unter Nachbarn sie sich manchmal beschäftigen müssen. Dabei geht es doch auch anders, wie das Beispiel im Wohnort meiner Schwester zeigt, meint

X
Sichere Anmeldung

Diese Anmeldung ist mit SSL Verschlüsselung gesichert