(S)TÜRMisches

Glück ist ein großes Wort. Aber was ist Glück? „Glück ist eigentlich nur der Wille zum Glücklichsein“, so hat es der Mathematiker, Naturforscher und Begründer des deutschsprachigen Aphorismus Georg Christoph Lichtenberg formuliert. „Glück ist kein Ziel – Glück ist eine Art zu leben“, lautet ein Lebensspruch und ein anderer: „Glück ist die Fähigkeit, es zu erkennen.“ In der Präambel der amerikanischen Verfassung gehört neben Leben und Freiheit das Streben nach Glück zu den drei unveräußerlichen Rechten jedes Menschen.

Manchmal sind es nur kleine Dinge, die Freude und damit ein Stückchen glücklich machen. Die Geschichte, warum ich mich derzeit jeden Morgen freue und glücklich bin, begann im vergangenen Herbst, als mir ein lieber Freund einen wunderschönen Kürbis aus seinem Garten schenkte. Er wurde zu einer köstlichen Kürbissuppe, mit der ich an einem der nächsten Tage Gäste bewirtete. Aus irgendeinem Grund hob ich beim Putzen des Gemüses vier Kürbiskerne auf, legte sie auf einem Küchentuch auf die Fensterbank und ließ sie den Winter über trocknen. An den ersten warmen Vorfrühlingstagen dieses Jahres, als ich meinen Balkon aufräumte und die überwinterten Pflanzen von vertrocknetem Laub befreite, füllte ich eine Schale mit Blumenerde, steckte die vier Kürbissamen hinein und stellte sie auf die Fensterbank. Täglich mehrmals sprühte ich ein wenig Wasser auf die Erde und nach wenigen Tagen erschienen tatsächlich drei kleine Pflänzchen. Die wuchsen so rasant, dass ich sie schon nach drei Tagen vereinzeln musste. Zwei brachte ich dem Freund für seinen Garten, das dritte bekam einen großen Blumentopf und einen Platz auf meiner Fensterbank. Ich bin keine große Gärtnerin und habe nicht das, was man oft als „grünen Daumen“ bezeichnet. Aber meinem „Kürbisbaby“ gefiel es auf seinem sonnigen Platz hinter der Fensterscheibe offensichtlich so gut, dass es schon bald ein Blatt nach dem anderen produzierte. In den ersten Nächten schloss es seine beiden Keimblätter noch über dem empfindlichen Spross in der Mitte, um ihn zu schützen. Ein Bild, das mich schmunzeln ließ: Das Kürbisbaby schlief. Seine beiden Geschwister im Garten hatten es da deutlich schwerer. Eines der Kürbispflänzchen wurde nachts vermutlich von einer Schnecke angenagt und die vielen kalten Tage und Nächte, die nach der ersten Wärme folgten, mochten sie gar nicht. Mein Freund befürchtet, dass sie möglicherweise nicht überleben werden. Mein Kürbis aber entwickelt sich rasant. Ständig bekommt er neue Blätter und Triebe. Man kann ihm beim Wachsen quasi zuschauen. Der schmalen Fensterbank ist er schon seit Wochen entwachsen.

Wegen der kalten Nächte, in denen der Wetterbericht noch Frost ankündigte, stellte ich seinen Topf eine Zeit lang vor dem Fenster auf einen Stuhl. Aber jetzt ist sein Platz auf dem Balkon. Und wenn er weiter so rasant wächst und beginnt, seine Ranken überall hin zu schicken, stehe ich wohl demnächst vor der Frage, wem der Balkon gehört – ihm oder mir? Derzeit aber führt jeden Tag mein erster Gang am Morgen zum Balkon und ich freue mich und staune, was die Natur aus einem so winzigen Kürbiskern entstehen lässt. Für mich ist das ein kleines Stückchen Glück, bekennt

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