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(S)TÜRMisches

Eine interessante juristische Frage: Gibt es ein im Gesetzbuch verankertes Recht auf Handys? Darauf, dass man rund um die Uhr Whatsapp-Nachrichten empfangen und versenden, Youtube-Videos gucken und Snaps mit den so herzigen Emojis in den Äther schicken kann?

Wundern würde einen so etwas freilich nicht, angesichts der manchmal wirklich absurden Gesetze in unserem Land. Das dachte wahrscheinlich auch ein Berliner Schüler, dem sein Lehrer während des Unterrichts doch tatsächlich das Handy abgenommen und beim Direktor in Verwahrung gegeben hatte.

Gängige Praxis an vielen Schulen – das Handy wird eingezogen und die Eltern müssen es am nächsten Tag wieder abholen. Jedem Menschen, der halbwegs bei Verstand ist, leuchtet das ein, zumal Lehrer heutzutage kaum noch Möglichkeiten einer irgendwie gearteten Sanktion gegenüber unbelehrbaren Schülern haben, ohne Gefahr zu laufen von irregeleiteten Helikopter-Eltern verklagt zu werden.

In diesem besagten Fall lag jedoch unglücklicherweise ein Wochenende zwischen Einzug und Herausgabe des Handys, ein echter Härtefall. Das brachte den Stein ins Rollen. Der Schüler, vertreten durch seine besorgten Eltern, zog vor das Berliner Verwaltungsgericht – das sich bestimmt um Wichtigeres zu kümmern hat – und klagte, um die „Rechtswidrigkeit der Einziehung des Handys“ feststellen zu lassen und um zu verhindern, dass sich so etwas wiederholt und „eine Lehrkraft erneut das Handy einziehe“. Die Begründung: Es sei nicht zumutbar „plötzlich unerreichbar zu sein“, und das auch noch ein ganzes Wochenendem lang.

Ja, man stelle sich vor: Zwei Tage allein mit sich selbst und den völlig verstörten Eltern, die jetzt plötzlich mit ihrem Spross kommunizieren müssen und zwar nicht per SMS sondern in „echt“. Auch der Hinweis auf einen möglicherweise vorhandenen Festnetzanschluss ist in diesem Fall wenig hilfreich, da der Kläger nix im Kopp, sondern alles auf dem Handy gespeichert hat. Ein klarer Eingriff in die Grundrechte, befand der bedauernswerte 17-Jährige. Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, habe nach Ansicht der Eltern diese Maßnahme den Jungen „in seiner Ehre verletzt und gedemütigt“.

Du liebe Güte, hoffentlich wird diesem Jüngelchen in seinem ganzen Leben nie Schlimmeres widerfahren und er nie wirklich für seine Grundrechte kämpfen müssen. Die gute Nachricht: Die Klage wurde abgewiesen!

Die schlechte Nachricht: Gegen dieses Urteil kann die Zulassung der Berufung beim Oberverwaltungsgericht beantragt werden. Und da wird sich ohne Zweifel irgendwann irgendein weiterer gedemütigter Schüler finden, der schwerst traumatisiert durch Handyentzug seine Schule verklagt.

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