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(S)TÜRMisches

Eigentlich könnte es eine gute Nachricht sein: Noch nie war Essen in Deutschland so billig wie heute. Während um 1900 der Anteil an den privaten Ausgaben, den ein Haushalt für Lebensmittel investierte, noch bei 39 Prozent lag, ist er heute auf magere 13,8 Prozent gesunken. Damals gab es noch Millionen kleiner Bauernhöfe, heute sind es gerade mal 270.000 mit abnehmender Tendenz. Kein Wunder. Essen ist bezahlbarer geworden, annährend jeder Mensch kann jeden Tag ein Fleischgericht zu sich nehmen, vorausgesetzt, er kauft beim Discounter und nicht beim Bio-Bauernhof. Und da kommt das große Aber, denn um die steigenden Bedürfnisse der Verbraucher nach billigen Nahrungsmitteln zu befriedigen, müssen die Abläufe immer weiter automatisiert werden, um effizienter produzieren zu können. Masse macht Kasse, nur dass es hier nicht um Autos, Flugzeuge oder Maschinen geht, sondern um Lebewesen. Um Kälber zum Beispiel. Sie werden im Moment für 8,46 Euro das Stück gehandelt. Ja, Sie haben richtig gehört.

Deutschlands Milchindustrie ist die größte in der EU; 4,1 Millionen Milchkühe, 26 Milliarden Umsatz! Der Milchpreis ist im Keller, ein Kalb quasi ein Abfallprodukt. Wenn es erkrankt, überlegt sich der Bauer dreimal, ob sich der Einsatz eines Tierarztes lohnt. 13 Prozent der Kälber werden kein Jahr alt – das sind allein in Bayern 170000 tote Jungtiere. Woran das liegt? Schlechtes Management, konstatiert Elke Rauch, Fachärztin für Tierschutz an der Ludwig-Maximilians-Universität München, und führt mangelhafte Fütterung und Tränkehygiene sowie schlechte Haltungsbedingungen an. Nur ein Beispiel: Viele Tiere stehen und liegen den ganzen Tag auf zugekoteten Steinböden, was zu üblen Klauenentzündungen führen kann, Stroh würde helfen, ist für den Bauern aber ineffizient. Den Milchkühen geht es nicht besser. Sie sind im Laufe der vergangenen 70 Jahre auf maximale Milchleistung gezüchtet worden. Gab eine Kuh in den 50er-Jahren noch 2.500 Liter Milch im Jahr, ist es heute ungefähr die dreifache Menge. Hauptsache die Milch ist gut, wie es der Kuh dabei geht, ist Nebensache. Erkrankt sie auf Grund dieser Marathonleistung und nicht tiergerechter Haltung frühzeitig, wird sie eben ersetzt, Nachschub gibt es ja genug.

Dass Bauern für das, was sie leisten, in der Regel nicht entsprechend entlohnt werden, ist bekannt. Wenn der Verbraucher einen Euro für Eier ausgibt, landen beim Erzeuger gerade mal 0,49 Cent, bei Milchprodukten 0,34 Cent, bei Kartoffeln 0,28 Cent und für Fleisch und Wurstwaren schlappe 0,22 Cent. Natürlich darf man bei dieser Rechnung die staatlichen Subventionen nicht außer Acht lassen. Aber solange die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ den Markt regiert, wird es ohne die Massentierhaltung nicht gehen. Die Bundeskanzlerin hat es auf den Punkt gebracht, zumindest verbal: „Es müssen in vielen Bereichen neue Antworten gefunden werden“, versprach sie den Landwirtschaftsverbänden beim Agrargipfel, denn die Landwirte seien ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Wahre Worte, denen, das steht zu befürchten, außer einer von unserer unfähigen Landwirtschaftsministerin fürs neue Jahr angekündigten „Wertschätzungskampagne“ und diversen Dialog-Veranstaltungen sowie dem nächsten Agrargipfel im Herbst 2020 keine Taten folgen werden.

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