Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
(S)TÜRMisches

Wintergrillen – als vor einigen Jahren die ersten Pioniere, denen die Sommer- Grill-Saison offenbar zu kurz war, anfingen, diese auch in den ungemütlichen Jahreszeiten fortzusetzen, ernteten sie meist ungläubiges Kopfschütteln. In diesen Zeiten könnte man sie als Visionäre bezeichnen, ja, sie haben uns gezeigt, dass ein Leben draußen, und das nicht nur zur Nahrungsaufnahme, geradezu die Wunderwaffe gegen das Virus werden könnte. Denn selbiges ist ein Couchpotato, ein verfrorener Warmduscher sozusagen, dem frische Luft so verhasst ist wie Graf Dracula das helle Sonnenlicht.

Diesen Ausweg haben natürlich viele Gastronomen landauf landab sofort umgesetzt und es entwickelte sich in deutschen Innenstädten eine noch nie dagewesene Draußenkultur, die sich beileibe nicht auf ein paar Tische und Stühle an der frischen Luft beschränkte, sondern höchst kreative Konzepte inklusive Begrünung umsetzte. Doch es half ihnen alles nichts, auch sie mussten jetzt zumachen angesichts der steigenden Infektionszahlen. Und da sind wir wieder beim Wintergrillen oder vielmehr der Möglichkeit, unter Zuhilfenahme einer Feuerschale auch draußen existieren zu können. Klar, dazu benötigt man einen zumindest einigermaßen geeigneten Garten, denn der Transport einer Feuerschale nebst Brennmaterial, Stühlen, Decken und Grillgut in den nächsten Park oder Wald ist auf Dauer etwas aufwendig und würde mit Sicherheit den Unwillen irgendwelcher Spießer erwecken, die dann spornstreichs die Feuerwehr alarmieren. Auch der heimische Balkon ist nicht wirklich geeignet, denn auch hier wird es definitiv uneinsichtige Nachbarn geben. Zugegeben, diese Hinwendung zur Lagerfeuerromantik kann auch zu Konflikten im direkten familiären Umfeld führen. Aber Argumente wie, das sei doch viel zu kalt oder nass draußen, da hole man sich ja unweigerlich eine Lungenentzündung, kann man mit der geeigneten Kleidung entkräften. Unternehmen wie der Outdoor-Ausstatter Globetrotter müssen in diesen Monaten eigentlich eine beeindruckende Umsatzsteigerung verzeichnen können. Denn wenn man die Vorliebe der Deutschen betrachtet, sich bereits bei kleinen Spaziergängen einzukleiden wie zu einer mehrtägigen Expedition ins Unbekannte, dann dürfte die Hinwendung zu mehrstündigen Aufenthalten im Freien unter klimaveränderten Winter-Temperaturen um die frostigen 10 Grad über Null zu einer Explosion der Umsatzzahlen führen.

Aber die Rückbesinnung auf das Ausharren in der Natur, die Füße am wärmenden Feuertopf ohne Handy &Co, hat auch eine psychologische Komponente. So rät die Wiener Schriftstellerin Eva Menasse in der Süddeutschen Zeitung unter der Rubrik Persönliche Geschichten aus dem Herbst 2020 zum Loslassen. „Ja, es kommen dunkle Wochen. Aber gegen das Dunkel haben wir Menschen früher Fackeln gehabt, heute haben wir Taschenlampen. Damit kann man nur einen kleinen Ausschnitt vom Ganzen beleuchten, diesen aber besonders gut. Wenn es strahlend hell ist, schaut doch jeder nur auf das Größte und Grellste. Wir können aufhören, uns abzulenken. Es könnten die Wochen für das vermeintlich unwichtige Detail sein, für die Innenschau, die kleine Überraschung. Es könnten die Wochen der Dankbarkeit sein, dafür, dass man kein Paketbote ist, dass man nicht zehn Stunden lang Intensivpatienten umdrehen muss, dass man nicht entscheiden muss, welche Maßnahmen uns retten werden und welche nicht.“

Aktuelle Meldungen der Polizeidirektion Hochtaunus

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige


X