(S)TÜRMisches

Rund 300.000 Jahre ist es her, dass der Homo sapiens begann die Erde zu bevölkern – mit seitdem 100 Milliarden Individuen! Und wir, die wir nun im 21. Jahrhundert leben, haben es am besten getroffen. Jawohl, auch wenn jetzt viele ungläubig den Kopf schütteln. Während das (kurze) Leben unserer Vorfahren von Hunger, Krankheit, Armut, Unterdrückung und Gewalt geprägt war, waren die Menschen nie so gesund, so reich, so gebildet, so frei und so sicher vor Gewalt und Kriminalität wie heute, und so alt. 72 Jahre beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung eines Erdenbürgers heute.

Zugegeben, die Plagen unserer Ahnen sind beileibe nicht vom Erdball verschwunden – schön wär’s – aber sie haben sich doch erheblich verringert. Tut man solche Weisheiten kund, wird man gerne verlacht und als hoffnungslos naiv verspottet, denn gute Nachrichten sind uncool, auch wenn sie wissenschaftlich belegt werden können. So verhungerten in den 1960er Jahren weltweit von 1.000 Menschen jedes Jahr 50, heute noch einer alle zwei Jahre – ein Minus von 99 Prozent! Die Kindersterblichkeit wurde seitdem halbiert, die Wahrscheinlichkeit bei einem Krieg getötet zu werden, ist heute siebenmal geringer als in den 1970er und 80er Jahren, ganz zu schweigen von der niedrigsten Kriminalitätsrate seit der Wiedervereinigung, der Überwindung der Massenarbeitslosigkeit sowie des Aufbaus eines funktionierenden Sozialstaats.

Natürlich leben wir beileibe nicht auf einer rosaroten Wolke, man denke allein an die drohende Klimakatastrophe, aber wir hätten dennoch allen Grund positiv in die Welt zu schauen. Tun wir aber nicht, ganz im Gegenteil. Das liegt daran, dass wir Menschen Fluchttiere sind, (sonst gäbe es uns längst nicht mehr) unsere Sinnesorgane befinden sich stets in Alarmbereitschaft und suchen die Umgebung nach Gefahren ab. Und genau das liefern uns die Medien tagaus, tagein. Der Morgen beginnt mit Nachrichten über Terroranschläge, Naturkatastrophen und schlimmstenfalls dem neuesten Trump-Twitter, vor allem letzteres alles andere als aufmunternd. Natürlich gabs all das – außer dem Wahnsinnigen im Weißen Haus – schon immer, nur haben wir es nicht mitbekommen, weil es die 24/7-Dauerbeschallung des Bürgers durch die allgegenwärtigen Medien noch nicht gab. Und damit meine ich ausdrücklich nicht seriösen Journalismus, sondern die sogenannten sozialen Medien, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ihre Nutzer mit allem zu füttern, was Angst macht, nie findet sich dort eine positive oder gar beruhigende Botschaft. Alles wird schlechter, die Welt steht am Abgrund. Den Nutzen daraus ziehen natürlich die Populisten. Ohne die sozialen Medien würden sie weiterhin das ihnen angemessene Dasein in der Bedeutungslosigkeit führen.

Dieses Geschäft mit der Angst ist ein gefährliches, denn es gaukelt den Menschen vor, dass nur eine radikale Kehrtwendung, weg von den Errungenschaften der Demokratie, der bedingungslosen Verteidigung der Grundrechte eines jeden Menschen, den vermeintlichen Untergang der westlichen Welt noch aufhalten kann. Die bedenkliche Entwicklung in unseren Nachbarländern wie Polen, Ungarn, Österreich, Italien und Frankreich zeigt, wie erschreckend gut diese Rechnung aufgeht. Das findet jedenfalls

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