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(S)TÜRMisches

Neulich besuchte mich eine Freundin zum Mittagessen. Sie war aus dem Bayerischen gekommen, um ihre sehr hinfällige Mutter in deren Pflegeheim im Hochtaunuskreis zu besuchen. Eine Stunde stand man ihr zunächst zu, dann wurde ihr, wie sie mir glücklich erzählte, noch eine halbe Stunde länger zugestanden. Da sie geplant hatte über Nacht zu bleiben, hoffte sie auf eine weitere Besuchserlaubnis am darauffolgenden Vormittag, denn nachmittags musste sie wieder zu Hause sein.

Dies wurde ihr verwehrt, da offenbar das Besucher-Kontingent für vormittags bereits erschöpft war. Es half kein Bitten und kein Betteln, man müsse sich eben an die Regeln halten.

Dagegen ist ja zunächst einmal nichts einzuwenden, wenn diese nachvollziehbar und zum Schutze der gesamtem Bewohnerschaft vor Corona gedacht sind. In diesem Fall aber, ist die Vorgehensweise überhaupt nicht zu verstehen, sondern schlicht unmenschlich. Meine Freundin, vollkommen erschlagen von diesem möglicherweise Letzten Besuch bei ihrer Mutter, was Letztere offenbar auch so empfunden hat, hatte einfach nicht die Kraft, sich gegen dieses Besuchsverbot zu wehren und die Leitung des Heims aufzusuchen und zur Rede zu stellen.

Es ist schlicht nicht zu verstehen, warum ein Besucher, dessen Angehöriger in einem Einzelzimmer liegt, also keine weiteren Personen durch seine Anwesenheit in Mitleidenschaft gezogen werden können, nur eine Stunde am Tag kommen darf und an einem anderen Tag nur nachmittags. Das mag ja für Angehörige vor Ort noch angehen, aber doch nicht für jemanden, der viele hundert Kilometer zurücklegen muss. Erschwerend, und da wünschte man sich doch eine gewisse Flexibilität beziehungsweise den Blick auf das jeweilige Einzelschicksal, kommt in diesem Fall, der sicher kein Einzelfall ist, hinzu, dass die Mutter in einem sehr schlechten Zustand ist und man ihr und ihrer Tochter ein angemessenes Abschiednehmen verwehrt hat.

Natürlich stehen gerade Alten- und Pflegeheime seit Ausbruch der Pandemie unter einem enormen Druck.

Bei fast einem Drittel der 4900 Corona-Toten (Stand April) handelte es sich um Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Diese Einrichtungen sind bundesweit die wahren Brennpunkte der Pandemie, denn die Alten und oftmals Kranken haben dem Virus wenig entgegenzusetzen. Keine gesellschaftliche Gruppe ist der Krankheit Covid-19 so ausgeliefert wie diese. Während völlig überforderte Pfleger selbst erkranken und ausfallen, versucht man, die verschärften Hygienevorschriften umzusetzen. Das Personal bemüht sich, Infizierte von Nicht-Infizierten zu trennen, schließt Gemeinschaftsräume und liefert den Bewohnern Essen ins Zimmer. Strenge Kontaktverbote bedeuten, dass viele alte Menschen gerade alleine sterben müssen. Das alles gilt es zu bedenken, wenn man das Verhalten beziehungsweise die Regeln in Frage stellt. Dennoch bleibt die Frage der Verhältnismäßigkeit; auf der einen Seite die riesige Herausforderung, schwache Menschen vor einem qualvollen Tod zu schützen, auf der anderen Seite, ihrer Würde als Menschen gerecht zu werden. Und dazu gehört, ihnen unter Berücksichtigung aller Hygienevorschriften das Zusammensein mit ihren Lieben zu ermöglichen. Zugegeben, ein Spagat.

Aktuelle Meldungen der Polizeidirektion Hochtaunus

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