(S)TÜRMisches

Über die Schönheit der vier Jahreszeiten lässt sich trefflich streiten, denn natürlich hat jede ihre Vor- und Nachteile, die der eine liebt und der nächste verabscheut. Jetzt im Juli blüht und sprießt es und auch wenn seitenlange Berichte die so nachhaltige und gelungene städtische Bepflanzung in den Himmel loben, außer den privat initiierten erfreulichen Ausnahmen (die Schirn!) ist das Stadtbild aus Kauzperspektive eher ziemlich mau. Und doch werden wir, so ist es in der Presse zu lesen, diesem Zustand irgendwann hinterherweinen, denn der allgemeine Trend geht von der blühenden Vielfalt zum pflegeleichten Schotterfeld...

„Gärten des Grauens“ titelte jüngst eine überregionale Tageszeitung unter der Rubrik „Bauen & Wohnen“. Auf der gleichnamigen Facebookseite stellt der Berliner Biologe Ulf Soltau seit 2017 deprimierende Fotos von Schottergärten ins Netz. Ja er geht sogar soweit, diese als „sterile, naturfeindliche Psychopathengärten“ zu bezeichnen, in der Hoffnung diesen fragwürdigen Trend mit Mitteln des Humors gesellschaftlich unmöglich zu machen.

Doch das hält offenbar die Liebhaber vermeintlich pflegeleichter Steinwüsten nicht von ihrem Tun ab. Vermeintlich pflegeleicht deshalb, weil sich in kleinen Ritzen doch das ein oder andere Grün breitmacht, im Herbst die störenden Blätter von Hand aufgesammelt und die Steine im Laufe der Zeit Moos ansetzen und dann aufwendig gereinigt werden müssen. Na, vielen Dank! Um diesem bedauerlichen Trend entgegen zu wirken, schreibt nun Xanten am Niederrhein als erste Kommune Deutschlands für neue Bebauungspläne einen Begrünungszwang für Vorgärten vor! Wer dem zuwiderhandelt muss mit saftigen Bußgeldern rechnen. Vor dem Hintergrund der stetig abnehmenden Zahl von Bienen und Schmetterlingen, der nun mittlerweile auch dem letzten Ignoranten nicht verborgen geblieben sein dürfte, ist dieser Trend nicht nur komplett absurd, sondern gefährlich und zu dem nett gemeinten Hinweis, mehr Information der ja so „ahnungslosen“ Vorgartenbesitzer seien hilfreicher als martialische Strafaktionen, fällt mir rein gar nichts mehr ein...

Neben Sanktionen wäre die Vorbildfunktion einer Kommune übrigens auch hilfreich. Ich empfehle den städtischen Entscheidungsträgern hierzu eine Begehung der Straße „Obere Eichen“. Trostlose Pflanzflächen, bedeckt mit Schotter, mittig ein Baum, dazwischen einige einsame, bemitleidenswerte Stängel, die ihrem Ende entgegensiechen – auf dem Mars könnte es nicht deprimierender aussehen!

Auf Einsicht hofft,

Aktuelle Meldungen der Polizeidirektion Hochtaunus



X