Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Aktuelle Beilagen

(S)TÜRMisches

Wer denkt, das Phänomen Helikopter-Eltern sei nicht mehr zu toppen, der täuscht sich gewaltig. Die Eichendorffschule in Offenbach musste jetzt zu wirklich drastischen Maßnahmen greifen, um ihre Schüler vor den „Übergriffen“ ihrer eigenen Eltern zu schützen. Ja, Sie haben richtig gehört. Was wie ein schlechter Scherz klingt, war für die entnervten Lehrer Alltag: Eltern, die ihre Sprösslinge bis ins Klassenzimmer brachten, sie auf Schritt und Tritt überwachten, den Kindern sogar das Pausenbrot durch den Zaun reichten oder in Streitigkeiten während der Pause eingriffen, um ihr Kind zu „schützen“..

Ein neuer Zaun mit Sichtschutz soll nun Abhilfe schaffen, nachdem das gut gemeinte Hinweis-Schild „Liebe Eltern, ab hier schaffen wir es alleine“, von diesen konsequent ignoriert wurde.

Aber auch der Zaun hält viele Eltern offenbar nicht davon ab, das Schulgelände zu betreten und nach „dem Rechten zu sehen“!

Doch diese Art Eltern sind beileibe nicht nur in der Schule präsent, in der Regel kontrollieren sie ihre Sprösslinge rund um die Uhr. Das heißt, sie nehmen auch Einfluss auf die Freizeitaktivitäten und die Auswahl der Freunde. Nichts darf dem Zufall überlassen werden, diese bedauernswerten Kinder dürfen keine eigenen Entscheidungen treffen und die Eltern denken auch noch, sie tun ihnen etwas Gutes. Auf der anderen Seite sind Helikopter-Eltern extrem leistungsorientiert. Bildungs- und Leistungsdruck bestimmen den Alltag des Kindes, am besten spielen sie mindestens ein Instrument und glänzen zusätzlich noch in mehreren Sportarten. Laut dem Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff befindet sich immer mehr jugendlicher Nachwuchs von Helikopter-Eltern in Behandlungen wie Ergotherapie, Logopädie und Psychotherapie.

Warum sind viele Eltern so? Als orientierungslos und überehrgeizig bezeichnen Pädagogen und Psychologen einen nicht geringen Teil der heutigen Elterngeneration. Schulische Leistungen sowie künstlerische und sportliche Erfolge würden als Erfolg der eigenen Erziehungsarbeit verbucht. Sprich die Außenwirkung steht an oberster Stelle. Der Fokus auf die inneren Werte findet überhaupt nicht mehr statt, ganz im Gegenteil steht die materielle Befriedigung im Vordergrund.

Ein weiterer Grund für dieses Phänomen ist die Tatsache, dass viele Familien in die Städte ziehen, wo im Gegensatz zum Land „Gefahren an jeder Ecke lauern“, Eltern der Mittelschicht durchschnittlich älter sind als noch vor ein paar Jahrzehnten; sie gehen wissenschaftlicher an die Erziehung ihres Nachwuchses heran und wollen alles besser machen als ihre Eltern, quasi das Optimum herausholen. Schließlich spielt Zukunftsangst eine nicht unwichtige Rolle. Der Leistungsdruck in der Gesellschaft verunsichert, und um diesem zu begegnen, möchten die Eltern dem Nachwuchs einen möglichst guten Start auf dem Arbeitsmarkt sichern. Dabei bleibt kaum Zeit, eigene Erfahrungen zu samm, auf die Nase zu fallen und wieder aufzustehen.

Andererseits muss man natürlich auch sehen, dass es nie zuvor eine Generation von Kindern gab, „die so sicher, behütet und in einem solchen Wohlstand aufgewachsen ist. Es besteht also kein Grund zur Panik“, so der Pädagoge und Psychologe Josef Kraus.

Na dann, Eltern macht euch locker!

Aktuelle Meldungen der Polizeidirektion Hochtaunus

Anzeige
Anzeige
Anzeige


X