Ist Kronberg eine kinderfreundliche Stadt? Mehr als 100 Eltern beteiligen sich an Umfrage

Kronberg (kb) – Die Adventszeit ist die Zeit der großen Wünsche – und der guten Vorsätze. Man will zur Ruhe kommen, Bilanz ziehen, Pläne schmieden für das kommende Jahr. Doch viele Kronberger Familien wissen noch immer nicht, was nächstes Jahr auf sie zukommt. Seit über einem halben Jahr steht die Möglichkeit einer drastischen Erhöhung der Kita-Gebühren im Raum.

„Dabei wäre jetzt der Moment, in dem Eltern Planungssicherheit brauchen“, sagt Tobias Moorstedt vom Stadtelternbeirat. Zwar wurde die ursprünglich vorgesehene Erhöhung um 20 Prozent nach lautstarkem Protest gestoppt – allein der Essenszuschlag wird zum 1. Januar nächsten Jahres von 77 auf 100 Euro steigen. Doch wie es mit den eigentlichen Betreuungskosten weitergeht, ist weiterhin unklar. Derzeit ringen Magistrat und Stadtverordnetenversammlung um ein neues Modell, das ab August nächsten Jahres langfristig greifen soll.

Um der Politik ein möglichst genaues Stimmungsbild zu liefern, hat der Stadtelternbeirat eine Umfrage unter Kronberger Eltern mit jungen Kindern gestartet – mit überraschend hoher Beteiligung: Knapp 20 Prozent der rund 700 betroffenen Familien haben teilgenommen.

Das Ergebnis: 27 Prozent der Eltern lehnen eine jährliche Erhöhung der Beiträge grundsätzlich ab. Ein knappes Drittel (31 Prozent) hält eine moderate Steigerung um zwei Prozent für vertretbar. 24 Prozent könnten mit einer Erhöhung von fünf Prozent leben. Nur zwei Prozent wären mit zehn Prozent Erhöhung pro Jahr einverstanden.

Diese Daten decken sich mit den Gesprächen, die der Stadtelternbeirat in den vergangenen Monaten geführt hat. „Gebühren, die Jahr für Jahr um planbare zwei bis vier Prozent steigen, lassen sich einrechnen“, sagt Laura Gerke vom Stadtelternbeirat. „Plötzliche Kostensprünge hingegen bringen Familien in Schwierigkeiten – nicht nur finanziell, sondern auch emotional.“ Gerade für Eltern mit geringerem Einkommen oder mehreren Kindern stellen sich dann schnell Fragen nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für ein Elternteil. Die Hoffnung der Eltern ist nun, dass die Stadtpolitik dem ursprünglichen Konsens treu bleibt: keine drastischen Erhöhungen, sondern eine verlässliche, transparente Lösung. Diskutiert wurde unter anderem eine Kopplung der Beiträge an einen Index wie die Nominallohnentwicklung – also kleine, nachvollziehbare Schritte statt großer Sprünge.

Doch bei der Umfrage ging es nicht nur ums Geld. „Wir wollten keine Evaluation im engeren Sinn, sondern ein realistisches Bild vom Alltag junger Familien in Kronberg zeichnen“, sagt Moorstedt. Die Ergebnisse sind aufschlussreich: Zwar halten 73 Prozent der Befragten die Personalausstattung in den Kitas für unzureichend. Und 41 Prozent kritisieren die Bausubstanz und Infrastruktur. Aber nur knapp jeder Fünfte äußerte Kritik am pädagogischen Konzept, der Ernährung in den Kitas oder deren Kommunikation mit den Eltern.

„Viele Eltern fühlen sich gut betreut“, sagt Laura Gerke, „das liegt vor allem an der großartigen Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher – und an den engagierten Mitarbeitenden der Verwaltung.“ Zwei Drittel der Befragten vergaben vier oder fünf Sterne für die Betreuung ihrer Kinder – ein richtig guter Wert.

Und wie kinderfreundlich ist Kronberg insgesamt? Auch hier ein differenziertes Bild: 55 Prozent bewerten die Stadt als eher oder sehr kinderfreundlich, rund ein Viertel äußerte sich neutral. Nur 24 Prozent empfinden Kronberg als eher nicht oder gar nicht kinderfreundlich. Und das ist kein Wunder.

Ein funkelnder Baum am Berliner Platz, Weihnachtsmarkt und November-Schlittenfahrten im Taunus – Kronberg hat gerade in diesen Tagen vieles, was das Leben mit Kindern schön macht. Jetzt komme es darauf an, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Familien langfristig bleiben und etwas aufbauen können. Denn davon hängt die Zukunft dieser Stadt ab.

„Ein politisches Signal für eine faire, nachhaltige Lösung bei den Betreuungskosten – das wäre ein echtes Weihnachtsgeschenk für alle Familien“, sagt Moorstedt.

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