Königstein (as) – Nach den Baumfällungen in der Konrad-Adenauer-Anlage und im Kurpark hat Königstein sein zweites Aufregerthema innerhalb kurzer Zeit. Anfang letzter Woche hatte die Stadtverwaltung mitgeteilt, dass das Freibad durch einen Wasserschaden im Technikraum, die Pumpen der Hebeanlage waren ausgefallen und das Wasser drang bis in eine Höhe von 1,60 Meter in den Raum, in diesem Jahr voraussichtlich nicht öffnen kann. Die Beschaffungszeiten für die Pumpen und die ebenfalls zerstörten Schaltschränke und die Chlorierungsanlage würde bei bis zu fünf Monaten liegen. Der Schaden wurde nach den vorliegenden Gutachten auf 450.000 bis 500.000 Euro beziffert.
Die Frage, die sich nach dieser Meldung vielen unweigerlich stellt, ist, ob die Anlage denn in den Wintermonaten mit durchaus langen Frostperioden nicht ständig kontrolliert werde und ob der Schaden nicht begrenzbar gewesen wäre. Immerhin war das Wasser auf eine Höhe von bis zu 1,60 Metern im (unterirdischen) Technikraum angestiegen.
Die Stadt konnte hier keine umfassende Aussage machen. Die beiden Bademeister Robert Tews und Marcus Oberlininger seien die „Kontrollinstanzen“, so Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko. „Die Anlage wird von ihnen gewartet und regelmäßig in Augenschein genommen“, so die Bürgermeisterin, wobei – auf Nachfrage – „regelmäßig“ häufiger als ein Mal im Monat heiße. Jedenfalls sei der Schaden in relativ kurzer Zeit entstanden. Dieser werde aktuell noch geprüft, um die Ursache herauszufinden. Es hätten wohl auch Mängel an den Versickerungen dazu beigetragen, dass das Schwellwasser in den Raum gedrückt wurde. „Auch mich lässt die Situation fassungslos zurück“, sagte sie, und es klang genauso, wie es viele Leute sehen: Ein Problembad würde Königstein wahrlich reichen, jetzt hat die Stadt ein zweites.
Parallel zur Analyse, die den Fachleuten vorbehalten ist, hat Schenk-Motzko ihren Osterurlaub gestrichen, um nach Lösungen zu suchen und Gespräche zu führen. Die wird sie unter anderem mit den Bürgermeistern der Nachbarkommunen aufnehmen, um zu eruieren, inwiefern Schwimmkurse, die ja gefragter denn je seien, etwa nach Kronberg oder Kelkheim verlegt werden können. Auch um das Schwimmbadpersonal müsse sie sich kümmern. Arbeitslos werde aber niemand, sagte sie, da die Anlage weiterhin gepflegt werden müsse und die Mitarbeiter auch als Ansprechpartner für die dann auf dem Areal tätigen Baufirmen benötigt würden.
Hoffen auf Interimslösung
Und ganz aufgegeben hat die Bürgermeisterin die Hoffnung auch noch nicht, im Laufe des Sommers vielleicht ein Becken öffnen zu können. Ihr Wunsch wäre, womöglich mit Ersatzteilen, eine Interimslösung umsetzen zu können, auch wenn es eigentlich noch viel zu früh für dieses Thema sei.
Neben den vielen Königsteinerinnen und Königsteinern, die ihr Freibad lieben – im vergangenen Sommer kamen rund 32.500 Besucher – gehört die DLRG zu den Hauptbetroffenen der Schließung. „Schade – enttäuschend – ärgerlich“, brachte deren Ortsgruppen-Chef Andreas Mühlbauer seine Gedanken zum Ausdruck, die ihm als Erstes durch den Kopf schossen, als er von der Schließung erfuhr. Mit etwas Abstand schätzte er die Situation für die Lebensretter als wenig dramatisch ein. Für die Rettungsschwimmerausbildung sei das Training im Freibad mit der Möglichkeit zum Tieftauchen und dem Sprung vom Drei-Meter-Turm zwar wertvoller als im Kurbad, doch diese Traininsgteile bekomme man durch die kameradschaftliche Organisation der DLRG und die Verbindungen nach Kronberg und Kelkheim für ein Jahr schon hin.
„Was ich aber wirklich bedauere“, so Mühlbauer, „ist, dass viele Kinder nicht im Freibad schwimmen lernen können.“ Da würden im Vergleich zum Vorjahr 20 bis 30 Kinder unversorgt bleiben, aus der Sicht des Rettungsschwimmers potenzielle Badeopfer. Auch Veranstaltungen wie die Saisoneröffnung und das Luna-Schwimmen würden in diesem Jahr natürlich fehlen, um mögliche neue Rettungsschwimmer anwerben zu können.
Die Ferienkurse für Nichtschwimmer im Kurbad wird die DLRG natürlich beibehalten. Zudem hoffe er, dass die Schwimmschule im Kurbad ihr Angebot erweitern kann. Das hofft auch die Bürgermeisterin, die froh über die Situation ist, mit dem eigentlichen „Problembad“, dem Kurbad, noch eine Ausweichmöglichkeit in der Stadt zu haben.
Haushaltssorgen und Förderverein
Schwer wird der Schaden auch auf der Königsteiner Finanzlage lasten, der Schaden von einer halbe Million Euro, der sicher auch Folgekosten für eine mitunter nötige energetische Erneuerung der Schwimmbadtechnik nach sich ziehen wird. „Das sind jetzt alles unvorhergesehene Punkte, die voll auf den Ergebnishaushalt schlagen“, sagte Schenk-Motzko.
Ihre Parteikollegen sind derweil nicht untätig geblieben. Die Schäden haben der CDU Königstein den Impuls gegeben, zu überlegen, wie das Freibad künftig zusätzlich unterstützt und langfristig attraktiv gehalten werden kann, so der Fraktionsvorsitzende Daniel Georgi. So entstand die Idee, einen Förderverein für das Freibad Königstein zu gründen. Ziel eines solchen Vereins wäre es, bürgerschaftliches Engagement zu bündeln, zusätzliche Projekte zu ermöglichen und das Freibad langfristig ideell und – wo möglich – auch finanziell zu unterstützen. Wichtig ist dabei ausdrücklich: Der Förderverein soll überparteilich sein. Georgi: „Die aktuelle Situation hat uns gezeigt, wie groß die Bedeutung des Freibads für unsere Stadt ist. Deshalb möchten wir den Impuls geben, bürgerschaftliches Engagement zu bündeln und gemeinsam einen Förderverein auf den Weg zu bringen. Ich werde diesen Prozess gernwe begleiten.“ In einem ersten Schritt sollen nun Interessierte gesucht werden, die sich an der Gründung beteiligen möchten. Anschließend ist ein Informationsabend geplant, bei dem gemeinsam Ideen gesammelt werden sollen. Stattfinden wird der Informationsabend voraussichtlich erst nach den Osterferien. Alle Bürgerinnen und Bürger, die Interesse haben, sich einzubringen oder den Gründungsprozess zu unterstützen, sind eingeladen, sich zu melden: kontakt[at]cdu-koenigstein[dot]de.
Denn insbesondere für die Königsteiner Jugend ist ein geschlossenes Freibad eine sehr schlechte Nachricht. Nachdem bereits klar war, dass die Konrad-Adenauer-Anlage vergittert sein wird, ist damit auch der zweite große Treffpunkt junger Leute im Sommer – speziell in den Sommerferien – weggefallen.
Keine Verzögerungstaktik
Dass die Stadt das unangenehme Thema – wie schnell wieder spekuliert wurde – bis nach der Kommunalwahl zurückgehalten habe, hatte Erster Stadtrat Jörg Pöschl bereits in der vergangenen Woche verneint. Der Magistrat, in dem fünf der sechs Königsteiner Parteien vertreten sind, sei vor einigen Wochen über den Schaden informiert worden.
Es habe Einigkeit geherrscht, mit der Information abzuwarten, bis die entsprechenden Gutachten vorliegen, um die Reparaturdauer abschätzen zu können. Diese kamen dann in der Woche nach der Kommunalwahl – mit dem wohl von niemandem erwarteten verheerenden Ergebnis.

