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(S)TÜRMisches

Frühling vorm Balkon. Blühende Magnolien, erste Blättchen an den Buchen, Osterglocken, Tulpen und Traubenhyazinthen in voller Blüte und selbst das Nussbäumchen, das im vergangenen Jahr im Blumentopf aus einer Haselnuss gewachsen ist, hat den Winter gut überstanden und zeigt schon erste Blättchen. Der ausgewachsene Nussbaum im Garten meiner Schwester, von dem die Nuss stammt, ist noch nicht so weit. Und noch vor drei Wochen dachte ich, es sei kein Leben mehr in dem erst zwanzig Zentimeter hohen Stämmchen.

Bienen und Hummeln besuchen die Blüten der Margarite, die Nachbarn mir geschenkt haben. Als ich am Morgen die Primel auf meiner Fensterbank, das Geschenk einer anderen Nachbarin, gießen wollte, entdeckte ich unter einem der Blätter eine dicke Hummel, die sich wohl am Vortag unbemerkt ins Zimmer verirrt hatte. Mitsamt dem Primeltopf trug ich sie auf den Balkon. Sie brauchte noch eine ganze Weile in der wärmenden Sonne, ehe sie endlich davonflog.

Ob der Fingerhut, den ich im vergangenen Jahr gekauft habe, in diesem Jahr erneut blühen wird? Noch kann ich nicht erkennen, ob im vergangenen Jahr neue Pflanzen herangewachsen sind, die dieses Jahr blühen könnten. Die Vögel singen, die Luft ist klar und der Himmel strahlend blau, völlig ohne Kondensstreifen. Ein ungewohnter Anblick in einer Stadt so nahe am Frankfurter Flughafen.

Mir kommt es so vor, als atme die Natur auf, seit wir zu Hause bleiben müssen. Ich bin gerne in meinen eigenen vier Wänden und habe mich noch keinen Moment gelangweilt. Im Gegenteil: In den vergangenen zwei Wochen habe ich so viele Bücher gelesen wie schon lange nicht mehr, erst vorgestern einen sehr spannenden Psychothriller, den ich morgens begonnen und am Abend ausgelesen hatte.

Als ich auf dem Balkon in der wärmenden Sonne sitzend zwischendrin aufschaute, entdeckte ich im Garten ein Rotkehlchen, das versuchte, irgendwas Nahrhaftes mit seinem spitzen schmalen Schnabel aus dem Boden zu ziehen.

Doch kurz bevor ihm dies gelang, erschien eine Amsel auf dem Plan, vertrieb das viel kleinere Rotkehlchen und sicherte sich die Beute. Dass im Tierreich das Recht des Stärkeren gilt, ist mir eigentlich durchaus klar, dass dieses Recht aber auch unter Vögeln gnadenlos ausgenutzt wird, hatte ich so noch nie beobachtet.

Eigentlich wollte ich heute angesichts des strahlenden Frühlings nichts über Corona schreiben. Aber jetzt mache ich mir doch Sorgen, ob nicht auch bei uns Menschen weltweit nach der Pandemie wieder die Schwächsten auf der Strecke bleiben.

Mein Rotkehlchen wird sicher im nächsten Garten Nahrung für sich und seine Brut gefunden haben, falls die schon geschlüpft sein sollte.

Wäre es im Menschenreich doch auch so einfach, wünscht sich da

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