Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Aktuelle Beilagen

(S)TÜRMisches

„Alles wird gut“, ein Mantra, das man in diesen Tagen gerne immer mal wieder innerlich herunterbetet, das aber leider lediglich einer, durch keinerlei Argumente zu untermauernden Hoffnung entspringt. Die Wahrheit ist, niemand weiß, ob dies eintrifft, geschweige denn wann. Uns, die wir die Schrecken des Krieges Gott sei Dank nicht erleben mussten, fehlt schlicht die Vorstellungskraft, dass ein unberechenbares Übel wie dieses winzige Virus unsere ja ziemlich heile Welt ernsthaft bedrohen könnte. Schweinegrippe, die Finanzkrise und selbst Tschernobyl haben die westliche Welt samt ihrem Wohlstand nicht ernstlich ins Wanken gebracht, also was soll schon passieren? Glück ist zur Normalität geworden, darunter geht’s nicht. Dabei wissen wir, wenn wir uns die Geschichte der Welt vor Augen halten, dass nichts auf die Ewigkeit angelegt ist und dass allein dieser, nun bereits 75 Jahre währende Frieden in Europa, eine bemerkenswerte Ausnahme darstellt. Nein, ich hänge keinen Verschwörungs-Weltuntergangsszenarien an, ich denke lediglich darüber nach, wie sich unsere Lebenseinstellung, die sich ja bereits zu Teilen „dank“ des Lockdowns verändert hat, in Zukunft der Tatsache stellen wird, dass uns diesmal kein Happy End, sondern möglicherweise ein noch nie da gewesenes Szenario erwartet. Das heißt nicht automatisch, dass es schlecht oder bedrohlich sein muss, eben einfach nur anders. Ständiges Reisen in alle Himmelsrichtungen zu Dumpingpreisen wird es vorerst nicht mehr geben; Familien haben sich „wieder entdeckt“; Väter durften plötzlich über Wochen erleben, was der Alltag mit Kindern bedeutet; Menschen, die sich fühlten wie im freien Fall ohne die gewohnten Strukturen, stellten womöglich erschreckt fest, wie wenig sie ihr Leben bisher selbst bestimmt haben. Das und noch vieles mehr sind wertvolle, wenn auch vielleicht mitunter schmerzliche Erfahrungen, die unsere Grundfesten, wenn nicht erschüttert, so doch auf jeden Fall angekratzt haben. Wir sollten sie nicht mit dem ersehnten Ende der Pandemie ad acta legen, sondern mit hinüberretten in die Zeit nach Corona, wie auch immer diese aussehen wird. Denn die momentan allgegenwärtige Verunsicherung, die leider auch den haarsträubendsten Unsinn in den Äther bläst, birgt auch etwas Positives, nämlich die gesunde Erkenntnis, dass wir am Ende des Tages trotz raffiniertester Algorithmen nicht alles kontrollieren können, dass wir angreifbar sind, endlich unsere Grenzen erkennen lernen müssen, um innerhalb der Gemeinschaft Lösungswege zu entwickeln. Die Zeit ist reif, sich von der ungesunden Erwartungshaltung, dass der Staat uns bitteschön alle Hindernisse aus dem Weg räumen und für alle Eventualitäten des Lebens Vorsorge treffen muss, endgültig zu verabschieden.

Die Demonstranten des vergangenen Wochenendes, beileibe nicht alle verblendete Anhänger abstruser Endzeitszenarien, haben den ersten Schritt getan: gemeinsam mit namhaften Stimmen aus Kultur und Wissenschaft haben sie der Bundesregierung aufgezeigt, wo ihre Schmerzgrenze liegt und dass zukünftig eine moderate Haltung ständig wechselnden, je nach den Infektionszahlen verordneten Maßnahmen vorzuziehen ist und dass ein Zurück in die Isolation keine Option ist.

Aktuelle Meldungen der Polizeidirektion Hochtaunus

Anzeige


X