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Bitte anschnallen! Die Cello-Welt auf Europareise

Frans Helmerson (rechts), der Cello-Meister mit namhaften Cellisten der nächsten Generation, Benedict Kloeckner (links) und Gabriel Schwabe (Mitte).

Foto: Andreas Malkmus

Kronberg (aks) – Im 25. Jahr der Kronberg Academy war Kronberg wieder Welthauptstadt des Cello. Die ganze Woche gab es viel zu hören und zu sehen bei den Cello Meisterkursen und Konzerten. Hier begegneten ausgewählte Schüler aus der ganzen Welt weltberühmten Cello-Meistern wie Frans Helmerson aus Schweden, Gary Hoffman aus USA sowie den Deutschen Jens Peter Maintz und Wolfgang Emanuel Schmidt. Die Konzerte waren ein besonderes Highlight in der Musikwelt, sie fanden mit namhaften Solisten statt. So standen viele am Freitagabend in der Stadthalle Schlange, um doch noch Karten für das ausverkaufte „Europareise“-Konzert zu bekommen. Das war ein fröhliches Bild, das Zusammentreffen vieler Musikfans von nah und fern, jung und alt, die aus der ganzen Welt angereist waren. Der große Saal platzte förmlich aus allen Nähten. Alle wollten zu Frans Helmerson, dem großen schwedischen Cello-Meister, der in dieser Woche viele auserwählte junge Schüler und Schülerinnen in seinen Meisterkursen mit großer Geduld und präzisen Ratschlägen unterrichtete. Eine kurzfristige Programmänderung gab es allerdings an diesem Abend. Harriet Krijgh, Alumna der Kronberg Academy, war erkrankt und wurde durch Alumnus Benedict Kloeckner spontan ersetzt, der statt der berühmten Suite Nr. 3 von Johann Sebastian Bach Frédéric Chopins Introduction et Polonaise in C-Dur spielte. Nun erwartete das Publikum ungeduldig den „Kapitän“ der Europareise, Helmerson und seine Interpretation von Gabriel Faurés Sonate Nr. 2 in G-Moll, die zu Napoleons 100. Todestag als „Chant Funéraire“ im Invalidendom in Paris 1921 erklang. Ebenso wie die Moll-Tonart berührte die Zuhörer Frans Helmersons elegisches und sehr emotionales Spiel. Das Allegro vivo im Finale überraschte, da war von Schwermut nicht mehr viel zu spüren. Begleitet wurde Helmerson am Klavier von dem gebürtigen Engländer Nicholas Rimmer, der an diesem Abend die Cellisten in einem perfekten Dialog begleitete. Er glänzte als wahrhaft vielseitiger und versierter Pianist und sicherer „Steuermann“ auf dieser Reise mit einem Programm, das als herausfordernd gelten kann. Die Europareise, die vier europäische Komponisten präsentierte, Fauré aus Frankreich, Chopin, in Warschau geboren und in Paris gestorben, Britten aus England und der zeitgenössische Komponist Penderecki aus Polen, wurde zu einer rasanten Fahrt voller Energie und „con molto sentimento“. Alle Musiker nahmen eine gehörige Portion Herzblut mit auf ihre Tour durch zwei Jahrhunderte. Herausragend der 29-jährige Benedict Kloeckner, der seine Ausbildung als junger Solist der Kronberg Academy bei Frans Helmerson und Gary Hoffmann genoss und bereits weltweit als Solist konzertiert, mit der Polonaise brillante C-Dur op. 3 von Frédéric Chopin, die er voller Verve einem begeisterten Publikum vortrug. Benjamin Brittens Sonate C-Dur für Violoncello und Klavier wurde dank des temperamentvollen Spiels von Gabriel Schwabe, der bis 2013 bei Frans Helmerson an der Kronberg Academy studierte und heute zu den führenden Cellisten seiner Generation zählt, und des jungen Pianisten Nicholas Rimmer zum Glanzstück des Abends. Die experimentellen Charakterstücke, in der sich vier lebhafte Sätze um den ruhigeren Pol der „Elegia“ fokussieren, nahmen das Kronberger Publikum mit auf eine wahrhaft abenteuerliche Reise. Die anschließende nur 3,5-minütige Serenade für drei Violoncelli stellte einen denkwürdigen Schlusspunkt des Konzerts dar, spielten doch drei Cellisten von Weltrang Helmerson, Kloeckner und Schwabe gemeinsam diese Melodiefragmente, durchsetzt von Pizzicati, voller Tanzlust. Das kurze Stück endete mit einem lautmalerischen Ausrufezeichen – und dann Schluss. Der Applaus brandete über viele Minuten in Richtung Bühne, auf der die Künstler sich verabschiedeten – bis zum nächsten musikalischen Miteinander. Viva Europa! Boris Pergamenschikow, Freund, Mentor und Lehrer der Kronberg Academy der in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden wäre, erklärte sehr treffend, was einen guten Cellisten ausmacht, nämlich die „Inspiration zur Überwindung des eigenen Ego“. So ist die Musik nicht nur eine Reise zu sich selbst, sondern sie startet von dort zu fernen Gefilden, zu neuen Heimaten und zu den Sternen.

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