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Sanierung des Pfarrhauses oder Neubau? – Erstmal müssen Fakten her

Auf dieser Wiese vor der evangelischen Kirche in Oberhöchstadt könnte ein neues Pfarrhaus entstehen, wenn das alte (es versteckt sich hier hinter Bäumen) nebst Nebengebäude (links)verkauft würde. Die Mehrheit der Gemeinde möchte jedoch das alte Haus erhalten. Ob das möglich, vor allem aber finanzierbar ist, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Fotos: Westenberger

Oberhöchstadt (mw) – Nachdem Pfarrer Steetskamp sich in den Ruhestand verabschiedet hat, steht das 50 Jahre alte Pfarrhaus in Oberhöchstadt, zu dem auch ein kleines Nebengebäude mit Büroräumen gehört, leer. Ein Jahr lang hat sich der Bauausschuss der evangelischen Kirchengemeinde Oberhöchstadt mit dem dazugehörigen Pfarrhaus eingehend beschäftigt, denn nach Wegzug des Pfarrers war klar, dass das Haus in seinem jetzigen Zustand nicht bleiben kann und in seinem renovierungsbedürftigen Zustand die begonnene Pfarrersuche nicht eben erleichtert. Deshalb ist der Kirchenvorstand aktiv geworden und hat nach zukunftsfähigen Lösungen gesucht. Schnell wurde klar, dass die Landeskirche kein Geld für eine Renovierung des Pfarrhauses zur Verfügung stellt, die Gemeindekasse nach dem Ausbau des Kindergartens jedoch ebenfalls keine großen Reserven aufweist. „Gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Hessen Nassau (EKHN) entstand die Idee, dass für heutige Verhältnisse mit 240 Quadratmetern Wohnfläche plus ausgebautem Kellerraum äußerst geräumige Wohnhaus zu verkaufen“, berichtet die Vorsitzende des Kirchenvorstands, Nortrud Kühnel. Die Planungen, die der Kirchenvorstand mit Unterstützung eines Architekten erarbeitet hat, gehen von Kosten in Höhe von 400.000 Euro für eine komplette Sanierung des Pfarrhauses aus. „Die Heizung muss erneuert werden und das macht natürlich auch nur Sinn, wenn das Haus eine moderne Isolierung erfährt“, sagt Kühnel. Dazu gehörten auf jeden Fall die Fenster und das Dach, das gar keine Isolierung aufweise. Ob der Keller des Hauses wirklich trocken ist, bezweifelt Kühnel ebenfalls. „Das muss genauer untersucht werden“, sagt sie, allerdings sei der Keller vor gut drei Jahren aufgrund von Schimmelbefall saniert worden. „Bis jetzt ist jedenfalls nichts Sichtbares wiedergekommen“, erklärt sie. Genauer zu klären sei auch, ob die Isolierung des Hauses von außen, die 1985 unternommen wurde, modernen Standards gerecht werde.

Idee für Pfarrhaus-Neubau

Aus der Überlegung heraus, wie die Kosten für eine Sanierung des Pfarrhauses zu stemmen sind, wuchs die Idee, das Grundstück mit dem Pfarrhaus (820 Quadratmeter) zu verkaufen und auf dem Gelände, daneben, wo kleine Anbau steht, der über das Haupthaus mit Strom und Heizung versorgt wird, einen Neubau zu platzieren. Ein Neubau würde laut der Planungen des Architekten etwa 600.000 Euro kosten und sieht neben dem Pfarrhaus ein damit verbundenes Nebengebäude mit Büro vor, informiert die Kirchenvorstands-Vorsitzende. Mit einem weiteren Versammlungsraum über dem Büro sei mit Kosten von etwa 670.000 Euro zu kalkulieren, erklärt sie. Allerdings ist noch nicht geklärt, ob das Geld aus dem Verkauf des Pfarrhauses überhaupt für den Neubau reichen würde. Doch dann könnte die Gemeinde das 1.170 Quadratmeter große Grundstück, auf dem der Anbau liegt, die Einwilligung der EKHN vorausgesetzt, ebenfalls verkaufen. Damit würde der Neubau noch weiter nach vorne zur Albert-Schweitzer-Straße hin rücken, die grüne Wiese, die vor der Kirche liegt und dem Neubau dienen könnte, würde bis auf ein kleines Stück, wegfallen. „Wir dürfen nicht vergessen, dass die Wiese, so wie sie da liegt, totes Kapital ist“, sagt Kühnel, die gemeinsam mit dem Architekten und dem Bauausschussvorsitzenden, Robert Recknagel, in einer Gemeindeversammlung die Pläne vorstellte. Das eigentliche Ziel war zu diesem Zeitpunkt, sich die Zustimmung der Gemeindmitglieder zu holen, um in der Kirchenversammlung eine Entscheidung für einen Neubau zu erwirken.

Alternativkonzept zum Verkauf

Doch wie manchmal im Leben, kam es anders als gedacht: Die 50 bis 60 anwesenden Gemeindemitglieder, auch einige Anrainer darunter, gefiel der Gedanke, Kirchengrundstücke zu veräußern überhaupt nicht und auch die Höhe der überschlagenen Sanierungskosten wurde kritisch hinterfragt. Eine deutliche Mehrheit der Anwesenden lehnte einen Verkauf des Pfarrhauses zur Finanzierung eines Neubaus ab. Der Kirchenvorstand hat dieses Votum aufgenommen. Im Bauausschuss haben sich nun Gabriele Hildmann und Jan Busse zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit Gemeindemitgliedern und allen interessierten Bürgern, ein tragfähiges Alternativkonzept zu entwickeln. „Denn der Wunsch, den jetzigen Immobilienbestand zu erhalten, kann nur Realität werden, wenn die Gemeinde Geld- und Sachspenden generiert“, das weiß auch Gabriele Hildmann. „Ohne zusätzliche Finanzmittel wird der Erhalt der Immobilien ein Wunschtraum bleiben“, sagt sie. Deshalb sei der Gemeindevorstand auf die Initiative und Unterstützung der Gemeindemitglieder und interessierter Bürger angewiesen. Viele Beispiele der jüngsten Vergangenheit würden jedoch zeigen, dass mit Engagement auch große Projekte zu stemmen sind. „Und groß ist das Projekt der Pfarrhausrenovierung in jedem Fall. Selbst unter günstigsten Bedingungen, das heißt mit viel tatkräftiger praktischer Arbeit, dürften sich die Kosten einer Renovierung auf etwa 100.000 Euro belaufen“, schätzt Gabriele Hildmann. „Wie viel Geld es wirklich sein wird, steht zurzeit noch nicht fest.“ Zunächst müssten Kostenvoranschläge für die notwendigen Arbeiten eingeholt und ein Renovierungsplan erarbeitet werden. „Parallel dazu sind Ideen zur Generierung von Sach- und Finanzmittel zu entwickeln und umzusetzen“, so Hildmann.

Aus diesem Grund lädt der Bauausschuss alle Engagierten zu einer „Kick-off-Veranstaltung“ zum Erhalt des Pfarrhauses am 9. Februar um 11.15 Uhr (im Anschluss an den Gottesdienst) ein. „In dieser Veranstaltung soll über den Sachstand berichtet, über die notwendigen Arbeiten diskutiert, ein Ablaufplan entwickelt und Aufgaben verteilt werden“, erläutert sie. Denn die Zeit ist knapp bemessen: Bis zum 15. Mai, hat der Kirchenvorstand beschlossen, soll nicht nur die Möglichkeit einer Renovierung des Pfarrhauses mit dem Ziel einer Wiederherstellung eines mittleren Wohnstandards fachlich überprüft sein, auch die Finanzierung soll bis dahin geklärt sein.

Aufruf gegen den Abriss und Forderung nach einer Gemeindeversammlung

Noch sind die grundlegenden Fakten nicht ermittelt, nichtsdestotrotz hat sich bereits eine Gruppe von Bürgern formiert, die sich mit einem Aufruf „gegen den Abriss des evangelischen Pfarrhauses und Verkauf des gemeindeeigenen Grundstückes in Kronberg-Oberhöchstadt“ wendet. Ihr Sprecher, Dr. Christian Baeder, direkter Nachbar zum Pfarrhaus kritisiert darin, „dass allenfalls äußerst missverständliche und möglicherweise irreführende Gerüchte an die Öffentlichkeit gelangen und Kirchenvorstandsmitglieder sich plötzlich schweigsam zeigen und zu keiner Auskunft bereit sind.“ Es sei zu befürchten, dass der Kirchenvorstand nicht im Sinne der Gemeinde handele und „Vorstandsmitglieder unter Druck gesetzt werden“, schreibt er in dem Aufruf, der an den Dekan und den Kirchenvorstand gesendet wurde, mit dem Hinweis, dass eine entsprechende Unterschriftenliste folgen werde. Die Gruppe fordert eine öffentliche Gemeindeversammlung, auf der sie die „gesamte Problematik einschließlich Finanzierung detailliert behandelt“ wissen will. Außerdem fordert der Aufruf die Herausgabe des Pfarrhaus-Schlüssels, um „qualifizierten Gemeindemitgliedern“ Zutritt zu gewähren, die dann mit „geeigneten Handwerksbetrieben den tatsächlichen Umfang der Renovierungskosten ermitteln“ sollen. Sogar einen festen Zeitpunkt fordert Baeder für die Schlüsselherausgabe in dem Aufruf. Zur „technischen Kontrolle“ soll er an das Gemeindemitglied Karin Vogelsang, die als Immobilienverwalterin und Sanierungskoordinatorin tätig ist, bis zum 28. Januar übergeben werden.

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