Wasserversorgungslage bleibt trotz Regen weiterhin angespannt

Der deutliche Rückgang der Niederschläge im Taunus im Winter 2018/19 und im Frühjahr 2019 im Vergleich zu den Vorjahren hat unmittelbare Auswirkungen auf die Eigenwassergewinnung von Trinkwasser aus den Kronberger Stollen, Quellen und Schürfungen. Das Foto zeigt den Bürgelstollen
Foto: S. Puck

Kronberg (pu) – Seit Ende Juni appelliert die Stadt Kronberg im Taunus wiederholt und in aller Eindringlichkeit an die Bevölkerung, mit dem Lebensmittel Wasser sorgsam umzugehen und den Trinkwasserverbrauch zu reduzieren. Diese Aufrufe erfolgen über die Presse (Tageszeitungen und Wochenblatt Kronberger Bote), auf der städtischen Homepage und über die Social Media App „Citynfo“.

Sowohl dies als auch in die Redaktion geflatterte Leserreaktionen mit völlig unterschiedlichen Anschauungsweisen vor Augen waren der Anlass, bei der Stadtverwaltung nach dem aktuellen Stand der Dinge zu fragen.

Unterschiedliche Reaktionen

„Die meisten Bürgerinnen und Bürger handeln durchaus bewusst und sparen Wasser. Oft erreichen die Stadtwerke auch Fragen, was noch zulässig ist. Das Befüllen von Gartenteichen oder Pools mit Trinkwasser gehört sicher nicht mehr zum Erlaubten, wenn Wassersparen angesagt ist“, so die Auskunft des Stadtwerke-Betriebsleiters Thomas Schäfer, der auch zu berichten weiß, dass nicht alle Bürgerinnen und Bürger Verständnis für die Sparmaßnahmen haben. „Leider bekommen wir auch oft den Unmut von Bürgerinnen und Bürgern zu spüren, bei denen der Aufruf auf Unverständnis stößt, mit dem Hinweis, man bezahle ja schließlich für das Wasser.“

Diese Wahrnehmung wird durch Leserreaktionen gestützt. Während die Redaktion zum einen entrüstete Äußerungen erreichen wie „Welch ein erbärmliches Armutszeugnis für die Kronberger Gartenbesitzer, dass die dringlichen Appelle der Stadtverwaltung zum Sparen von Trinkwasser auf keinerlei Gehör treffen“, sehen andere vor allem die Stadt in der Pflicht. „Wir wissen alle, dass Wasser in Deutschland kein knappes Gut ist und ich würde mich sehr darüber freuen, über die seit letztem Jahr ergriffenen Maßnahmen der Stadt Kronberg und der Stadtwerke zur Beseitigung der Wasserknappheit in Kronberg informiert zu werden“, forderte ein anderer Leser.

Fakt ist, die Stadt Kronberg im Taunus muss sich, wie viele andere Kommunen auch, verstärkt auf veränderte Witterungsbedingungen mit lang anhaltenden Trockenheitsperioden und hohen Temperaturen einstellen. Dies bedeutet erhöhte Herausforderungen insbesondere bei der Trinkwasserversorgung.

Spitzenverbräuche

Wie die Stadtverwaltung in Erinnerung ruft, haben die extremen Witterungsverhältnisse bereits im Sommer 2018 zu besonders hohen Verbräuchen beim Trinkwasser in der Burgstadt geführt mit der Konsequenz, dass, als die Trinkwasserverbräuche kritische Bereiche erreichten, Lautsprecher-Durchsagen durch die Feuerwehren im Stadtgebiet durchgeführt werden mussten, um die Bevölkerung aufzurütteln. Nach vorliegenden Informationen verzeichneten die Stadtwerke Kronberg bedingt durch lang anhaltende Trockenheit im laufenden Jahr ebenfalls immer häufiger und mittlerweile auch über längere Zeiträume Spitzenverbräuche.

Damit steht Kronberg im Taunus keinesfalls alleine da. So gibt es im Hochtaunuskreis kaum eine Kommune, die ihre Bürgerinnen und Bürger in der jüngeren Vergangenheit nicht zum Wassersparen aufgefordert und die Anschlussnehmer unter anderem gebeten hat, die Rasen- und Gartenflächen nicht mehr zu bewässern.

Thomas Krieger, als Rohrnetzmeister bei den Stadtwerken Kronberg verantwortlich für die Wasserversorgung, rückt in den Fokus, dass die Niederschläge im Taunus insgesamt im Winter 2018/19 und im Frühjahr 2019 im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurückgegangen sind. Dies habe unmittelbare Auswirkungen auf die Eigenwassergewinnung von Trinkwasser aus den Kronberger Stollen, Quellen und Schürfungen.

Nach seinen Worten versorgen die Stadtwerke Kronberg die Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen Kronbergs im Jahresschnitt zu über 60 Prozent mit Trinkwasser aus eigenen Gewinnungsanlagen. Gegenwärtig liege diese Quote jedoch deutlich niedriger, was an den zurzeit hohen Verbräuchen und der aktuell niedrigen Eigengewinnung liege.

Für die hohen Verbräuche sei primär die Bewässerung von Grünflächen verantwortlich. Die extreme Verbrauchssteigerung belegen die Stadtwerke mit Zahlen. Krieger: „Am 13. Juli, dem Tag der bis Anfang dieser Woche letzten nennenswerten Niederschläge in Kronberg im Taunus, betrug der Tagesverbrauch gerade einmal 3.070 Kubikmeter Trinkwasser. Die trockenen Tage danach mit zunehmend hohen Temperaturen bis zu 39 Grad Celsius steigerten den Verbrauch deutlich auf 4.981 Kubikmeter am 24. Juli.“

Betrachte man die Zahlen noch genauer, sei festzustellen, dass die Spitzenverbräuche unmittelbar mit der privaten Gartenbewässerung in Verbindung stehen. „In den Kronberger Versorgungszonen, in denen sich überwiegend große Grundstücke mit entsprechend großem Anteil an Garten- und Parkanteil befinden, ist der Verbrauch besonders stark angestiegen. So betrug der Verbrauch in diesen Bereichen und im Vergleich zum 13. Juli am 24. Juli das 4,5fache“, untermauert Krieger.

Pro Kopf über Bundesdurchschnitt

Diese hohen Verbrauchswerte, rückt er mit allem Nachdruck vor Augen, lassen die Pegelstände in den Hochbehältern deutlich sinken, da die Nachlieferung immer schwieriger werde. „Der jahreszeitlich bedingte Mehrbedarf an Trinkwasser wurde mit einer Erhöhung des Fremdwasserbezugs seitens der Stadtwerke bereits berücksichtigt“, ergänzt Stadtwerke-Betriebsleiter Schäfer.

Durch die vergleichsweise großen Grundstücksflächen und die damit verbundene Gartenbewässerung ist nach vorliegenden Informationen auch der Pro-Kopf-Verbrauch an Trinkwasser in Kronberg im Taunus vergleichsweise hoch. Im Jahr 2018 verbrauchte – statistisch gesehen – jeder Kronberger rund 186 Liter Trinkwasser. Der Bundesdurchschnitt (Quelle: statista.com) lag 2018 bei 127 Litern.

Kontrolle und Vorgaben

Sobald die Stadtwerke Kronberg erhöhte Verbräuche feststellen, wird überprüft, wo diese gestiegenen Wasserentnahmen erfolgen. Schäfer: „Wir kontaktieren dann zunächst die Großabnehmer, machen sie auf die Situation aufmerksam und bitten darum, den Verbrauch nach Möglichkeit sofort zu reduzieren. Das funktioniert in der Regel sehr gut und die Unternehmen zeigen Verständnis.“

Die Verbrauchseinschränkungen treffen auch die Sportvereine. Auch hier heiße es Wassersparen. So sei den Tennisclubs das Bewässern der Aschenplätze nur noch während des Trainings- und Spielbetriebs gestattet ausschließlich zur Verletzungsprävention. Zudem muss darauf geachtet werden, dass die Plätze nur mit dem Nötigsten bewässert werden.

Ähnliches gelte für den Golf- und Landclub Kronberg. Obwohl die Hessische Hausstiftung über einen eigenen Brunnen verfügt, der auch den Golf- und Landclub mit Wasser versorgt, reiche die Wassereigenversorgung nicht aus, die Anlage komplett zu versorgen, sodass auch der Golf- und Landclub zusätzlich städtisches Wasser beziehe. Dazu Thomas Krieger: „Wir gestatten dem Verein in Extremsituationen lediglich die Entnahme eines auf ein Minimum beschränktes Maß an Wasser aus unserem Netz und geben dann eine Tagesration vor. So kann der Verein zumindest die wertvollen Greens und Abschläge bewässern. Die übrigen Rasenflächen trocknen aus und können sich mit dem nächsten Wetterumschwung regenerieren.“

Resistenz

Im Übrigen erläutert Krieger: „Viele Pflanzen besitzen eine gute Resistenz gegenüber Trockenheit und jeder Gartenfachmann weiß, dass das tägliche Wässern sowohl von Rasengräsern als auch Bäumen und Sträuchern eigentlich kontraproduktiv ist. Mit diesem Gießverhalten werden die Bedingungen für pflanzenschädigende Pilze und Schadorganismen gefördert. Zwei bis drei Wassergaben in der Woche sind auch bei den hohen Temperaturen ausreichend und unterstützen die Wurzelentwicklung der Pflanzen und deren Resistenz gegen Trockenheit und Schädlinge. Lediglich Kübelpflanzen, Neuanpflanzungen und Neueinsaaten bilden hier eine Ausnahme.“

Die Stadt selbst spart ebenfalls Wasser, wie Schäfer betont: „Die Sportrasenflächen werden schon seit Wochen nicht mehr bewässert. Die städtischen Gärtner gießen seit dem Sommer 2018 Bäume und Neupflanzungen ohnehin ausschließlich mit Brauchwasser aus der Kläranlage. Lediglich die Kehrmaschinen verbrauchen noch Trinkwasser, da die feinen Düsen, die für die Befeuchtung des Straßenkehrichts notwendig sind, durch Schwebteilchen aus dem Brauchwasser verstopfen würden.“

Welche Möglichkeiten an Restriktionen hat die Stadt, wenn sich – trotz aller Appelle zum Wassersparen – die Verbrauchszahlen in kritischen Situationen nicht signifikant verringern?

Wie bereits mehrfach berichtet, hat die Stadtverordnetenversammlung am 13. September 2018 eine „Gefahrenabwehrverordnung zur Einschränkung des Wasserverbrauchs bei Notständen in der Wasserversorgung“ beschlossen, die es dem Magistrat ermöglicht, im Fall der Fälle den Wassernotstand auszurufen. Der städtische Sprecher Andreas Bloching: „Wenn alle Verbraucherinnen und Verbraucher besonnen handeln, sollte ein Notstand zu vermeiden sein. Tritt dieser dennoch ein, greifen die entsprechenden Regelungen gemäß Verordnung.“ Ordnungswidrigkeiten können dann mit einer Geldbuße von bis zu 5.000 Euro geahndet werden.

Wie die Stadt betont, ist auch nach einem oder zwei Regentagen weiter sparsam mit dem Trinkwasser zu haushalten. Demzufolge haben die am Montag eingesetzten Regenfälle die prekäre Lage keineswegs entspannt. Bloching: „Es bedarf schon einer längeren und intensiven Niederschlagsperiode, um unsere Grundwasserspeicher aufzufüllen. Bis das Oberflächenwasser in die tiefen Erdschichten abgesickert ist und gewonnen werden kann, dauert es mehrere Wochen.“

„Wasserampel“ geplant

Um die Verbräuche mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern gemeinsam und besser zu steuern, plant die Stadt zudem die Einführung einer so genannten „Wasserampel“ auf der städtischen Internetseite. Den einzelnen Ampelphasen werden jeweils entsprechende Handlungsweisungen hinterlegt. Sie sollen täglich dem aktuellen Verbrauch und Vorrat angepasst werden, sodass im Idealfall das Lastmanagement optimiert werden kann. Steht die Ampel dann auf „Grün“, ist der Trinkwasserverbrauch uneingeschränkt möglich. „Gelb“ bedeutet, dass Wassersparen angesagt ist und „Rot“ signalisiert klar, dass der Verbraucher die Gartenbewässerung und Ähnliches einzustellen hat.

„Wir möchten diesen Service gerne bis zum Tag der offenen Tür der Stadtwerke am 14. September eingerichtet haben“, betont Thomas Schäfer und lädt alle Bürgerinnen und Bürger schon jetzt zum Besuch der Stadtwerke ein. „Trinkwasserversorgung in Kronberg“, lautet das Thema der Veranstaltung. Ein Thema, das aktueller kaum sein könnte.

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