Tausende schnuppern in Berufe hinein

Mit Geduld und Freude an der Sache zeigt Azubi Tcharles Sost Weber vielen Interessenten, wie mit unterschiedlichen Zangen aus von ihm vorbereiteten Rohlingen hübsche Rosen aus Metall gefertigt werden können. Das Angebot nehmen gern auch junge Damen an. Foto: Pfeifer

Von Petra Pfeifer

Oberursel. Wo liegen meine Fähigkeiten? Welche Voraussetzungen muss ich für meinen Wunschberuf mitbringen? – All das sind Fragen, die sich viele Schüler stellen, wenn Sie an ihre berufliche Zukunft denken. Pauschale Antworten gibt es darauf naturgemäß nicht. Jedoch hat die Ausbildungstour, die die Stadt in Zusammenarbeit mit vielen Partnern zum siebten Mal realisierte, Schülern eine hervorragende Möglichkeit zur Orientierung geboten.

Von der Accadis Hochschule Bad Homburg über die Elektro-Innung Hochtaunus oder die Möbelland Hochtaunus GmbH bis zur ZES ZIMMER Elecontric Systems GmbH waren es knapp 70 Unternehmen und Organisationen, an die die 14- bis 18-Jährigen ihre Fragen richten konnten. Und da sich darunter auch viele ortsansässige Firmen befanden, die statt eines Standes an der Hochtaunusschule gleich ihre Unternehmenstüren öffneten, war auch mancher Blick hinter die Kulissen möglich.

Etwa beim Parkhotel, das in diesem Jahr erstmals mit von der Partie war. „Wir haben einen Showroom aufgebaut, um deutlich zu machen, welche unterschiedlichen Dienstleistungsbereiche in einem Hotel auszufüllen sind“, erklärte Restaurantchef Alexander Jaeger. Das einzelne Bett, das die Übernachtung symbolisierte, rückte schon allein optisch ein wenig an den Rand des Geschehens. In den Mittelpunkt gestellt waren vielmehr die eingedeckten Tafeln für ein festliches Essen oder der große Tisch, vor dem Beamer, Stell- und Leinwand installiert waren und der eindeutig für eine Tagung hergerichtet worden war, da der Seminar- und Tagungsbereich im Hotelbetrieb eine feste Größe ist. Auch ein Bar- und Küchenbereich wurden in dem großen Raum nachgestellt.

Interaktiv im Hotel

„Das alles sind interaktive Stationen, die ausprobiert werden können“, so Jaeger. Ausgebildet werden im Parkhotel Hotel- und Restaurantfachkräfte sowie Köchinnen und Köche. Während diese Lehrberufe eine dreijährige Ausbildungszeit haben, so dauert die Ausbildung als Fachkraft im Gastgewerbe, die hier ebenfalls möglich ist, lediglich zwei Jahre. Für alle gilt: „Jeder ist gern gesehen, doch ein Schulabschluss sollte da sein“, versichert Jaeger, der gleichzeitig warnt: „Das sind alles Berufe, die man leben muss.“ Für 2019 sind auf jeden Fall noch Plätze frei, und somit freut sich das Team, dass rund 50 Interessenten den Tag genutzt haben, einmal in das Hotel herein zu schnuppern.

Reger Betrieb herrschte den ganzen Tag über in der Hochtaunusschule, in der über 45 Unternehmen und Organisatoren ihre Stände aufgebaut hatten. Und es gibt jede Menge Informationen rund um die unterschiedlichsten Ausbildungsmöglichkeiten. Fachabitur oder einen guten Realschulabschluss muss mitbringen, wer bei der Deutschen Rentenversicherung seine Zukunft sieht. Die Tätigkeiten sind vielseitig, denn hier geht es nicht allein um die Rente. Die DRV kümmert sich auch etwa um den Versorgungsausgleich bei Scheidungen oder um Reha-Fälle. Neben der Ausbildung zu Sozialversicherungsfachangestellten ist obendrein ein Duales Studium mit dem Abschluss „Bachelor of Laws“ möglich.

Mit stolzen 162 verschiedenen Tätigkeitsfeldern kann die Bundeswehr aufwarten – militärisch und zivil. Sie reichen von der Berufsausbildung mit Meisterausbildung bis zum Studium der Medizin mit Facharztabschluss. Das hängt jedoch von den Zeitverträgen ab. Voraussetzung ist, bundesweit versetzbar zu sein, die deutsche Staatsbürgerschaft und keine Vorstrafen zu haben.

„Kläranlage am Leben halten“

Ein paar Stände weiter gab Lars Kunze von der Bau & Service Oberursel (BSO) Auskunft. Er leitet die Kläranlage, bei der zur Fachkraft Abwassertechnik ausgebildet wird: „Die Bestandteile dieses Berufs sind Elektrotechnik, Metallbearbeitung und Laborarbeiten.“ Da die Betätigung in einer Kläranlage oft mit Vorurteilen belegt ist, setzte Lars Kunze hinzu: „Mit dem Abwasser an sich kommt man im Grunde gar nicht in Berührung, es geht vielmehr darum, die Anlage am Leben zu erhalten.“

Viel Aufmerksamkeit erhielt der Stand der Metallmanufaktur von Dirk Velte. Hier konnte direkt in die Materie eintauchen, wer künftig den Weg als Metallbauer mit der Fachrichtung Gestaltung (früher: Schmied) oder in der Konstruktionstechnik (früher: Schlosser) einschlagen möchte, denn Azubi Tcharles Sost Weber zeigte experimentierfreudigen Schülern, wie sie mittels Zangen aus den von ihm vorbereiteten Rohlingen metallene Rosen gestalten können. Für seinen Beruf empfiehlt Dirk Velte stets, zunächst ein Praktikum zu machen und offen zu sein bei der Wahl der Ausbildungsstätte oder dem künftigen Arbeitgeber: „Man muss sich mit den Kollegen verstehen, denn mit denen verbringt man später mehr Zeit als mit den Freunden in der Freizeit.“

Interesse an Pflegeberufen

Vertreten war auch das Netzwerk Pflege Oberursel, zu dem unter anderem das Agnes-Geering-Heim, die Aumühlenresidenz und die Caritas Pflege und Betreuung Hochtaunus gehören: „Wir haben einen Schulterschluss, weil wir keine Konkurrenz zueinander haben“, sagte Susanne Lindemann von Kursana. Sie freute sich, dass die Jugend im Verlauf des Tages der Ausbildung zur Pflegekraft viel Interesse entgegen brachte. Schließlich würden Pflegekräfte dringend benötigt.

Eine gute Aussicht, übernommen zu werden, haben auch die Auszubildenden bei der Firma Weppler Filter. Vor allem Spaß und Lust sollten sie mitbringen, sagt Bernd Sydow, Ausbilder im Bereich Werkzeug. Voraussetzungen, die im Grunde überall gefragt sind, denn auf eines weisen alle Verantwortlichen stets mit Nachdruck hin: „Der künftige Beruf muss passen, er muss Spaß machen – dann stimmt auch die Lern- und Einsatzbereitschaft.“

Ulrike Böhme, Leiterin der Oberurseler Wirtschaftsförderung, die federführend die Organisation der Ausbildungstour betreute, freute sich über den großen Zuspruch im Verlauf des Tages: „Sogar von der Königsteiner St.-Angela-Schule wurden Schüler herübergefahren.“ Sie schätzt, dass über 1500 Schüler diese Möglichkeit der Information genutzt haben. Von rund 2000 Teilnehmern geht sogar RTL II-Moderator Christoph Hoffmann aus, der auch in diesem Jahr die Tour als Pate begleitet hat. Er selbst habe in seinem Berufsleben viel Glück gehabt, erklärt der gebürtige Kölner sein Engagement: „Es ist wichtig, den Schülern den Blick zu öffnen, so einen Tag zu nutzen und sie dazu zu ermuntern, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.“

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