Taunusdienste machen Frauen wieder fit für den Arbeitsmarkt

Hochtaunus (fch). Viele Frauen kommen in größter Not und übereilt, oft mit ihren Kindern, ins AWO-Frauenhaus Lotte Lemke. Hier finden sie vorübergehend eine sichere Unterkunft und Hilfe für den Start in ein selbstbestimmtes Leben. „Das Frauenhaus Lotte Lemke bietet Frauen aller Nationalitäten und deren Kindern Zuflucht, wenn sie Opfer häuslicher Gewalt werden“, informierte Dagmar Wacker vom AWO-Frauenhaus auf einer Pressekonferenz im Landratsamt.

Die Verweildauer der Frauen im Frauenhaus sei unterschiedlich, könne, bedingt durch die Wohnungsnot, bis zu eineinhalb Jahre dauern. Während ihres Aufenthalts erfahren die Frauen und ihre Kinder intensive sozialpädagogische und psychologische Begleitung, damit sie ihre zum Teil schweren Traumata verarbeiten können. Sie erhalten aber auch Hilfe und Hilfsangebote in allen Lebenslagen. „Ziel ist es, die Frauen und ihre Kinder sowohl psychisch als auch sozial zu stabilisieren“, betonte Kreisbeigeordnete Katrin Hechler.

Perspektiven entwickeln

Die Frauen sollen nach ihrem geschützten Aufenthalt im Frauenhaus wieder in der Lage sein, eigenständig und selbstbestimmt zu leben, sich dauerhaft aus ihren Gewaltsituationen befreien und nicht in diese zurückkehren müssen. Damit dies gelingt, bieten die Taunusdienste in Kooperation mit dem AWO-Frauenhaus einen Qualifizierungskurs an. „Viele Frauen, die ins Frauenhaus kommen, haben häufig keine gute berufliche Qualifizierung – und Kinder“, bilanzierte Harald Merzendorfer, Geschäftsführer der Taunusdienste.

Genau an diesem Punkt setzt das Kooperationsprojekt an. Einmal in der Woche findet ein Workshop mit parallel stattfindender Kinderbetreuung statt. Sind die Frauen bereit, außerhalb des Frauenhauses zu leben, wird diese Eigenständigkeit vorbereitet und begleitet. Ziel des Projekts ist es, den Frauen zu helfen, berufliche Perspektiven zu entwickeln, und ihnen zu zeigen, wo sie Unterstützung für ihre Pläne finden. Zusammen mit den Frauen werden Beschäftigungsmöglichkeiten gesucht und eine realistische, existenzsichernde, beruflichen Perspektive unter Berücksichtigung der individuellen Lebenslagen der Frauen erarbeitet, informierten Harald Merzendorfer und Annette Heinemann, Projektverantwortliche für die Frauenhausprojekte. Abgeklärt werden Vermittlungshemmnisse wie fehlende Schulabschlüsse und Ausbildungen.

Das Projekt fördert unter anderem die soziale Kontaktaufnahme der Frauen über die Lebenswelt des Frauenhauses hinaus, will sie für den Alltag stabilisieren. Thema ist auch das Selbstwertgefühl der Frauen, das mit einer Aufarbeitung der Biografie einhergeht. Angesprochen wird eine gesunde Lebensführung und die Förderung eines beruflichen und sozialen Netzwerks. „Die Frauen werden mit Praktika und Probetätigkeiten an den Arbeitsmarkt herangeführt“ wie Beate Birkenfeld aus der Geschäftsbereichsleitung des Kommunalen Jobcenters Hochtaunus informierte. In Einzelgesprächen werden individuelle Kompetenzen und Ressourcen, aber auch Probleme bearbeitet. Daneben gibt es Workshops zu persönlichkeitsfördernden und arbeitsmarktrelevanten Themen wie Konfliktstrategien, EDV, Bewerbungen und Vorstellungsgespräche oder Umgang mit Medien.

Das Programm ist im Herbst 2018 in Bad Homburg gestartet. Es läuft sechs Monate und kann bei Bedarf verlängert werden. Derzeit nehmen sechs Frauen teil. In diesem Frühjahr startet ein ähnliches Projekt der Taunusdienste mit dem Frauenhaus Oberursel. Die Taunusdienste arbeiten als zertifizierter Bildungsträger im Auftrag des Kommunalen Jobcenters, das diese Wiedereingliederungsmaßnahmen finanziert. Die Teilnehmerinnen bekommen alle SGB II-Leistungen.

Setzen sich mit vereinten Kräften für Frauen ein: Stephanie Marx (Kommunales Jobcenter), Kreisbeigeordnete Katrin Hechler, Harald Merzendorfer (Taunusdienste), Annette Heinemann (Frauenhausprojekte), Beate Birkenfeld (Kommunales Jobcenter), Anja Wilcke (Leitung Arbeitsförderung), Dagmar Wacker (AWO Frauenhaus Lotte Lemke, Bad Homburg) und Waldemar Schütze (Ombudsmann). Foto: fch

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