Kur- und Verkehrsverein zeichnet Fassaden aus

Das Gebäude an der Ecke Louisenstraße/Schwedenpfad ist dem KVV eine Auszeichnung wert.

Bad Homburg (eh). Zur 158. Jahreshauptversammlung des Kur- und Verkehrsvereins (KVV) im Kurhaus begrüßte der Vorsitzende Wolfgang Herder unter anderem die Gewinner des Fassadenwettbewerbs sowie die Direktorin der Hessischen Schlösser und Gärten, Kirsten Worms, die über „Perspektiven der Schlösserverwaltung“ sprach. Dieses Mal standen für den KVV drei, das Stadtbild prägende Objekte im Rampenlicht:

Zunächst das Finanzamt in der Kaiser-Friedrich-Promenade 8-10. Nach Jahren der Ausgliederung nach Ober-Eschbach ist die Behörde wieder in des Gebäude in der Kaiser-Friedrich-Promenade eingezogen. Das Haus wurde in den Jahren 1854 bis 1858 unter dem letzten Landgrafen Ferdinand von Hessen-Homburg ursprünglich als Jägerkaserne erbaut. Nicht uninteressant, dass die Holex-Schokoladenfabrik Anfang der 1920er-Jahre aus Kirdorf in das Gebäude einzog. Ab 1934 wurde es vom Reichsarbeitsdienst und dem Arbeitsamt genutzt und schließlich am 8. März 1945 bei Luftangriffen durch die Amerikaner weitgehend zerstört. Nach dem Krieg wurde die ehemalige Kaserne wieder aufgebaut. Seit 1951 residiert hier das Finanzamt Bad Homburg. Die damals rund 40 Finanzbeamten waren zuvor im ehemaligen Hotel Adler in der Louisenstraße untergebracht. Ab 2016 wurde das Gebäude denkmalgerecht und energetisch saniert. „Wir gratulieren dem Bauherrn, dem Land Hessen und Claudia Riechert mit ihren Leuten als Nutzerin“, sagte Herder.

An zweiter Stelle folgte das Gebäude in der Louisenstraße 52, Ecke Schwedenpfad, bekannt durch die Deutsche Bank als größter Mieter. Die Eigentümer vertrat Dietmar Lang.

Das in der Tradition des alten Gasthauses „Zum Adler“ stehende Gebäude wurde im Zusammenhang mit dem Kurhaus zwischen 1841 und 1842 erbaut. Es korrespondiert mit der zeitgleich errichteten Kaiserlichen Post, die vom KVV im vergangenen Jahr ausgezeichnet wurde. Bei der jetzt erfolgten Renovierung der Fassade und bei Umbauten wurde das abgehängte Treppenhaus geöffnet. Dabei wurden Stuck- und Malerarbeiten aus der Erbauungsphase freigelegt.

Ein deutlich kleineres Gebäude am Eingang zur Altstadt ist das Haus Rathausstraße 8. Die Auszeichnung nahm der Vorstand der Hochtaunusbau Bernd Arnold entgegen. „Wir erinnern uns an den damaligen Hutsalon Rosemann“, so Wolfgang Herder. „Das Fachwerkgerüst des im 18. und 19. Jahrhundert mehrfach an- und umgebauten barocken Putzbaus wurde später freigelegt. Das Gebäude erhielt so seine heutige Gestalt. Es ist eine Zierde für unsere Stadt.“

Auch der „Stein des Anstoßes“ wurde in Verbindung mit der Urkunde „Keine Zierde für unsere Stadt“ vergeben. Diese „Auszeichnung“ soll den Eignern Mut machen, sich um ihre notleidenden Gebäude zu kümmern“, sagte Herder. „Bad Homburg, das ist die Stadt in der wir leben, in der wir uns wohl fühlen wollen.“ Den „Stein des Anstoßes“ erhielt das Gebäude Neue Mauerstraße 16 zum Ausgang Ecke Dietigheimer Straße. „Da sieht man rechts ein seit Jahren leerstehendes Gebäude, das von den Besitzern offensichtlich dem Verfall preisgegeben wurde“, klagte Herder.

Für die Repräsentanten der drei Gebäude gab es Urkunden und Blumen. Der Eigentümer des Gebäudes Neue Mauerstraße 16 war nicht anwesend. „Er bekommt den ‚Stein des Anstoßes‘ überbracht“, versprach Herder.

Geehrt wurden für 40 Jahre Mitgliedschaft im KVV das Ehrenmitglied Herbert Wittstadt, das sich in besonderer Weise um das Bad Homburger Windhundfestival verdient gemacht hat, und Franz-Peter Schmidt, Sohn des verstorbenen langjährigen Stadtrats Erich Schmidt.

Präsentation des historischen Erbes

Kirsten Worms referierte über die Liegenschaften von Burg Hirschhorn im Süden bis zum Schloss Spangenberg im Norden Hessens, die unter ihrer Regie betreut werden. Dabei geht es ihr um weit mehr als die bauliche und denkmalpflegerische Bewahrung der historischen Bausubstanz, sondern ganz wesentlich auch um die zeitgemäße Präsentation der Schlösser und ehemaligen Klöster. Das sind 45 historische Ensembles und Einzeldenkmäler mit ihren Museen und Parks. „Hier sind die Herausforderungen groß und moderne Formate zur Vermittlung der Geschichte unseres reichen historischen Erbes gefragt: Analog durch Führungen, Veranstaltungen und Mitmachaktionen, digital mit neuen und vielfältigen Möglichkeiten der interaktiven Wissensvermittlung, die die Darstellung wesentlich prägen können“, so Kirsten Worms. „Schlösser und Gärten sind Lern- und Erholungsorte für Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Hintergründen, die mit Geschichten und Geschichte begeistert werden wollen.“

Karin Löw (links) und Wolfgang Herder (rechts) überreichen die Fassadenpreis-Urkunden an Dietmar Lang, Claudia Riechert und Bernd Arnold (2. bis 4. v. l.). Foto: Ehmler

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