Bad Homburg (js). Endstation Gonzenheim. Diese Bezeichnung, die seit Jahrzehnten für so viel Begrenzung im öffentlichen Nahverkehr der Kurstadt steht, möge doch bitte keiner mehr verwenden, wenn es um die U-Bahnlinie 2 zwischen Frankfurt und eben der Kurstadt mit ihren hohen Ansprüchen geht. Die Fahrgäste in der U2 werden sie nicht mehr hören, Endstation in den kommenden Wochen bis mindestens Anfang März wird die U-Bahn-Haltestelle Nieder-Eschbach sein.
Auf der Streichliste der Mängel steht der bisherige offizielle „Endhaltepunkt“ Gonzenheim schon seit zwei Jahrzehnten, gleichwohl haben es die Politik und ihre Geschäftspartner nie geschafft, den kurzen Traum zu verwirklichen. Knapp 1,6 Kilometer Schiene fehlen nur, um den Makel für immer zu tilgen, erst jetzt hat man den Ansatzpunkt für die Zielgerade gefunden. Endstation Gonzenheim, der despektierlich klingende Begriff war in der Nacht von Sonntag auf Montag nur noch ein scherzhafter Ausdruck. Ist ja jetzt alles nahezu vorbei.
Fast jedenfalls, binnen vier, fünf Jahren etwa, sagen die Optimisten, soll aus dem Endhaltepunkt Gonzenheim die letzte hochmoderne Haltestelle vor Bad Homburg Zentral in einem 355 Meter langen Tunnel werden. Die Verfechter der schönen neuen 1,6 Kilometer längeren ÖPNV-Welt mit knapp zwei Minuten mehr U-Bahn haben die Stunde Null in dieser Sache aus eigenem Antrieb und praktischen Erwägungen ein paar Stunden vorverlegt. Denn alle wichtigen Partner, neben der Stadt Bad Homburg die Stadtbahngesellschaft Bad Homburg und ihre beiden Geschäftsführer Horst Amann und Meinhard Matern sowie die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) mit ihrem Technischen Geschäftsführer Steffen Geers wollten und sollten bei der letzten Ausfahrt aus Gonzenheim mit der Presse für die Dokumentation dabei sein. Abfahrt in Nieder-Eschbach zur folgenden Abfahrt in Gonzenheim also rechtzeitig vor dem „Tatort“ am Sonntag um 19.01 Uhr im normalen Betrieb, so genau muss man das ja nicht nehmen.
Etwas Besonderes war es allemal, so sah das auch U-Bahn-Lenkerin Simone Heilig-Wittenberg, die den Tross und die „normalen“ Fahrgäste chauffierte. Seit 37 Jahren ist sie auf der Strecke unterwegs, in Homburg ist sie zur Schule gegangen, da kann man schon von heimatlichen Gefühlen sprechen. Oberbürgermeister Alexander Hetjes offenbarte an diesem reichlich kalten Sonntagabend gar sein „wunderbares Gefühl“, sein nahezu „glückliches Gefühl“ nach der langen Vorbereitungszeit für den wichtigen Lückenschluss auf den Schienen. „Dass jetzt endlich was losgeht, was so lange geplant ist.“ Das finden die Männer, die einen Teil des Weges mitgegangen sind, alle toll. Der OB und Bürgermeister Oliver Jedynak lassen es sich nicht nehmen, am Endhaltepunkt beim Zwischenhalt noch einmal in die Steuerungszentrale mit Fahrersitz von Simone Heilig-Wittenberg ganz vorne zu schlüpfen und ein bisschen mit den Tonsignalen zu spielen. Das Steuer übernehmen, wie schon einmal vor ein paar Jahren, darf der OB nicht.
Knapp sechs Minuten dauert die Fahrt zwischen Nieder-Eschbach und Gonzenheim mit Zwischenhalt in Ober-Eschbach mit der Bahn. „Nur einen Ticken länger“ soll die Fahrt mit dem Schienenersatzverkehr (SEV) dauern, sagt Horst Amann optimistisch. Was nach ersten Testfahrten allerdings nicht hinhaut. Der Takt der Fahrzeiten verändert sich je nach Tageszeit, der Weg von der Bahn zum Bus in Nieder-Eschbach ist weit, das Umsteigen in Gonzenheim nicht einfach, in die Innenstadt dauert es eine Weile. Es wird bereits gemurrt. Die Homburger CDU hat prompt reagiert und baut am Mittwoch, 21. Januar, von 7 bis 8.30 Uhr einen „Dialogstand“ an der U-Bahn-Station Gonzenheim, die jetzt keine mehr ist, auf. Um mit Pendlern über „Herausforderungen“ während der verschiedenen Bauphasen zu sprechen. Bis Anfang März schon soll die U-Bahn-Station Ober-Eschbach durch neue Weichen so verändert werden, dass sie als Wendebahnhof taugt, dann wird die Busfahrt kürzer.
Über Baufortschritte kann man sich über die Homepage www.bad-homburg-u2.de informieren.
Steffen Geers (Mitte), Technischer Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Frankfurt schaut Bürgermeister Oliver Jedynak und Oberbürgermeister Alexander Hetjes (r.) über die Schulter, die im „Cockpit“ der U2 Platz genommen haben.Foto: js
198.2214 mm
Eine Infotafel informiert die Fahrgäste am Gleis über die Streckensperrung und was es dabei zu beachten gibt.Foto: js
Am Bahnsteig drängen sich die Gäste, die mit der U2 auf letzte Fahrt gehen wollen.Foto: js


