Neuenhain (es) – Aus dem Foyer war mehrmals lautes Klatschen und die La-Ola-Welle zu hören. Drinnen stieg die Spannung. Das zweite Tageskonzert der Jugendchöre JUKA und JUVOKAL hat nochmals zahlreiche Besucher angelockt, nachdem die 16 Uhr-Vorstellung bereits ausverkauft war. Die Klänge aus dem Foyer zeugten von der vollen Energie und Begeisterung, die die Jugendlichen nochmals aufbringen wollten.
Und das war sofort spürbar, als sich die Bühne unter rhythmischem Klatschen füllte und das erste Lied, „Lila Wolken“ von Materia, erklang, von Beatbox begleitet.
„Timeless“ hat der Chorleiter Tobias Landsiedel dieses Konzert genannt. Zeitlos möchte man durch lila Wolken durch den Tag schweben. Mit diesen Gedanken stimmten zwei jugendliche Moderatoren die Zuhörer und Zuhörerinnen auf das Konzert ein: „Manchmal sind es gar nicht diese spektakulären Rosa-Wolken-Momente, die uns im Gedächtnis bleiben, sondern die ganz normalen. Die unscheinbaren, die zu etwas ganz Besonderem werden. So wie für uns alle der Dienstagabend, wenn wir uns treffen zur Probe. Wir sind längst ein eingespieltes Team, die Probe gehört zu unserem Alltag – und doch ist es immer wieder besonders, in dieser Gemeinschaft mit dieser Musik miteinander unterwegs zu sein“. Und das brachten sie gleich im nächsten Song, „Ordinary“ von Alex Warren, zum Ausdruck: das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen bei sich selbst entdecken.
Jedoch was die beiden Chöre in diesem Konzert präsentierten, war weit entfernt vom Gewöhnlichen. Neben zahlreichen Soloauftritten wechselten sich die beiden Chöre ab oder erklangen gemeinsam. Kein unsauberer Ton war zu hören. Ob Höhen oder Tiefen in der Chormusik, sie wurden klar wiedergegeben.
Eine Stärke der Chorarbeit von Tobias Landsiedel mit den Jugendlichen ist es, den musikalischen Ausdruck mit gezielter Körpersprache zu unterstreichen. So war jeder Song auch für die Gäste im Saal ein Hör- und Seherlebnis. Da alle Beiträge auswendig gesungen wurden, war der Körper frei für die Bewegung. Das kam so leicht daher, doch dahinter steckt eine disziplinierte Chorarbeit. Ständig entstanden neue, ausdrucksstarke Bilder. Aufeinander zugehen, sich abwenden, zwei Gruppen sangen sich zu, Einzelne traten zum Solo hervor, neue Formatierungen entstanden, mit bewegten Händen verdeutlicht.
Dieses miteinander Agieren wurde besonders bei dem Song von den Dire Straits, „Brothers in Arms“, dargestellt. Der Song handelt von der Sinnlosigkeit der Kriege. Die volle Konzentration war spürbar, aber ohne jegliche Verspannung und der Zuhörer, die Zuhörerin konnte jeden Auftritt genießen.
Großen Applaus erhielten alle vielfältigen und leidenschaftlich gesungenen Solobeiträge, die von musikalischem Einfühlungsvermögen in die Coverversionen zeugten. Egal welcher Altersgruppe die jungen Solisten angehörten, ihr Mut und Selbstvertrauen, allein auf der Bühne zu stehen, war bewundernswert. Haltgebend war dabei sicher die perfekte Klavierbegleitung durch den Pianisten Constantin von Knebel.
Die von silbernem Glitzer nur so sprühende schwarze Bekleidung der jungen Leute, das Bühnenbild mit Discokugeln geschmückt, die fantastische Lichttechnik durch Johannes Weiss passten natürlich hervorragend zum ABBA-Medley nach der Pause. Der Saal begann immer mehr, in Begeisterungsstürme zu verfallen und das Mitklatschen war obligatorisch. Dieses Konzert, das auch durch die geniale Moderation einiger Chormitglieder so lebendig und ansprechend daherkam, zeigte erneut, was heutige Jugendchöre so draufhaben. Der neuen Generation von Chorleitern und Chorleiterinnen, wie sie auch bei Chorwettbewerben zu erleben sind, sei gedankt für ihre Begeisterung, die sie jungen Leuten mitgeben, um in einem Chor zu singen.
So war es nur folgerichtig, dass die Eigenkomposition von Tobias Landsiedel – Tanz, Tanz, Tanz – mit ihrer lebensfrohen Aussage den Abschluss des Konzertes bildete.
Beschwingt, so mancher noch mit einem Glas Wein und einer Brezel in der Hand, endete ein Konzert, das noch nachklingen wird. Für weitere Informationen zu den Chören sei die Homepage empfohlen: www.jungekantorei-badsoden.de

